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8 Tage im Juni

Bild von Dini98

Jenny und Lovis könnten unterschiedlicher nicht sein: Lovis lebt mit seinem Vater im Luxus, während Jenny sich mit ihrer kranken Mutter und ihrem kleinen Bruder durchkämpfen muss und das Geld für die Klassenfahrt nicht bezahlen kann. Eines Nachts treffen ihre Welten aufeinander: Drei Jungen schlagen Lovis zusammen und stoßen ihn auf die Gleise der U-Bahn. Jenny, die alles mitangesehen hat ohne selbst bemerkt zu werden, informiert die Polizei und rettet Lovis in letzter Sekunde, in dem sie ihn zurück auf den Bahnsteig zieht.
Sie ist froh, dass er noch lebt und haut ab, bevor die Polizei eintrifft. Sie möchte nichts mehr mit der Sache zutun haben, denn mit einem der Schläger hat sie schon im Sandkasten gespielt. Doch Lovis findet Jennys Schülerausweis, den sie verloren hat und beschließt, sich auf die Suche nach ihr zu machen.

Wenn man das Cover betrachtet, könnte man meinen, es handle sich bei dem Buch nur um eine kitschige Liebesgeschichte, vor allem die Herzen, die Rosa-Töne und das Foto, das Lovis und Jenny darstellen soll, sorgen dafür. Auch der Titel klingt nach einer Sommerlektüre mit einer übertriebenen Liebesgeschichte, aber sobald man den Klapptext gelesen hat, merkt man, dass viel mehr in diesem Buch steckt. Der Text macht neugierig, verrät nicht zu viel und macht insgesamt einen ganz guten ersten Eindruck.
Schon die ersten Seiten fesseln den Leser, weil sich gleich zu Beginn die wichtigste Szene im ganzen Buch abspielt: Die Schlägerei und der Moment, in dem Lovis und Jenny sich begegnen. Die Beschreibungen sind so gut, das man das Gefühl hat, direkt daneben zu stehen und alles hautnah mitzuerleben. Da es abwechselnd aus Lovis' und Jennys Sicht geschrieben ist, fühlt man sowohl die Schmerzen, die Lovis von den Schlägern einkassiert, als auch Jennys Panik und Hilflosigkeit. Auch wenn ich sonst die Ich-Form bevorzuge, in diesem Fall sind die Emotionen trotzdem sehr gut herübergekommen.
Beide Figuren sind jeder auf seine eigene Art sympathisch. Lovis weckt Mitleid, während Jenny bewundernswert ist. Man hätte in der ganzen Geschichte auch die Rollen tauschen können, aber es wäre dadurch einfach zu klischeehaft gewesen. Ich bin froh darüber, wie viel Stärke und Mut Jenny beweist und das nicht immer der Junge der Held ist.
Diese Rollenverteilung kommt natürlich durch die starken sozialen Unterschiede zustande, die ja die große Thematik des Buches sind. Jenny musste sich schon immer durchs Leben boxen, während Lovis' größtes Problem das Stottern ist.
Brigitte Glaser hat einen Schreibstil, der sich flüssig liest und glücklicherweise zählt sie nicht zu der Sorte Autoren, die ihre Leser mit ellenlangen Beschreibungen langweilen.
Den Mittelteil fand ich am gelungensten, da mir sowohl am Anfang als auch am Ende ein bisschen was gefehlt hat. Bei dem Einstieg des Buches hätte mich interessiert, warum Jenny und Lovis überhaupt noch so spät unterwegs sind und am Ende waren auch noch einige Fragen offen. Was passiert mit den Tätern? Werden sie auch ohne Jennys Aussage angeklagt? Lassen sie Jenny und Lovis wirklich in Ruhe?

Alles in allem war ich sehr berührt von dieser wunderschönen Geschichte zweier Menschen, deren Liebe unmöglich erscheint, aber allen Hindernissen gewachsen ist.


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