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333 Seiten, tausende Worte...

Bild von Raisa.Goldflowing

333 Seiten, tausende Worte …

… und trotzdem absolut nicht langweilig. Da wäre
sogar Effi selbst von den Socken!

Ein lebendiges, wildes, 17-jähriges Mädchen, ein um die zwanzig Jahre älterer Mann von Prinzipien, eine Affäre, ein herumspukender Chinese und allerhand Aufruhr, das alles und noch mehr – vereint von Theodor Fontane in einem Buch. Jawohl, genau wie du denkst: Das muss man erst mal schaffen!

Die junge und vor Lebensfreude sprühende Effi erfährt von ihrer stolzen Mutter, dass der Landrat von Kessin, Geert von Instetten, um ihre Hand angehalten hat. Es kommt, wie es kommen muss: Effi fügt sich trotz Zweifeln und Unzufriedenheit ihrem Schicksal und bereits kurze Zeit später klingeln die Hochzeitsglocken für das in sich so verschiedene Paar. Effi zieht zu Instetten in ihr neues Heim in Kessin, doch glücklich, das ist sie nicht. Fehlende Zuneigung von Instetten, pure Langeweile und die gruselige Geschichte eines verstorbenen Chinesen, der angeblich noch immer in ihrem Haus herumspuken soll, sorgen letztendlich dafür, dass Effi sich in eine Liebesaffäre mit Major Crampas, einem alten Freund Instettens, flüchtet.

Kurze Zeit später zieht das Ehepaar jedoch nach Berlin und die Affäre findet somit ein Ende. Dort leben die beiden, scheinbar glücklich, sechs lange Jahre mit der gemeinsamen Tochter, bis Instetten, allseits bekannt als Mann von Prinzipien, die aufgehobenen Liebesbriefe von Crampas an Effi entdeckt. Er sieht keinen anderen Ausweg und fordert nicht nur Crampas zum Duell auf, sondern verstößt auch Effi. Wie das Duell der beiden ausgeht, fragst du dich? Nun, das musst du schon selbst herausfinden!

Effi jedenfalls lebt danach noch drei Jahre lang allein in Berlin, denn auch ihre Eltern fügen sich den gesellschaftlichen Regeln und verstoßen sie. Da es der armen Effi jedoch von Zeit zu Zeit immer schlechter geht, wird sie letztendlich doch noch von ihren Eltern mit den Worten „Effi, komm“ nach hause gerufen. Anfangs scheint es ihr dort auch merklich besser zu gehen, doch dann passiert etwas, was man am Ende eines solchen Buches nun absolut nicht erwartet hätte. Doch verraten werde ich nichts, denn die womöglich ergreifendste Szene des gesamten Buches entfaltet ihre Wirkung am besten, wenn man völlig unwissend darauf stößt.

Wie du siehst, ist Theodor Fontane ein Autor, der eine Menge Spannung und Abenteuer in seinen Roman hat einfließen lassen. Also, sei gespannt, welch ein Trubel sich noch auf den 333 Seiten versteckt!
Das in den 1890ern veröffentlichte Buch Fontanes wurde zur Zeit des poetischen Realismus geschrieben und ist, anders als man es von einem über hundert Jahre alten Buch erwartet, überraschend leicht zu lesen, teilweise amüsant und mit Ironie gespickt. Die Dialoge sind lebendig und lebensnah, fast als wären sie vor einigen Minuten und nicht vor langer Zeit geschrieben worden. Auch die Handlung nimmt erstaunlich schnell ihren Lauf. Erst läuft Effi noch spielend mit ihren Freundinnen über Stock und Stein, während sie einige Seiten später schon ihre Verlobung feiert oder für Hochzeitseinkäufe gemeinsam mit ihrer Mutter nach Berlin reist. Dabei nennt Fontane jedoch auf geschickte Weise nicht alles beim Wort, sondern weiß ein paar Andeutungen am rechten Fleck einzustreuen, die dich nur vermuten lassen, wie es jetzt wohl um Effi aussieht, bis du am Ende des Romans endlich Gewissheit bekommst.

Fontane zeigt dir als Leser mit „Effi Briest“ ganz genau, wie es zu Zeiten Bismarcks aussah und gibt einen guten Überblick über die Gesellschaft des 19. Jahrhunderts und deren Sitten, wie zum Beispiel die typische Rollenverteilung von Mann und Frau, der Druck der gesellschaftlichen Regeln, denen man zu folgen hatte oder die damals noch immer weit verbreitete arrangierte Ehe. Doch nicht nur das, Fontane knüpft mit diesem Werk auch an vier seiner bisherigen Romane an, die allesamt das Thema der Brüchigkeit der Ehe als Grundthema haben. Wie du siehst, steckt da eine ganze Menge in „Effi Briest“ was noch heute als Problem gilt.

Theodor Fontane schrieb „Effi Briest“ zur Zeit des poetischen Realismus. Doch nicht nur das: er gilt auch als bedeutendster deutscher Vertreter dieser Epoche, in der die Dichter und Autoren vor allem versuchten, objektiv zu bleiben und nicht zu bewerten. Eines der Themen der Epoche war, wie von Fontane in diesem Roman umgesetzt, das menschliche Handeln unter dem Einfluss der Natur, der gesellschaftlichen Zwänge und des Zufalls, die Konflikte, die daraus entstehen und auch deren Lösung.
Alles in allem war Theodor Fontane also ein Autor, der es verstand, in einem Roman sowohl für Spannung zu sorgen, als auch geschickt auf das aufmerksam zu machen, was in der Gesellschaft eher kritisch zu betrachten war und ist. Und das zeigt einmal mehr: trotz des stolzen Alters ist dieser Roman jung geblieben, denn auch heutzutage sind einige diese Zwänge allgegenwärtig.

Ich denke, mit „Effi Briest“ hat Theodor Fontane ein wundervolles Buch geschaffen, das mitunter zu Tränen rührt. Er schafft es, einen jeden Leser vom ersten Augenblick an zu fesseln, sei es, mit den Charakteren, die alle so verschieden und gerade deshalb interessant sind, oder mit den unglaublich detaillierten Beschreibungen, hinter denen sich bei genauerem Hinsehen etwas ganz anderes verbirgt, als gedacht. Alles in allem, finde ich, ist „Effi Briest“ ein rundum gelungenes Werk, das ich bestimmt noch das ein oder andere Mal aus dem Regal hervorholen werde, um es erneut zu lesen. Abschließend bleibt mir also nur noch dies zu sagen: Ob dir dieses Buch gefällt?

Nun, da halte ich es ganz wie der alte Briest:
Das ist mir ein zu weites Feld!


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