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Ich will doch bloß sterben, Papa

Bild von warmerSommerregen

Ein unglaublich berührendes und mitnehmendes Buch zu dem Thema Schizophrenie!

Michael Schofields Tochter Jani ist von Anfang an anders, als andere Kinder. Schon im Mutterleib ist sie extrem aktiv und sobald sie zur Welt gekommen ist beansprucht sie die Zeit ihrer Eltern durchgehend. Jani muss immer beschäftigt sein, schnell verliert sie aber das Interesse an einer Aktivität oder an einem Gegenstand, sodass sich ihre Eltern etwas Neues zu ihrer Unterhaltung ausdenken müssen.
Doch als sie älter wird verändert sie sich Stück für Stück ein wenig. Die mittlerweile vierjährige Jani hat zahlreiche imaginäre Freunde- allesamt Tiere. Geht eine Person nicht auf ihre Freunde ein oder tut gar so, als sein sie nur der Fantasy des Mädchens entsprungen, kann Jani nicht mehr an sich halten und ein neuer Wutausbruch beginnt.
Ein solcher kann auch dadurch ausgelöst werden, dass sie bei ihrem Namen genannt wird. Ihre Namen wechslen stetig, sodass sie an einem Tag Blauaugenbaumfrosch und an einem anderen 76 heißt.
Kinder in ihrem Alter verstehen ihr Verhalten nicht und können nicht nachvollziehen, weswegen sie das Mädchen, das sie seit jeher schon als Janni (ihr ursprünglicher Name) kennen, plötzlich einen anderen Namen tragen soll. Dass Jani wütend wird, wenn andere Kinder sie so ansprechen oder dass sie allen Kindern ins Gesicht sagt, sie könne sie nicht ausstehen- und das offensichtlich ohne Grund- trägt dazu bei, dass Jani immer mehr abgeschottet von Kindern ihres Alters lebt. Ihre Mutter bringt sie, in der Hoffnung, dass Jani doch noch Freunde mit der gleichen blühenden Fantasie findet, immer wieder zu Geburtstagsfeiern. Doch das Szenario ist immer das gleiche: Jani ist an den Kindern nicht interessiert und bettelt schon nach kürzester Zeit darum, endlich fort gebracht zu werden.

Die Eltern suchen verzweifelt nach einem Grund für ihr Verhalten. Könnte es an der Diskrepanz zwischen Janis körperlichen und geistigen Alter liegen? Schließlich ist Jani hochintelligent, ihr IQ liegt weit über dem Normalen.
Jani wünscht sich ein Geschwisterkind, damit sie nicht mehr so alleine ist, doch wird alles nur noch schlimmer als ihr kleiner Bruder Bodhi geboren wird. Sobald Bodhi weint oder Dinge zum Erforschen in den Mund nimmt, überkommt Jani ein extremer Wutanfall; eine ihrer imaginären Ratten befielt ihr, Bodhi zu töten. Sie schlägt wie bessesen um sich, trifft ihre den Bruder schützende Mutter, beißt und tritt ihren Vater.
Kurz darauf findet das erste Gespräch mit einer Psychologin statt, doch da sie keine Antworten hat, suchen die Eltern immer und immer wieder Ärzte und Psychiater auf, die versprechen, das Problem zu lösen und im Endeffekt noch unwissender als die Eltern zu sein scheinen.
Michael und Susan haben schon sehr früh den Verdacht, es könne sich um Schizophrenie handeln, doch jeder den sie konsultieren behauptet, in Janis Alter wäre Schizophrenie unmöglich. Viel wahrscheinlicher sei ADHS, eine Diagnose, die zu dieser Zeit sowieso im Trend liegt.

Aber die Eltern sind sich sicher, dass es irgendetwas geben muss, mit dem man ihrer Tochter helfen kann und die ständige Angst um das Leben ihrer Kinder- denn manchmal befehlen die Ratten Jani auch sich selbst umzubringen- und die stetigen Bemühungen für Jani da zu sein und stark zu bleiben, zermürben sie. Aber dennoch ist die Liebe zu ihrer Tochter unendlich groß.

Es ist erschreckend, wie Jani durch ihre Wahnvorstellungen gequält wird und wie sehr sie davon überzeugt ist, ihren Bruder umzubringen, den Hund schlagen, die Eltern zu prügeln oder sich umbringen zu müssen. Denn plötzlich hat sie auch “klare Phasen”, in denen sie sagt, sie müsse ins Krankenhaus gebracht werden, damit sie niemanden verletzen muss.
Was in meinen Augen aber zu tiefst schockierend und befremdlich ist, ist dass so viele Ärzte davon überzeugt sind, dass Kinder nicht schizophren sein können. Immer wieder wird die Familie weitergeschickt oder abgewiesen und wird Zeuge von den schlechten Bedingungen die in Krankenhäusern und Psychiatrien herrschen.
Ich habe großen Respekt vor Janis Eltern, die immer für sie da waren und immer wieder aufgestanden sind, selbst wenn ihnen noch so sehr danach war einfach aufzugeben. Traurig ist, wie sehr die Familie unter Janis Erkrankung leidet, denn nicht nur die Ehe wird auf die harte Probe gestellt, sondern auch Bodhi muss immer zurück stecken. Sich wie ein normaler Säugling zu verhalten, der ab und zu schreit und seine Umgebung erforscht, ist für ihn unmöglich.
Ich weiß nicht, ob ich die Stärke besessen hätte, immer für Jani da zu sein, mich von meinem Kind schlagen zu lassen, mitanzusehen, wie sie Wahnvorstellungen erliegt, meine Tochter an ihren Selbstmordversuchen zu hindern und wieder von eigentlichen Fachmännern im Stich gelassen zu werden- und das über Jahre und unter Verlust von Freunden.
Beeindruckend war für mich auch die Offenheit und Ehrlichkeit, mit der Micheal Janis Geschichte von Anfang an erzählt. Es ist bewegend und auch gruselig, was die gesamte Familie über sich ergehen lassen muss. Ob die Anzeige wegen Kindesmissbrauchs an den Vater oder das tägliche Aufsuchen von zum Teil weit entfernten psychiatrischen Anstalten um sicher zu gehen, dass sich das Personal ausnahmsweise dem Kind gegenüber menschlich verhält.

Dieses Buch ist extrem packend, da man unbedingt erfahren möchte, wie es mit Jani weiter geht. Zum einen wäre da die Entwicklung ihrer Erkrankung und die Veränderungen in ihrem Verhalten die diese mit sich bringt, zum anderen die neuen Therapieansätze und Ideen der Eltern, um Janis Zustand zu bessern. Aber auch die Frage, wie lange eine Familie eine solche Ausnahmesituation aushalten kann und ob noch Hoffnung besteht, dass dieses intelligente Kind ein normales (und langes) Leben führt, spornt beim Lesen weiter an.
Auch der Schreibstil ist sehr fesselnd und berührend.
Micheal Schofield betreibt auch den Blog, auf dem er über die Geschichte von Janis Schizophrenie berichtet. Zusammen mit seiner Frau Susan gründete er, um psychisch kranke Kinder und ihre Eltern zu unterstützen, die Jani Foundation (www.janifoundation.org).

Alles in allem kann ich das Buch “Ich will doch bloß sterben, Papa- Leben mit einer schizophrenen Tochter” von Micheal Schofield absolut weiter empfehlen. In meinen Augen sollte dieses Thema in der Öffentlichkeit mehr Beachtung finden!


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