style="display:block"
data-ad-client="ca-pub-7783397286425302"
data-ad-slot="3580846517"
data-ad-format="autorelaxed">

3 Dinge für die Einsame Insel

Bild von AlocadaWho

Seit den Freundebüchern, die wir vor langer Zeit fleißig für all unsere Klassenkammeraden und Sportvereinbekanntschaften ausfüllen durften lässt uns diese eine Frage nicht los.
Immer wieder kommt sie hoch, wenn wir einem neuen Forum beitreten und einen Steckbrief ausfüllen um uns vorzustellen, vielleicht philosophieren wir sie betrunken in den Nachthimmel hinein oder bekommen sie beim Speed-Dating gestellt.
"Welche 3 Dinge würdest du eigentlich auf eine einsame Insel mitnehmen?"
Mit dieser Frage befasst sich Isabel Abedi in ihrem Jugendroman "Isola" fast so beiläufig, dass man bald vergisst, dass dies der Grund war, warum man beim Klappentext sofort interessiert war.
Bei dieser einen Frage bleibt es aber tatsächlich nicht. Es werden einige mehr Fragen aufgeworfen, auf den ersten Seiten bereits, die nicht nur die Charaktere, sondern auch uns selbst betreffen.
Wie würde ich heißen, wenn ich es mir aussuchen könnte?
Würde ich jemals bei einem Format wie "Big Brother" mitmachen?
Und dann eben: Wer ist dieser mysteriöse Kerl, der im ersten Abschnitt des Buches in kursiven Buchstaben einen inneren Monolog über all das Drama führt, dass bald auf ihn und uns wartet.

Die eigentliche Handlung von Isola ist so schnell erklärt, dass sie in jeder Fernsehzeitung gut umrissen werden kann und somit die Zuschauer ködern kann. Denn ja: In Wahrheit ist Isola eine Fernsehshow.
Ein exzentrischer Regisseur stellt sich in Deutschland einen Haufen Jugendlicher zusammen, die er auf eine einsame Insel vor Rio de Janeiro schickt und ab dem Zeitpunkt einfach nur noch beobachtet. Big-Brother-Prinzip eben.

Wie jeder weiß, der von Big Brother oder anderen menschlichen Extremsituationen gehört hat, entwickelt sich in solchen abgeschlossenen Gruppen bald ein Prozess, der sich gerne jeden Kontrollversuchen von Außen entzieht.
Um auf Nummer sicher zu gehen hat sich der Regisseur allerdings zusätzlich ein teuflisches Spielchen ausgedacht, um die Stimmung und damit meine ich Spannung auf der paradisischen Insel etwas anzuheizen. Auch hier klingelt es vielleicht bei vielen, denn das Prinzip erinnert stark an das gute alte Partyspiel "Mord in der Disko". Man zieht Umschläge, einer ist der Mörder, die anderen die Opfer, der Mörder darf zuschlagen, die Opfer müssen ihn versuchen zu entlarven, wer das schafft, hat gewonnen, wer nicht, muss die Insel umgehend verlassen, das Spiel geht weiter, bis der Mörder als einziger übrig ist.
Mord bedeutet im Zusammenhang dieses Spiels, das Opfer mit einem bestimmten Zeichen zu "fangen" und auf einem allen anderen unbekannten Weg von der Insel zu befördern.
Was zunächst wie eine harmlose Mischung aus Klassenfahrt- oder Schullandheim-Elementen wirkt besitzt eine ganz eigene Faszination.

Nicht nur ist es furchtbar spannend die 12 Jugendlichen, die alle so unterschiedlich wie besonders sind nach und nach kennenzulernen ohne gleichzeitig zu wissen, wer sie waren, bevor das Projekt "Isola" begann, auch etwickelt sich die Handlung in einen Thriller, an dessen Ende vielleicht mehr als nur ein Mörder gesucht wird.

Die Hauptperson Vera beschäftigt währendessen ihre ganz eigene Geschichte, über die man nur Häppchenweise mehr erfährt und so bleibt auch sie für den Leser eine Unbekannte, die sich hinter einer Fassade versteckt. Sie, als zurückhaltende, nachdenkliche Person, bietet die perfekte Linse um das Geschehen, das manchmal wie ein traumhafter Sommerurlaub und dann wieder wie ein krankes Marionettenspiel wirkt, denn sie scheint ihre ganz eigenen Beweggründe zu haben, die Insel betreten zu haben, während viele diese Sendung als Sprungbrett in eine Showkarriere sehen.

Was das Buch so lebensnah macht ist die Leidenschaft und die Liebe zu kleinen, kostbaren Momenten. Wie im wahren Leben schwebt über jeder Sekunde des Glücks ein Damoklesschwert, dass mit baldigem Ende, mit unbekannten Gefahren und dem Zerplatzen von Träumen droht. Und trotzdem, trotz dieser ständigen Ungewissheit und einem flauen Gefühl im Magen, dass man auf jeder Seite von Isola verspürt, lacht man und sieht sie am Strand tanzen und die Insel zu ihrer eigenen machen, man hofft auf die großen Gefühle und fiebert mit in ständiger Furcht, im nächsten Kapitel könne sich das Blatt schon drehen oder eine entscheidende Information auf den Tisch kommen, die einen Charakter demaskiert und so zu jemand ganz anderem macht, als man bisher gehofft oder nur geahnt hatte.

Es geht also um ein ganz normales Mädchen, in das man sich deshalb so gut hineinversetzen kann, mit geheimen Wünschen und mit derselben Unsicherheit, die jeder Teenager so oft erlebt, eben dabei, seine große Leidenschaft vor anderen Menschen zu zeigen, seinen Gefühlen zu vertrauen, seine Angst zu überwinden und seiner inneren Stimme zu folgen.
Und das ist von Isabel Abedi sehr mitreißend und detailliert portraitiert worden.

Besonders eignet es sich als Sommerlektüre, würde ich sagen, denn die brasilianische Szenerie passt so gut zu einem Nachmittag mit Buch am Strand, es ist mit gut 320 Seiten genau lang genug für eine Woche Urlaub, es fesselt und unterhält und immer wieder ändert es seine Richtung und die Handlung bekommt einen anderen Ton.

Vielleicht merkt man, dass es mein Lieblingsbuch ist, ich habe es mehrmals gelesen und bin immer wieder begeistert!


5
Durchschnitt: 5 (1 vote)