style="display:block"
data-ad-client="ca-pub-7783397286425302"
data-ad-slot="3580846517"
data-ad-format="autorelaxed">

Meeressehnsucht und interessante Zeitfrage

Bild von Graue Maus

Die Oberfläche der Erde ist zu mehr als 70% von Wasser bedeckt. Erst die Meere ermöglichen Pflanzen, Tieren und Menschen das Überleben auf dem „blauen Planeten“. Doch wie lange wird dieses komplexe Ökosystem noch bestehen? Schon jetzt sind Ozeane bedroht durch Überfischung, Verschmutzung und Klimaerwärmung.
Katja Brandis Roman „Ruf der Tiefe“ spielt einige Zeit in der Zukunft, im Jahr 2018, und gibt eine erschreckende Antwort auf die Frage, was der Mensch durch die Ausbeutung der Meere in der Natur anrichtet.
Der 16-jährige Leon liebt die Tiefsee mehr als jeder andere, denn er lebt in ihr. Als Mitglied eines Forschungsprojekts verbringt er seine Tage in tausend Metern Tiefe und mit futuristischer Ausrüstung ausgestattet durchsucht er das Meer nach Rohstoffen. Bei jedem Tauchgang begleitet ihn seine beste Freundin Lucy, die ihm stets mit ihren acht Armen und einer für Kraken außergewöhnlichen Intelligenz zur Seite steht.
Einer ihrer Ausflüge nimmt beinahe ein böses Ende. Leon und Lucy geraten in eine so genannte Todeszone: Gebiete, in denen kein Tier überleben kann. Nach dieser schrecklichen Entdeckung finden Forscher heraus, dass solche Zonen mittlerweile in allen Ozeanen existent sind. Und auch sonst scheint Leons Zuhause in letzter Zeit verrückt zu spielen. Überall sind seltsame Naturphänomene zu beobachten und niemand weiß, was sie zu bedeuten haben.
Gemeinsam mit Lucy folgt Leon dem Ruf der Tiefe und bei seiner Suche stößt er auf ein Netz aus Lügen und Intrigen. Wem kann er eigentlich noch vertrauen? Seine einzige Stütze neben Krakenweibchen Lucy ist das Mädchen Carima von der Oberfläche. Aber Leon ist sich seiner Gefühle Carima gegenüber noch nicht sicher und ihre Zeit läuft ab…

„Ruf der Tiefe“ überrascht seine Leser mit einer durchaus realistischen Zukunftsvision. Viele der erwähnten technischen Errungenschaften gibt es bereits in der Gegenwart oder sie existieren als Idee. Auch die Probleme, die im Roman genannt werden, sind nicht aus der Luft gegriffen und stimmen beim Lesen nachdenklich.
Der Schreibstil ist klar und verständlich, zum besseren Verstehen der oftmals komplizierten biologischen Begriffe gibt es im hinteren Teil des Buches aber noch ein Glossar. Dieses habe ich allerdings nie benötigt, weil die Autoren Wissenschaftliches gut erklären, ohne einen zu überfordern.
Auch die Handlung ist gelungen. Das Buch ist von den ersten Seiten an spannend, teilweise bei einem so ernsten Thema erstaunlich witzig. Die Reaktionen der Figuren sind nachvollziehbar und die Charaktere authentisch. Leon wächst dem Leser mit seiner klugen und gleichsam schüchternen Art schnell ans Herz, seine Partnerin Lucy sowieso. Das Krakenweibchen gibt der fremdartigen Tiefsee mit ihrem possierlichen Charakter ein weniger erschreckendes Gesicht und einige lustige Missverständnisse mit „Zweiarmern“ haben mich schmunzeln lassen.
Die Liebesgeschichte zwischen Carima und Leon bringt Abwechslung in die Handlung, jedoch hat sich ihre Beziehung für mein Empfinden am Anfang etwas zu schnell entwickelt.
Toll sind dafür die Beschreibungen der Meeresbewohner und ihres Lebensraums. Man entwickelt bald eine ähnlich tiefe Zuneigung zur Tiefsee wie Leon!

Zu empfehlen ist der Roman allen, die daran interessiert sind, dass Dumbo-Tintenfische und Kalmare noch lange in unseren Meeren schwimmen und außerdem ein Abenteuer in einer vom Menschen noch kaum erschlossenen Welt erleben wollen!


0