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Uriel - Story Center 2011.2 (Hrsg. Michael Haitel)

Bild von MiraB

Vor kurzem war ich auf einer Lesung, auf der Nina Horvath aus "Uriel" gelesen hat. Was mich letztlich überzeugt hat, das Buch zu kaufen, war gar nicht so sehr, was sie gelesen hat, sondern, was sie über das Buch zu erzählen hatte. Die Grundidee hinter dieser Anthologie ist, dass die ganze Welt zugrunde geht, und der Vatikan als letzte Bastion der zivilisierten Welt übrig bleibt. Die Idee fand ich unheimlich interessant. Nebenbei hab ich natürlich auch ein signiertes Exemplar mit einer ganz lieben Widmung abgestaubt. Ich liebe signierte Bücher :)

Als ich angefangen habe zu lesen, habe ich über die Qualität der Geschichten gestaunt. Sonst sind in Anthos ja immer Geschichten drin, die nicht so toll sind. Hier gabs zwar auch welche, die ich lieber mochte als andere, aber aus Gründen des persönlichen Geschmacks. Es war keine einzige Geschichte dabei, bei der der Schreibstil irgendwie unprofessionell, hobbymäßig oder bäääh gewesen wäre. Ich war wirklich positiv überrascht, weil ich noch nie eine Kleinverlagsantho gelesen habe, bei der die Qualität zu 100 % auf Publikumsverlagsniveau war. Hut ab, qualitativ ist die Antho der Hammer.

Das Buch hat 224 Seiten und beinhaltet 8 Kurzgeschichten. Die Geschichten sind also alle relativ lang, was ich gut finde, weil sie so viel mehr Tiefe haben. Es sind eigentlich schon eher Novellen. Ich mochte das von der Länge her total gerne, man ist schnell damit durch, beschäftigt sich aber doch lange genug damit, dass man die Geschichten nicht zehn Minuten später wieder vergessen hat. Mit dieser Länge ist auch schon eine Figurenvorstellung und ein schöner Spannungsaufbau möglich; bei kürzeren Geschichten von 5 oder 10 Seiten hat man gar nicht die Möglichkeit, eine Verbindung zu den Figuren aufzubauen, und die Geschichten steuern dann eher stur aufs Ende zu, während bei den Geschichten hier auch Twists vorkamen und der Aufbau generell nahe an Romanen war.

Einziges Manko des Buches ist die kleine Schrift. Die Schriftart ist hübsch, sie passt zu Steampunk, aber es ist halt eng und klein. Für kurzsichtige Menschen, die sich aus Eitelkeit weigern, eine Brille zu tragen, eindeutig zu klein. Das fand ich schade, andererseits hätte eine leserfreundlichere Schriftart wahrscheinlich das Buch verteuert, also will ich mal mit Maulwurfsäuglein darüber hinwegsehen ;)

Klappentext

Europa, irgendein Jahrhundert, irgendein Jahr. Der Vatikan ist die letzte kulturelle Hochburg Europas, das letzte Bollwerk von Demokratie, Menschenrechten und funktionierendem Gemeinwesen, umgeben von Dekadenz, Verfall, Verbrechen und Sünde. Irgendwo auf der Welt mag es noch Enklaven geben, die dem entsprechen, was der Vatikan in Europa repräsentiert – aber von ihnen erfährt man nur auf Umwegen, nur in Form vager Informationen und Nachrichten, fast ausnahmslos in Form von Gerüchten. Und dann geschieht ein Verbrechen … Nina Horvath: Auf jedem Schiff, das dampft und segelt … Galax Acheronian: Uriel Andreas Winterer: Die Stimme Thomas Jordan: Die Maschine des totalen Friedens Sigrid Lenz: Die Gier des Menschen Arndt Waßmann: Ego te absolvo Maria Stranzinger: Feder Urs Wolf: Mögest du in interessanten Zeiten leben Steampunk-Geschichten aus anderen Zeiten ...

Nina Horvath

Auf jedem Schiff das dampft und segelt

Ein junger atheistischer Wissenschaftler soll dazu gezwungen werden, für den Vatikan zu arbeiten. Was sind die wahren Motive der Kirche? Und was hat das alles mit der athistischen Aufpasserin zu tun, die ihm zur Seite gestellt wurde?

Galax Acheronian

Uriel

Ein alter Mann baut eine Maschine, die es seinem querschnittsgelähmten Enkel ermöglichen soll, wieder zu laufen. Doch dann wird der alte Erfinder von der Polizei abgeholt...

Andreas Winterer

Die Stimme

Juliano wird zum Bischof berufen und von ihm mit der Aufgabe betraut, ein Grammophon zu finden, das aus den Geheimarchiven des Papstes gestohlen wurde. Dabei handelt es sich nicht um ein simples Grammophon, sondern um einen gefährlichen Apparat, der nicht in die falschen Hände geraten darf...

Thomas Jordan

Die Maschine des totalen Friedens

Außerhalb des Vatikans herrscht Krieg. Ein deutscher Staatsbürger wird ermordet aufgefunden, und ermordete Ausländer erregen immer Aufsehen. Der Polizist Courett macht sich auf die Suche nach dem Mörder und stolpert dabei über ein hoch interessantes Motiv.

Sigrid Lenz

Die Gier des Menschen

Die chinesische Mauer wurde erweitert und trennt Europa von Asien. Alexandro und Papst Kenji, der einst von jenseits der Mauer kam, versuchen, einfaches Metall in Gold zu verwandeln, um so den Kapitalismus in Europa zu etablieren. Doch dann wird der Papst ermordet...

Arndt Wassmann

Ego Te Absolvo

Claudius Strasser, der erst vor einer Woche zum Priester geweiht wurde, soll dem heiligen Vater die letzte Beichte abnehmen. Dieser erzählt dem jungen Priester seine Lebensgeschichte, angefangen zu einem Zeitpunkt, als er noch nicht Papst, sondern Wissenschaftler am Forschungsinstitut CERN war. Er erzählt, wie er die neue Weltordung geschaffen hat, aber auch von den Opfern, die er dafür erbringen musste.

13 Jahre später findet der Sonderermittler des Papstes, Prosecutor Nicodemus, seine Geliebte erhängt in ihrem Zimmer. Weder er noch die Schwester der Toten glauben an Selbstmord.

Obwohl ich alle Geschichten wirklich sehr gut fand, ist das hier meine Lieblingsgeschichte. Sie nutzt das, was mir an dieser Antho so gefallen hat, nämlich die Länge der Geschichten, voll aus, da es zwei Handlungsstränge gibt, die zeitlich 13 Jahre auseinander liegen. Dadurch bekommt die Geschichte enormen Tiefgang. Außerdem fand ich, dass von allen Geschichten der Untergang der alten Weltordnung hier am besten geschildert wurde, dadurch, dass der Papst selbst auf dem Sterbebett schildert, wie der Umbruch vonstatten gegangen ist. Deswegen war diese Geschichte mein persönliches Highlight :)

Maria Stranzinger

Feder

Carolina, eine einfache Schreiberin, soll bei der Aufklärung eines Mordes helfen, denn der Mörder ist einer aus ihrer Zunft.

Urs Wolf

Mögest du in interessanten Zeiten leben

Das Erste, das an dieser Geschichte auffällt, ist die Form. Sie ist in zwei Spalten geschrieben, wobei der Text immer nur in einer Spalte steht, während die zweite leer bleibt. Das hat auch einen Sinn: Die gesamte Geschichte ist ein Dialog, die linke und rechte Spalte stehen jeweils für einen Sprecher.

Zwei Chinesen, die beide keine Katholiken sind, treffen sich im Kerker des Vatikans. Ihnen beiden wird der Mord am Papst zur Last gelegt, sie beide sind unschuldig und sollen aus Rassismus als Sündenböcke herhalten. Die beiden suchen gemeinsam nach einem Weg, möglichst unbeschadet aus der Angelegenheit herauszukommen.

Fazit:

Dieses Buch hat mir viel Freude gemacht und ich kann es wirklich uneingeschränkt weiterempfehlen. Daher bekommt es 5/5 Punkten :)


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