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E-Books für Autorinnen und Autoren 4: Heftroman (Anna Basener)

Bild von MiraB

Nachdem ich in den letzten Wochen so viele Memorials gelesen habe, ist es wieder Zeit für die wirklich wichtigen Dinge: Fachliteratur. Nachdem ich wahnsinnig gerne schreibe, lese ich natürlich auch gerne Bücher übers Schreiben. Erstens bin ich ehrgeizig und kann doch immer das eine oder andere mitnehmen, zweitens will ich einfach alles wissen, weil es mich brennend interessiert, und drittens motiviert mich das Lesen von Schreibratgebern, Autorenzeitschirften usw. immer wahnsinnig.

Der Uschtrin-Verlag ist für mich die Nummer eins Anlaufstelle, wenn ich Bücher übers Schreiben suche. Meine Ausgabe des neuesten Handbuchs für Autorinnen und Autoren fällt schon halb auseinander, es kleben mehr Post-Its drin als das Buch Seiten hat und es sind alle möglichen Flecke drauf, von rosa Badezusatz über braune Kaffe- und Schokoladeflecken bis hin zu grauen Ascheresten und ja, an einer Ecke ist sogar ein kleines Brandloch. Nicht zu vergessen die Mücke auf Seite 47. Die war einfach schrecklich lästig, also habe ich das Ding im richtigen Moment zugeklappt. Außerdem lese ich alle zwei Monate die Federwelt und bin jedes Mal total begeistert. Gerade deswegen hatte ich mir von dem E-Book viel erwartet. Leider wurde ich da enttäuscht.

In dem Buch wird hauptsächlich beschrieben, wie Heftromane entstehen. Wie der Ablauf ist, wer was zu leisten hat (Autor, Exposéautor, Redakteur, Lektor...), was der Unterschied zwischen Serien und Reihen ist und welche großen Themenfelder es gibt (Arztroman, Adelsroman, Westernroman etc.). Klar ist das wichtig, aber es ist nur für blutige Einsteiger interessant. Ich wusste das alles schon. Nicht zuletzt deshalb, weil das ziemlich genau so schon im Handbuch für Autorinnen und Autoren stand. Wort für Wort verglichen habe ich es nicht, aber grob geschätzt ist es ziemlich genau das Gleiche. Jedenfalls bietet das E-Book an der Stelle gegenüber dem Handbuch keinen Mehrwert. Andererseits kostet das Handbuch 50 €, das E-Book 5 €, da ist es natürlich toll, wenn sich diejenigen, die sich wirklich ausschließlich für diesen Teil interessieren, den Teil extra kaufen können.

Dann gab es zwei Seiten, die kurz Magazine und True-Stories abgehandelt haben. Dazu gab es voriges Jahr in der Federwelt einen Artikel, der wesentlich ausführlicher war und den ich viel nützlicher fand. Das war die Nummer 93 von April 2012, die ihr bei Interesse hier (http://www.federwelt.de/probeexemplar.html) oder um 4,99 als PDF auch hier (http://www.thalia.at/shop/at_thalia_start/suche/?sq=federwelt+93&sswg=AN...) nachbestellen könnt.

Das Buch war sehr allgemein gehalten, eher für Leute, die den Erstkontakt mit Heftromanen suchen und keine konkreten Fragen haben oder Details wissen wollen, und genau die Dinge, die mich interessiert hätten, standen nicht drin.

Zum einen war da der Adressenteil, der sehr mager ausgefallen ist. Das Argument der Autorin, keine einzelnen Reihen oder Serien im Detail vorstellen zu wollen bzw. keine Tipps zur Bewerbung bei einzelnen Reihen oder Serien geben zu wollen, weil sich das einfach zu schnell ändert, kann ich voll nachvollziehen. Aber schon allein der Teil mit den Internetadressen der Verlage war sehr, sehr mager. Wenn ich in eine Zeitschriftenhandlung gehe, oder zu Thalia, oder zu Spar, und mich dort umsehe, finde ich mehr Verlage, als in dem Teil angeführt sind. Es wurde sich da wirklich auf die ganz großen konzentriert, Pabel-Moewig, Kelter, Bastei. Was ist mit Cora? Was ist mit Blitz? Mittelgroße und kleine Verlage sucht man vergeblich. Da ist man wirklich besser dran, man geht in eine Reihe von Supermärkten mit einem großen Angebot an Zeitschriften, grabbelt sich mal alles, was dort rumliegt, sieht sich das Impressum an, liest quer... Genau das ist ja am meisten Arbeit, und da hätte ich mir gewünscht, dass mir das Buch einen Teil abnimmt, indem es mir sagt, welche Verlage es gibt (und das sind mehr als Kelter, Bastei und Pabel-Moewig!), welche Reihen/Serien die momentan im Programm haben und in welche Richtung das ungefähr geht, nur mit einem Satz, damit ich mir mal grob einen Überblick verschaffen kann und mir anhand dessen aussuchen könnte, wo ich anfangen möchte, mich einzulesen. Das Einlesen in eine Reihe oder Serie kann einem sowieso kein Ratgeber ersparen, aber den Weg dahin hätte man mit so einem Ratgeber erleichtern können.

Bei den Zeitschriften war das sowieso noch schlimmer, da gab es praktisch keine Infos. Dass 95 % der True Stories und Frauen-Herzschmerz-Liebesgeschichten bei Kelter und Pabel-Moewig erscheinen, kann ich mir denken, wenn ich bei Thalia in der Zeitschriftenabteilung kurz durchgucke und mir das Impressum der einzelnen Magazine ansehe. Dafür, das rauszufinden, brauche ich keinen Ratgeber. Dann gab es auch noch einige Internetadressen zu Zeitschriftenverlagen, aber die hätte man sich sparen können. Genau die Stelle wäre nämlich interessant gewesen, und an der Stelle kommt man selbst mit der Recherche kaum vom Fleck.

Wenn ihr in den Zeitschriftenhandel geht und dort nach Magazinen mit True Stories und Frauen-Herzschmerz-Kurzgeschichten sucht, stellt ihr mal als erstes fest, dass 80 % von den Heftchen, in denen ausschließlich sowas (okay, und zwei Rätsel und zwei Rezepte) steht, von Kelter sind, und weitere 19 % von Pabel-Moewig. Das ist einfach, da geht ihr ins Internet und sucht euch einen Ansprechpartner raus.

Viel interessanter wäre, in welchen Magazinen einzelne True Stories oder Kurzgeschichten abgedruckt werden. Also Magazin XY, in dem 40 Seiten über Volksmusikanten berichtet wird und darüber, wer schon wieder seine Cousine fünften Grades im Stich gelassen und ihr nicht mal den Mallorcaurlaub finanziert hat, obwohl er es sich locker leisten könnte, 20 Seiten Rätsel, 10 Rezepte, ein Horoskop und - irgendwo hinten zwischen den Gesundheitstipps und der neuesten Diät - eine Kurzgeschichte. DAS ist nämlich nicht einfach rauszufinden. Gar nicht einfach.

Erstens kann man sich zwar auf den im E-Book angeführten Internetseiten durchklicken und gucken, welche Magazine es gibt, aber es steht dort nirgendwo, ob und wenn ja wie viele Kurzgeschichten/True Stories in dem Magazin abgedruckt werden und wer dafür zuständig ist. Wenn man das wissen will, muss man das Magazin durchblättern. Das ist natürlich anstrengend, aber die ganze Mühe, die das macht, ist noch nicht das Problem. Das Problem ist, dass diese Zeitschriften gar nicht so einfach zu bekommen sind. Wenn ihr zu Interspar geht mit dem Vorsatz, euch "eine Frauenzeitschrift" oder "ein True Story Magazin" zu kaufen, werdet ihr dort massenhaft finden, was ihr gesucht habt. Wenn ihr zum Interspar geht und u n b e d i n g t "meine Sehnsucht" wollt, werdet ihr nur "meine Sünden" und "mein Gewissen" finden, aber ganz bestimmt nicht d a s Magazin, das ihr gesucht habt. Das macht die Angelegenheit so schwierig und genau an der Stelle hätte ich mir gewünscht, dass mir das E-Book weiterhilft. Genau den Punkt ignoriert es aber geflissentlich, und deswegen bin ich auch so enttäuscht davon.

Wenn ihr das Handbuch für Autorinnen und Autoren nicht zu Hause habt, die Federwelt nicht abonniert habt und bisher noch keine Berührungspunkte mit Heftromanen hattet, ist das Buch sicher interessant, weil es einen groben Überblick gibt, wie Heftromane entstehen. Wenn ihr schonmal irgendwie mit der Materie in Berührung gekommen seid oder schon mehrere ausführliche Artikel zu dem Thema gelesen habt oder jemanden kennt, der damit seine Brötchen verdient und euch mit Infos versorgt, wird euch dieses Buch nichts Neues bieten können.

Es kommt immer darauf an, was man will und was man sucht. Mir war es einfach zu oberflächlich und zu überblicksmäßig.


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