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Ashes - Brennendes Herz

Bild von Stephie89

Inhalt
Um sich über ein paar Dinge klar zu werden macht sich die 17-jährige Alexandra allein auf den Weg zu einer Wanderung durch das Waucamaw-Naturschutzgebiet. Dort will sie insbesondere über ihr zukünftiges Leben nachdenken, denn vor zwei Jahren hat man in ihrem Gehirn einen großen inoperablen Tumor entdeckt, der gegen alle Behandlungen immun zu sein scheint und ihr schließlich nicht nur ihren Geruchssinn, sondern auch immer mehr Erinnerungen an vergangene Momente genommen hat. Ihr Ziel ist der Lake Superior, wo sie die Asche ihrer vor drei Jahren bei einem Unfall tödlich verunglückten Eltern verstreuen möchte.

Sie kommt jedoch nie bei dem See an, denn schon kurz nach ihrer Begegnung mit der 8-jährigen Ellie und deren Großvater Jack, die ebenfalls auf einer Wandertour sind, geschieht etwas, das alle Lebewesen verändert. Eine Art elektromagnetischer Impuls hat alle modernen Geräte nutzlos gemacht und unzählige Menschen, vor allem Erwachsene im mittleren Alter, und Tiere sterben auf der Stelle, doch es kommt noch schlimmer. Mit wenigen Ausnahmen, darunter auch Alex, verändert sich das ganze Wesen ihrer Altersgenossen und wie Tiere machen sie Jagd auf ihre eigene Rasse. Für Alex und Ellie beginnt ein Kampf ums nackte Überleben …

Kritik
Der größte Kritikpunkt an (der deutschen Ausgabe von) Ashes, vielleicht sogar der einzige, ist eindeutig der wirklich bescheidene Klappentext, der völlig falsche Erwartungen weckt und dem Buch damit eher schadet als nützt. Denn obwohl der Roman für sich genommen wirklich fantastisch ist, können diese falschen Erwartungen natürlich dazu führen, dass man von der Geschichte enttäuscht ist, weil sie ihnen eben unmöglich gerecht werden kann – das muss sie aber eigentlich auch gar nicht.
Ashes ist definitiv keine große Liebesgeschichte; der Protagonist, Tom, taucht erst nach über hundert Seiten auf und obwohl sich im Verlauf der Handlung langsam eine kleine Romanze zwischen ihm und Alex anbahnt, steht diese auch später nie im Vordergrund.
Neben den falschen Erwartungen auf der einen Seite, verrät der Klappentext auf der anderen Seite gleichzeitig zu viel und zu wenig über das Buch. Schon viel früher als Tom tauchen nämlich Zombies auf, mit denen man überhaupt nicht rechnet und deren Erscheinen zumindest hätte angedeutet werden sollen. Stattdessen wird viel zu viel über den späteren Handlungsverlauf vorweg genommen, denn zu der Situation, in der Alex Tom zurück lassen muss, kommt es erst nach über der Hälfte des Buches und die Information, dass er nicht mehr dort sein wird, wenn sie mit Hilfe zurück kehrt – was man erst im letzten Drittel des Romans erfährt - will man zu diesem Zeitpunkt natürlich noch gar nicht wissen, weshalb sie einem nicht nur etwas an Spannung nimmt, sondern im Grunde schon als Spoiler zu bezeichnen ist!

Doch obgleich es einem der Klappentext nicht leicht macht das Buch zu mögen, ist es ein wirklich tolles Buch, sofern man wenigstens vorgewarnt ist und nicht auf eine romantische Lovestory hofft, denn statt einer Liebesgeschichte bekommt man eine Dystopie mit Zombies.

Durch den unerwarteten und lebensverändernden Vorfall gleich zu Beginn fängt die Geschichte schon recht spannend sowie mysteriös an. Man möchte natürlich wissen, was eigentlich genau geschehen ist und nachdem Alex und Ellie auf die ersten Zombies gestoßen sind, stellt man sich die Frage, was diese Veränderungen ausgelöst hat und ob sie von dauerhafter Natur sind.
Zwischendurch, häufig am Ende von Kapiteln, werden von der Autorin durch Alex als Erzählerin außerdem schon Andeutungen über den weiteren Handlungsverlauf gemacht, die die Spannung noch steigern und die Neugier des Lesers auf künftige Geschehnisse wecken.

Da die veränderten Jugendlichen Jagd auf andere, normale Menschen machen und diese dann auch verzehren, gibt es einige Szenen, die teilweise wirklich sehr abartig, brutal und eklig sind, weshalb Ashes nichts für schwache Nerven und auch nicht für allzu junge Leser geeignet ist.
Andere Dinge sind dagegen schon fast zu schrecklich um sie sich auch nur vorstellen zu können. Ilsa J. Bick hat ein grauenhaftes und erschreckendes Szenario geschaffen, dass die (verbliebene) Menschheit von ihrer schlimmsten Seite zeigt. Es ist unfassbar, wie schnell die überlebenden Senioren bereit sind Alex oder andere in ihrem Alter skrupellos zu töten, sogar durch Erhängen, nur weil sie vielleicht später irgendwann zu Zombies werden könnten, und wie rücksichtslos die übrigen Menschen einander ausrauben und ohne Vorräte oder Waffen in der gefährlichen Wildnis ohne jedes Mitgefühl zurücklassen anstatt zusammen zu halten.

Alex ist eine sehr starke, kluge und mutige Protagonistin, in die man sich gut hinein versetzen kann und mit der man auch richtig mitfiebert. Man kann ihre Angst sich selbst, über den plötzlich stark ausgeprägten Geruchssinn hinaus, den sie nach dem Impuls entwickelt hat, zu verändern und ihre Sorge um die junge Ellie gut nachvollziehen.
Sie, Tom und Ellie wachsen einem richtig ans Herz und dass die Drei im Verlauf der Handlung voneinander getrennt werden, bricht es einem fast. Da die Geschichte aus der Sicht von Alex geschildert wird, hat man keinerlei Wissen darüber, was mit Ellie oder Tom geschieht, bis auf die Dinge, die Alex durch andere Personen erfährt, und kann nur die ganze Zeit darauf hoffen, dass Alex die Beiden irgendwann wieder findet und das Trio somit wieder vereint wird.

Besonders interessant, aber ebenfalls erschreckend, ist auch der vierte Teil der Handlung, der in dem Ort Rule spielt. Die Zustände dort sind teilweise geradezu mittelalterlich und die Menschen sind hinter ihrer Fassade sehr skrupellos – wer nichts zur Gemeinschaft beitragen kann, darf nicht hinein und wird praktisch den Zombies überlassen.
Der ganze Ort ist äußerst unheimlich und wird seinem Namen gerecht. Es gibt etliche Regeln, jedoch noch mehr Geheimnisse, von denen viele so schrecklich sind, dass man sie einfach nicht wahrhaben will. Rule ist für Alex wie ein Gefängnis, dennoch bietet es ihr ein gewisses Maß an Sicherheit, weshalb es durchaus verständlich ist, dass Alex’ Entschluss zur Flucht für kurze Zeit ins Wanken gerät.

Besonders bedrohlich ist des Weiteren die Entwicklung, die die Zombies zum Ende hin offenbar durchmachen. Sie wechseln von stumpfsinniger, roher Gewaltanwendung und unüberlegten Handlungen zu geplanten, gemeinschaftlichen Angriffen mit Waffen, was zeigt dass sie intelligenter und damit noch gefährlicher werden.

Ein paar der aufgeworfenen Fragen werden zum Schluss schon beantwortet, sodass es nach vielen Theorien schließlich eine scheinbar logische Erklärung dafür gibt, wer sich verändert, also zum Zombie wird, und wer nicht.
Im Gegenzug wird man allerdings mit einem extrem schlimmen Cliffhanger bestraft, der einem nicht nur das Gefühl gibt, dass das Buch noch gar nicht zu Ende ist, sondern einen verzweifelt nach den fehlenden Seiten suchen lässt.

Fazit
Ashes von Ilsa J. Bick ist ein wirklich toller und fesselnder Roman, der mit einem erschreckenden Zukunftsszenario aufwartet, das einem den Atem raubt und einen gespannt dem zweiten Teil entgegen fiebern lässt, sofern man weiß, worauf man sich einlässt und dafür offen ist.

Wenn man allerdings mit völlig falschen Erwartungen an das Buch heran geht und eine Liebesgeschichte erwartet, wie sie der Klappentext ja verspricht, könnte man dagegen trotzdem enttäuscht werden.


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