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X.TRA

Bild von Stephie89

Inhalt
Es ist gerade einmal fünf Uhr morgens als die Menschen von einem schrillen Kreischen aus dem Schlaf gerissen werden. Nachdem das Kreischen aufgehört hat, weiß zunächst niemand, woher es kam und was es damit auf sich hatte, als plötzlich riesige, runde Kugeln aus den Wolken hinab gleiten und sich über den ganzen Himmel verteilen. Sie beginnen sich zu drehen und senden blitzartige Lichtstrahlen aus. Jeder Mensch, der sich außerhalb eines Gebäudes aufhält und von einem solchen Blitz getroffen wird, verschwindet spurlos, von einer Sekunde auf die andere.

Der 15-jährige Josh aus dem Staat Washington und die zwölf Jahre alte Megs in Los Angeles erleben dieses erschreckende Szenario, das ihre gesamte Welt schlagartig auf den Kopf stellt, hautnah mit.
Josh ist von diesem Moment an mit seinem Vater in ihrem Haus gefangen, während sich Megs völlig auf sich allein gestellt in der Parkgarage eines Hotels befindet, in der sie im Auto auf ihre Mutter warten sollte. Sie sind gefangen, denn verlassen können sie die Gebäude nicht, und müssen nun versuchen mit dem zu überleben, was sie noch da haben.
Für Josh und seinen Vater ist das anfangs kein Problem, denn sie sind in ihrem eigenen Haus, haben Lebensmittel sowie Wasser und sind somit zumindest für die ersten Tage bzw. Wochen relativ gut gewappnet.
Megs muss dagegen wesentlich härter um ihr Überleben kämpfen. Da sie mit ihrer Mutter auf der Flucht vor deren Ex-Freund war und sie nur von der Hand in den Mund lebten, hat Megs weder etwas zu Essen noch Wasser. Außerdem muss sie sich vor den zwielichtigen und skrupellosen Gestalten in Acht nehmen, die die Macht im Hotel übernommen haben …

Kritik
X.TRA ist zwar ein Science-Fiction-Jugendbuch, beschäftigt sich allerdings weniger mit der Invasion der Außerirdischen als vielmehr mit den Reaktionen und Verhaltensweisen der übrigen Menschen, die nun in ihren Häusern oder anderen Gebäuden gefangen sind und ums Überleben kämpfen müssen. Es geht vor allem darum, wie die Menschen sich in einer solchen Ausnahmesituation verändern können. So entwickeln sich scheinbar nette Menschen zum Beispiel zu rücksichtslosen, machthungrigen Diktatoren, die nur noch um ihr eigenes Wohl besorgt und dafür auch bereit sind, andere Menschen zu opfern.

Erzählt wird die Geschichte aus den zwei verschiedenen, abwechselnden Blickwinkeln der Hauptfiguren: Josh und Megs. Durch die jeweils genutzte Ich-Perspektive kann man sich in beide Charaktere sehr gut hinein versetzen und mit ihnen mitfühlen. Dadurch sind ihre Gefühle und Gedanken stets gut nachvollziehbar.

Megs, die von Anfang an auf sich allein gestellt ist, versteht schon bald den Ernst der Lage und sucht in der ganzen Parkgarage nach Lebensmitteln sowie Flüssigkeit, nachdem sie die letzten Reste ihrer eigenen Vorräte aus dem Kofferraum verbraucht hat. Obwohl sie noch so jung ist, weiß sie, dass sie sich alles sorgfältig einteilen muss, auch wenn es schwer fällt. Ferner ist sie sehr geschickt, was das Finden von geeigneten Verstecken angeht, wodurch es ihr lange Zeit gelingt unentdeckt zu bleiben.

Ganz im Gegensatz zu Megs unterschätzt Josh zunächst den Ernst der Lage. Er findet die Lebensmittelrationierung seines Vaters und dass er sämtliche Behälter im Haus vorsorglich mit Wasser füllt, völlig übertrieben. Erst, als kein Wasser mehr aus der Leitung kommt und es schließlich auch keinen Strom mehr gibt, begreift er, dass sein Vater richtig gehandelt hat. Dennoch sieht er keinen richtigen Sinn darin, weil er nicht damit rechnet diese Katastrophe zu überleben.

Der Beginn der Handlung, insbesondere das Auftauchen der Kugeln und das Verschwinden der Menschen durch deren Lichtblitze, ist sehr erschreckend. Da es keine Einführung gibt, wird man als Leser total überrascht und weiß gar nicht, wie einem geschieht.
Dass die Leute daraufhin in ihren Häusern eingesperrt sind, ist zwar schon sehr schlimm, aber noch kein Weltuntergang. Erst als nach und nach alle Versorgungsleitungen, vor allem Wasser und Strom, nutzlos werden und schließlich auch keinerlei elektronische Geräte mehr funktionieren, wird die Situation richtig unheimlich. Die Menschen sind daraufhin nicht nur eingesperrt, sondern haben auch kaum noch Möglichkeiten sich irgendwie zu beschäftigen oder abzulenken.
Es ist also nicht verwunderlich, dass einige Leute durchdrehen oder versuchen Macht an sich zu reißen. Dabei wird das Verhalten der Menschen von Tag zu Tag grausamer und erbarmungsloser. Das geht sogar soweit, dass man kranke Menschen an die Aliens „verfüttert“ oder einem todkranken Baby sogar die lebensrettende Medizin verweigert. Es ist teilweise wirklich unfassbar, wozu manche Leute in so einer Situation fähig sind.
Wobei es auch hier natürlich zwei Richtungen gibt, sodass es neben denen, die nur noch an sich selbst denken, auch diejenigen gibt, die nur noch an das Leben einer anderen Person denken. Das passiert auch mit Joshs Vater, der, je länger die Situation andauert, mehr und mehr nur noch um seinen Sohn besorgt ist und alles darin setzt, ihn am Leben zu erhalten.

Spannung kommt vor allem dadurch auf, dass man nicht weiß, was als nächstes geschieht und wie lange die Invasion noch andauern wird. Denn eins ist von Anfang an klar: Es kann nicht ewig so weiter gehen. Irgendwann sind auch das letzte bisschen Wasser und die übrigen Lebensmittel aufgebraucht. Dies wird besonders durch die Angaben der vergangenen Tage zu Beginn eines jeden Kapitels deutlich.

Leider lässt das Ende den Leser jedoch sehr unbefriedigt zurück. Man erhält zwar ein paar Antworten und erfährt auch, welche Verbindung es zwischen Josh und Megs gibt, es bleiben aber weitaus mehr Fragen offen als beantwortet werden. Man weiß auch am Schluss nichts über die Außerirdischen oder was sie wollten, doch vor allem hat man nicht die geringste Ahnung, was mit den Menschen geschehen ist, die von den Lichtblitzen getroffen wurden und daraufhin spurlos verschwunden sind.

Bleibt nur zu hoffen, dass diese Fragen in der Fortsetzung beantwortet werden.

Fazit
X.TRA ist ein interessantes Science-Fiction-Buch, das den Leser zum Nachdenken anregt. Stephen Wallenfels zeigt dem Leser eine Ausnahmesituation, die sehr real und dadurch umso erschreckender wirkt, lässt am Ende aber leider zu viele Fragen unbeantwortet, die dafür hoffentlich in der Fortsetzung beantwortet werden.


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