style="display:block"
data-ad-client="ca-pub-7783397286425302"
data-ad-slot="3580846517"
data-ad-format="autorelaxed">

Geheimer Ort

Bild von flügellos

Klappentext:
Ein Toter. Acht Mädchen. Ein einziger Tag für die Wahrheit.
Anmutig, behütet und golden, so scheint die abgeschirmte Welt des traditionsreichen Mädcheninternats St. Kilda. Doch vor einem Jahr ist dort im Park ein Junge erschlagen worden. Nun hängt sein Bild am Schwarzen Brett mit der Überschrift: ICH WEISS, WER IHN GETÖTET HAT. Nur eines von acht Mädchen kann die Karte aufgehängt haben. In zwei Cliquen stehen sie sich gegenüber, unverbrüchliche Freundinnen, erbarmungslose Feindinnen. Der junge Detektive Stephen Moran kennt eines der Mädchen, Holly Mackey, aus einem früheren Fall und meint zu wissen, was auf dem Spiel steht. Bis er hinter den Mauern von St. Kilda selbst in das verfängliche Netz aus Träumen und Lügen gerät.

Meine Meinung:
Tana French erschafft durch ihren Umgang mit der Sprache Bilder einer Stadt, die ewig ist und doch nie existiert hat. In ihren Krimis entführt sie uns nach Dublin, Stadt die seit jeher zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, Vergangenheit und Zukunft zerrissen ist. Und so tun es auch Tana Frenchs Protagonisten, die in düster-leuchtenden Farben gezeichnet, einer wundervollen Zukunft entgegenfiebern und gleichzeitig jeden einzelnen Moment festhalten wollen. Genauso wie der Leser von „Geheimer Ort“, der am liebsten schnell weiterlesen möchte um zu erfahren, wer diesmal einen unschuldigen Internatsschüler umgebracht hat, sich gleichzeitig ein weiteres erstes und letztes Mal mit Holly und ihren Freundinnen in den Garten schleichen will. Gewohnt bildgewaltig und so poetisch, dass man es fast auf der Haupt spüren und auf der Zunge schmecken kann, erzählt Tana French eine Geschichte von Erwachsenwerden und von zu erwachsen sein wollen, die sie gleichzeitig von vorne und von hinten aufzieht, bis Vergangenheit und Gegenwart dasselbe werden. Nur die Zukunft, die bleibt wie man es schon von der irischen Bestseller-Autorin gewöhnt ist, offen. Gerade als man beginnt den Protagonisten und Erzähler des Buches, in diesem Fall Detektiv Stephen Moran, richtig liebzugewinnen, muss man ihn auch schon wieder verlassen und kann nur hoffen, dass zumindest sein Side kick, dem mal die toughe und harte aber nichtsdestotrotz liebenswürdige Antoinette Conway, es im nächsten Buch in den Hauptcast schafft. Tana Frenchs Bücher sind wie die Geschichte ihres Heimatlandes selbst: Voller bezaubernder und unglaublich düsterer Momente, die einen gnadenlos hoffen lassen und am Ende doch wieder desillusioniert in die kalte komplizierte Wirklichkeit zurückschleudern. Diesmal tut das Ende des Buches noch mehr weh, nicht nur weil das Leben von vier jungen Mädchen unwiederbringlich verändert wurde, sondern weil „Geheimer Ort“ nicht ganz so begeistert wie seine Vorgänger. Vom inflationären Gebrauch des Worte „sagte“ in den Dialogen einmal abgesehen, wirken die Beschreibungen dieses Mal nicht ganz so hypnotisch auf den Leser, sondern eher abgehackt, man stolpert immer wieder beim Lesen, wird aus der Katharsis wachgerüttelt. Außerdem ist die Zeitspanne in der die gegenwärtige Handlung spielt, kürzer als man es normalerweise von Tana French gewöhnt ist, es fällt dadurch manchmal schwer verschiedene Charaktere zu unterscheiden und alles in allem wird die Polizeiarbeit manchmal etwas unrealistisch dargestellt. In der Masse der langbeinigen blonden Grazien der Kilda-Schülerinnen, sticht dadurch jedoch umso mehr der warmherzige Detektiv Moran heraus, den wohl auch jeder echte Polizist gern zum Partner hätte. Etwas undurchsichtig bleibt hingegen sein Side kick Conway, deren Zukunft noch offen ist. Und auch Julia und ihre Freundinnen, bleiben bis zum Ende nicht nur den Detektives ein Rätsel, nicht alle Fragen werden geklärt.
Nichtsdestotrotz würde ich ein Tana French Buch immer weiterempfehlen, vielleicht nicht an einen Germanistikprofessor und auch nicht an einen unverbesserlichen Optimisten.


0