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235 Jahre alt und doch so modern wie nie...

Bild von Raisa.Goldflowing

Ein Meisterstück deutscher Literatur und trotz seines inzwischen stolzen Alters von 235 Jahren so modern wie nie...

„Da du nun
So weise bist: so sage mir doch einmal -
Was für ein Glaube, was für ein Gesetz
Hat dir am meisten eingeleuchtet?“

Diese Frage des Sultans an Nathan ist wohl das Herzstück des Buches, die Essenz um die es allen voran geht: Die Frage nach der einzig wahren Religion, die sich auch in unserer heutigen, modernen Welt noch immer gestellt wird. So, wie du sie dir vielleicht ebenfalls stellst?

G. E. Lessing verpackt die Frage, welche Religion denn nun die richtige sei, in ein Drama voller Spannung und aufregenden Wendungen, das einen jeden Leser fesselt. Schon der Beginn des Buches zieht dich sofort in die Geschichte hinein, in die Zeit der Kreuzzüge nach Jerusalem. Der reiche Jude Nathan, vom Volk auch „Nathan der Weise“ genannt, kehrt von einer längeren Geschäftsreise nach Hause zurück und erfährt, dass seine Tochter Recha nur knapp aus den Flammen seines brennenden Hauses entfliehen konnte, und das allein durch das beherzte eingreifen eines vom Sultan Saladin begnadigten Tempelherren. Daraufhin tut Nathan, was jeder Vater tun würde: er begibt sich auf die Suche nach dem tollkühnen Retter um ihm zu danken. Dieser jedoch ist Christ und will anfangs nichts mit Nathan zu tun haben. Dies ändert sich jedoch im Laufe der Geschichte, denn sowohl Recha als auch der Tempelherr entwickeln Gefühle für einander. Als Rechas Haushälterin Daja dann auch noch mit der Wahrheit über Rechas Herkunft herausrückt, werden große Zusammenhänge zwischen den Figuren deutlich und das Chaos ist perfekt... Wie du siehst, kann es auch in einem alten Buch eine Menge Aktion und Spannung geben, alleine schon deshalb, weil es keinen Erzähler, sondern nur Dialoge gibt! Aber das ist ja noch nicht alles...

In dem fünfaktigem, geschlossenen Drama ist die Frage nach der Religion allgegenwärtig, nicht zuletzt weil sich unter den verschiedenen Charakteren die drei Weltreligionen, der Islam, das Christen- und das Judentum, befinden. Auf diese Frage, welche der Sultan Nathan stellte, hatte dieser trotz oder gerade wegen seiner Weisheit keine eindeutige Antwort: Er erzählte dem Sultan das Märchen der drei Ringe. In diesem ist die Rede von einem Ring, welcher von seinem Vater immer an den ihm liebsten Sohn gegeben wurde, bis ein Vater diese Tradition brach, denn er liebte alle seine drei Söhne auf die gleiche Weise. Also ließ er zwei weitere Ringe anfertigen, um letztendlich jedem seiner Söhne einen der Ringe zu vermachen. Daraufhin trat ein Streit zwischen den Söhnen ein, welcher denn nun der wahre Ring war, was beweist, dass keiner der Söhne die gutherzige Eigenschaft des Vaters besaß. Die drei Ringe innerhalb dieses Märchens stehen für die drei Weltreligionen, welche jede für sich egoistisch annimmt, dass sie die einzig mögliche Religion ist. Die Botschaft dieser Parabel besteht darin, dass die Religion die wahre ist, welche zwischen den Menschen Frieden schafft.

Gotthold Ephraim Lessing schrieb „Nathan der Weise“ in der Zeit der Aufklärung. Diese Epoche wurde vom Gedanken der Tugend und Vernunft geprägt. Es war das Zeitalter der Kritik, aufklärerische Grundsätze waren unter anderem auch Toleranz sowie Gleichberechtigung und die ständische Herkunft trat in den Hintergrund. Diese Gedanken spiegeln sich vor allem in Nathan wieder. Deshalb ist es nicht allzu verwunderlich, dass „Nathan der Weise“ zu den wichtigsten Werken der Aufklärung gezählt wird (dabei jedoch alles andere als langweilig ist).

„Nathan der Weise“ war G.E. Lessings letztes Stück, mit dem er das herzogliche Schreibverbot umging. Durch das Theaterstück konnte er auch weiterhin seine Gedanken zum menschlichen Glauben und Zusammenleben mitteilen. So stellte Lessing seinen Glauben an den Sieg der Vernunft im Menschen dar. Er versuchte also zu zeigen, wie man andere Glaubensrichtungen akzeptiert und wollte die Menschen zum Nachdenken anregen. Wie du siehst ist G.E. Lessing alles andere als ein langweiliger, alter Autor, sondern vielmehr jemand, der sich auch einmal zu widersetzen traute.

Ich denke, dass G.E. Lessing mit seinem Drama „Nathan der Weise“ sehr gut auf die Religionspolitik aufmerksam macht, die auch heutzutage noch allgegenwärtig ist. Außerdem vertritt dieses Buch sehr gut eine moderne und humane Denkweise, und das alles, ohne langweilig oder fad zu wirken. Ganz im Gegenteil, von Seite zu Seite scheint das Drama immer mehr an Spannung zu gewinnen. Auch wenn dieses Buch aufgrund der Verse und der etwas älteren Sprache nicht leicht zu lesen ist, gewöhnt man sich nach einigen Seiten daran und kann die spannende Geschichte um Toleranz, Frieden, Liebe und Macht genießen.


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