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Kondorkinder - die Suche nach den Verlorenen Geschichten (Sabrina Železný)

Bild von MiraB

Eigentlich lese ich ja nur eBooks, aus Platzgründen. Am Montag hat der Postbote aber ein Paket hier gebracht.

Das hat auch einen Grund. 2011 war ich auf der Buchmesse in Wien, wo ich die Gelegenheit hatte, mit Veronika Stix, der Verlegerin hinter dem Mondwolf-Verlag, und Barbara Schinko zu plaudern. Das war ausgesprochen nett, das Buch "die Feengabe" hörte sich wirklich gut an, und ich wäre auch gerne noch zu Barbara Schinkos Lesung geblieben, allerdings hatte ich da gerade ein Autorentreffen. Aber ich hab mir vorgenommen, das Buch irgendwann zu lesen. Bis jetzt habe ich auf eine eBook-Ausgabe gewartet, allerdings schaut es so aus, als ob der Mondwolf-Verlag nur Print-only und eBook-only vertreibt, also entweder oder. Was ich schade finde. Vorige Woche wars dann endlich so weit, und ich habs einfach bestellt. Davor hab ich nochmal kurz die Mondwolf-Verlagshomepage durchgeschaut und mir kurzerhand auch noch Kondorkinder mitbestellt, weil der Klappentext so toll war.

Aufmachung

Das Buch hat diese neumoderne, große, hochformatige Form. Das ist ganz cool, obwohl ich die kleineren 90er-Jahre-Taschenbücher lieber mochte. Das Format ist eben so modern.

Was sofort positiv auffiel, war der Einband. Der ist aus Pappe, mit leichter Struktur drin, und zur Abwechslung mal nicht foliert und hochglanz. Das hat irgendwie einen edlen Umweltschutz-Toch. Find ich cool, ist mal was anderes. Es fühlt sich auch richtig gut an, obwohl ich ständig Angst hatte, dass es beim Lesen kaputt geht. Es ist um einiges robuster als es aussieht.

Was mich gestört hat, war die große Schrift. Das Buch kostet 18,99 €, was seeeehr teuer ist, was mir aber in dem Fall egal ist, weil ich es so gerne mochte, dass es mir das locker wert ist. Aber ich finde es nicht so geschickt, da dann Schriftgröße Kinderbuch zu nehmen. Erstens ist es absolut nicht notwendig (sagt eine Kurzsichtige, die sich weigert, ihre Brille zu tragen), zweitens hätte man eben Seiten sparen und somit den Preis niedriger halten können und drittens ist die Schrift in der Feengabe um die Hälfte kleiner. Nur sind mir bei der Feengabe die Zeilenabstände wieder einen tick zu groß, die hätten enger sein können. Der Mondwolf-Verlag ist ein junger Verlag, die haben noch nicht so viele Bücher gemacht, die müssen da bestimmt auch erst rausfinden, wie sie das am besten machen. Das ist immer so, wenn man was neu macht, da geht am Anfang mal was daneben. So lange es nicht mehr ist als eine zu groß geratene Schrift, ist das ja auch nicht weiter schlimm. Ungeschickt fand ichs trotzdem.

Klappentext

"Bücher sind schön, Herr. Sie erzählen Geschichten. Sie sagen uns, wer wir sind. Sie sind gut, um nicht zu vergessen. Bücher sind unsere Seelen aus Papier. Aus Tinte. Darum ist Büchermachen gut, es ist Leben. Darum will ich Büchermachen lernen."

So bittet Yawar um eine Lehrstelle beim Meisterbuchbinder. Er sollte der Hüter des Spiegelbuches sein, das Zuflucht der Geschichten des Hochlandes ist. Doch dann wurde das Spiegelbuch zerstört, und die Geschichten streifen nun heimatlos umher. Im Auftrag der Berggötter muss Yawar ein neues Spiegelbuch schaffen. Bald ist das Ziel zum Greifen nah, aber er hat einen mächtigen Fluch auf den Fersen.

Und weils so schön ist, auch noch der Text von der Buchinnenseite:

Das Spiegelbuch lag vor ihnen in einem Einband aus feinstem, glattem Leder; schöner, als es die Sattler auf dem Weg zum Puente Viejo bearbeiten konnten. Als Isabel sich nah darüber beugte, roch sie das Aroma, und in dem sanften Geruch wilden Leders nahm sie den Wind des Hochlands wahr. Aber das eigentliche Wunder war die Farbe. Das Stück Leder schillerte wie die Oberfläche eines Bergsees, in einem Türkisblau, so kräftig und leuchtend, dass es Isabel die Tränen in die Augen trieb, weil sie meinte, das Glitzern der Sonnenstrahlen auf der Wasseroberfläche zu sehen. es war eine Farbe, in der man versinken konnte, eine Farbe von Wärme und Wildheit.

Inhalt

Padre Valentin versucht, Yawars Mutter davon zu überzeugen, ihn zur Schule zu schicken, doch die Mutter weigert sich, also unterrichtet der Padre den Jungen heimlich. Wenig später stürzt ein verletzter Kondor neben ihrem Haus ab. Die Mutter versucht, den Vogel gesund zu pflegen, doch der Vogel verschwindet spurlos. Wenig später stehen zwei Männer vor der Tür, die die Mutter offenbar von früher kennt. Sie wollen Yawar das Spiegelbuch geben, eine uralte Sammlung von Geschichten, für das er verantwortlich sein soll, doch die Mutter wirft die Männer hinaus. Beim Hinausgehen raunt einer der beiden Yawar zu, dass er das Buch für ihn beim Padre hinterlegen wird.

Ein paar Wochen später begleitet der Padre den Jungen nach Hause. Die beiden tragen das Spiegelbuch bei sich. Als die Mutter es sieht, wird sie so zornig, dass sie es zerreißt und verbrennt. Daraufhin taucht einer der beiden Männer, die das Buch gebracht haben, in der Hütte auf. Es stellt sich heraus, dass er ein Diener einer lokalen Berggöttin ist, und dass er auch der verletzte Kondor war. Er kann das Spiegelbuch nicht mehr retten. Dann taucht auch noch ein weiterer Diener auf, allerdings der einer Flussgottheit. Diese Gottheit ist zornig, weil Yawars Mutter das Spiegelbuch zerstört hat, und belegt sie mit einem Fluch. Da ein Gott den Fluch eines anderen nicht aufheben kann, muss Yawar einen Handel eingehen, um seine Mutter zu retten: Yawars Mutter wird vom Fluch befreit und Yawar steht fortan unter dem Schutz des Flussgottes, der Fluch verfolgt ihn jedoch, weswegen er sein Dorf verlassen muss. Er kann erst zurückkehren, nachdem er ein neues Spiegelbuch angefertigt hat.

Um sein Versprechen zu erfüllen, muss Yawar in eine Großstadt gehen, und das Buchbinderhandwerk lernen. Padre Valentin geht mit ihm und besorgt ihm eine Lehrstelle. Das ist nicht einfach, weil Yawar Indio ist, und der Rassismus in den Städten allgegenwärtig. Doch Isabel, die Tochter seines zukünftigen Lehrherren, ist sofort begeistert von Yawar, und überredet ihren Vater, den Jungen bei sich aufzunehmen. Später ist es auch Isabel, die gemeinsam mit Yawar heimlich ein neues Spiegelbuch herstellt. Doch dann kommt es zu einer dramatischen Wendung, die ich nicht spoilern werde ;)

Fazit

Das Buch ist einfach wunderschön. Berührend, herzzerreißend, ich bin fast versucht, zu sagen, es wäre kitschig, aber nur ein bisschen und wenn dann im positiven Sinn.

Es ist etwas ganz besonderes. Ein wunderschönes Buch. Eines von denen, das die Großverlage nicht machen. Weil es kein bisschen Einheitsbrei ist. Das ist eine Perle, die man vielleicht alle paar Jahre mal findet. Ich liebe liebe liebe es. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Voll verdiente 5 von 5 Punkte für ein absolut großartiges Buch.


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