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Accra (Kwei Quartey)

Bild von MiraB

Leider gibts hier keine Kategorie Krimi :( Deswegen hab ich einfach ein paar andere ausgewählt...

Ich hatte mir eingebildet, ich hätte den ersten Teil dieser Serie, Trokosi, voriges Jahr gelesen. Dann dachte ich, das kann nicht sein, das habe ich ja noch als Taschenbuch, voriges Jahr habe ich schon ausschließlich eBooks gelesen. Also habe ich auf meiner Leseliste nachgesehen, und tatsächlich, ich habe das Buch bereits im August 2011 gelesen.

Krimi ist ja gar nicht mein Genre. Hin und wieder - ganz selten, höchsten ein Mal im Jahr - lese ich dann aber doch einen. Trokosi hat mich damals angesprochen, weil es in Afrika spielt, und ein Kriminalroman, der in Afrika spielt, muss doch etwas Besonderes sein. Korruption, so gut wie keine Forensik... Trokosi war auch durchaus etwas Besonderes, ich mochte den Roman total gerne, und habe mich wirklich auf den Nachfolger gefreut. Leider hat Accra mich enttäuscht, aber dazu später mehr.

Die beiden Romane - Accra und Trokosi - haben zwar den selben Ermittler, können aber unabhängig von einander gelesen werden. Man braucht für Accra kein Vorwissen, es hängt einfach lose zusammen. Zwei Fälle - ein Ermittler.

Was mich ein bisschen stört, ist der Preis. Trokosi habe ich als Taschenbuch um 8,99 € erworben. Das ist richtig günstig. Accra kostet als Taschenbuch 16,99 € - vielleicht ist es eine schöne Ausgabe mit Klappbroschur, keine Ahnung. Das eBook kostet 12,99 €. Und DAS ärgert mich. Der eBook-Preis orientiert sich an den 16,99, obwohl ich das Taschenbuch vom Vorgänger um 8,99 bekommen kann. Wo ist da bitte die Verhältnismäßigkeit? Wonach richtet sich der Preis? Der ist einfach irgendwie festgesetzt, total willkürlich. Das macht mich wahnsinnig. Wenn mir Accra genauso gut gefallen hätte wie Trokosi, hätt ichs zwar auch erwähnt, aber mich nicht weiter aufgeregt. Ich hab den Preis bezahlt, weil ich dachte, das Buch wäre es wert. Aber weil mir das Buch im Nachhinein eben keine 13 € wert war, ärgert mich das jetzt richtig.

Klappentext

"Sodom und Gomorra" - so nennen die Einwohner von Accra jenes Viertel der ghanaischen Hauptstadt, das nur die Menschen betreten, denen keine andere Wahl bleibt. Denn wer Sodom betritt, setzt sein Leben aufs Spiel: Der giftige schwarze Rauch von Ghanas größter Mülldeponie ist hier genauso allgegenwärtig wie Armut und Gewalt. Dass in dieser Umgebung ein Mord geschieht, ist für Inspector Darko Dawson daher wenig überraschend. Was den Polizisten allerdings entsetzt, sind die Umstände des Verbrechens: Das Opfer ist ein Straßenjunge - und ihm wurden sämtliche Finger abgeschnitten. Als wenig später ein weiterer Teenager ermordet und verstümmelt wird, ist sich Dawson sicher: Ein Ritualmörder macht Jagd auf Accras Straßenkinder, ein Killer, dessen Intelligenz nur von seiner Heimtücke übertroffen wird. Und das muss Dawson bald am eigenen Leib erfahren ...

Inhalt

Auf einer Mülldeponie im Armenviertel von Ghanas Hauptstadt Accra wird ein Straßenjunge tot aufgefunden. Niemand will mit der Polizei reden; die Leute haben einfach zu viel Angst vor den Polizisten. Der Polizist Dawson nimmt sich vor, den Mordfall aufzuklären, und findet nach mühsamen Recherchen schließlich die Freundin des Opfers. Aber bald wird ein weiterer Straßenjunge tot aufgefunden, wieder wurde er abgeladen wie Müll. Bald stellt sich heraus, dass ein Serienmörder sein Unwesen treibt, der es auf die Ärmsten der Armen abgesehen hat.

Seine Recherchen führen Dawson zu einem Projekt, das Straßenkindern helfen soll. Dort lernt er auch einige Kinder kennen. Erst verdächtigt er einen Rüpel, der von den anderen Kindern Schutzgeld erpresst, doch bald stellt sich heraus, dass der Täter ein Auto zur Verfügung haben muss.

Der letzte Satz des Klappentextes ("Und das muss Dawson bald am eigenen Leib erfahren ... ") ist reine Bauernfängerei. Es ist ein Krimi, kein Thriller. Der Ermittler ist nie in Gefahr. Das bezieht sich auf eine simple Morddrohung, die er mal bekommt, aus der aber keine Erfolgungsjagd resultiert oder Sonstiges. Lasst euch davon nicht in die Irre führen.

Das Bild von Accra, den Armenvierteln und den Straßenkindern ist sehr liebevoll und detailreich gezeichnet, ganz ohne falsche Romantik, richtig zum Anfassen. Das mochte ich schon an Trokosi. Beim Lesen hat man schon fast den Geruch von Abgasen, Müll und Scheiße in der Nase. Das meine ich durchaus positiv - es ist nämlich das Alleinstellungsmerkmal, das mich an den Romanen reizt, obwohl ich eigentlich keine Krimis mag.

Die Auflösung fand ich - im Gegensatz zu Trokosi - nicht so klasse. Sie war nicht komplett an den Haaren herbeigezogen, aber gut vorbereitet war sie auch nicht. Es war eher der verzweifelte Versuch, den Leser zu überraschen. Ein paar Verdächtige mehr, allgemein ein paar Figuren mehr, und der eine oder andere Twist, hätte dem Autor zwar bestimmt mehr Mühe gemacht, dem Leser aber auch mehr Vergnügen bereitet.

Neeee, ich spoilere jetzt nicht.

Aber ich fand das wirklich schwach. Das Verhör am Ende, bei dem der Mörder seine Motive schön ausbreitet, um ihn als Täter glaubhaft zu machen, setzt dem ganzen die Krone auf. Das ist hanebüchern und lächerlich. Das Ende hat dem Buch nochmal einen Punkt gekostet.

Stil & Lesbarkeit

Es zieht sich wie Kaugummi. Den Stil kannte ich ja schon von Trokosi, und da fand ich, dass er einen gewissen Charme hatte. Da fand ich noch, der überladene Stil passt irgendwie zur Kulisse Afrika (obwohl er zu Indien wohl besser gepasst hätte *g*), aber da war das Buch auch so spannend, dass der Stil als Bremse gar nicht so aufgefallen ist.

Das Buch strotzt vor Adjektiven, Füllwörtern und ellenlangen Sätzen. Die Sätze sind gut verständlich, weil sie trotz der Länge schön gegliedert und nicht unnötig verschachtelt sind, trotzdem ist es einfach unglaublich ermüdend. Vor dem Schlafengehen ist das nicht zu empfehlen, da pennt man innerhalb von drei Seiten weg. Außer natürlich, man hat Probleme beim Einschlafen :D

Fazit

Ich bin kein Krimileser - meine Bewertung ist also nicht 100%ig fair. Jemand, der Krimis prinzipiell gerne mag, würde wahrscheinlich ganz anders werten. Zusätzlich mochte ich den Vorgänger - den ich immer noch uneingeschränkt empfehlen möchte - und hatte entsprechend hohe Erwartungen. Zu hohe Erwartungen, die leider enttäuscht wurden. Jemand, der den Vorgänger nicht kennt, würde wahrscheinlich auch anders bewerten. So viel Fairness, diese beiden Einschränkungen zu erwähnen, muss sein :)

Was den Stil angeht, kann ich euch nur empfehlen, die Leseprobe zu lesen und dann zu entscheiden, wie ihr damit klarkommt.

Es tut mir leid, weil ich den Vorgänger wirklich gerne mochte, aber in dem Fall kann ich nicht mehr als 3 von 5 Punkten vergeben. Das Buch war okay, aber auch nicht mehr. Schade.


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