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Stadt der Fremden (China Miéville)

Bild von MiraB

Klappentext

Der Planet Arieka: Hier haben die Menschen die Stadt Embassytown errichtet, umgeben von einem Schild, der sie vor der giftigen Atmosphäre schützt. Sie leben umringt von den rätselhaften Ariekei. Ihre Sprache ist so einmalig und speziell, dass nur wenige Menschen sie erlernen können, und diese wenigen wurden dafür in einer Weise verändert, die sie kaum noch Menschen sein lässt. Sie sind die Botschafter und sorgen für das Gleichgewicht zwischen Menschen und Ariekei. Doch alles droht sich zu verändern, als ein neuer Botschafter nach Embassytown kommt. Und nur Avice, die Raumfahrerin, eine Legende auf ihrer Welt, kann die drohende Katastrophe aufhalten.

Inhalt

Avice ist eine Immereintaucherin. Das Immer ist ein ominöses Etwas, in das Raumschiffe eintauchen, um vergleichsweise schnell von einem Ort zum anderen zu gelangen. Normale Reisende werden während den Reisen eingefroren, damit sie nicht die Immerkrankheit bekommen. Auf einer Reise lernt sie Scile, ihren Ehemann, kennen, der Linguist ist und sie dazu bewegt, mit ihm auf ihren Heimatplaneten zurückzukehren. Dorthin zu gelangen ist nämlich aufgrund der strengen Einreisebestimmungen gar nicht so einfach.

Für einen Linguisten ist Arieka, Avices Heimatplanet, ein gefundenes Fressen. Die Menschen bewohnen dort nur eine Stadt innerhalb einer Stadt, die sie Botschaftsstadt nennen. Außerhalb davon können sie aufgrund der Atmosphäre nicht überleben. Die Ariekei nennen sie Gastgeber. Und deren Sprache ist bemerkenswert.

Die Gastgeber besitzen zwei Münder, mit denen sie zwei Laute/Wörter gleichzeitig sprechen. Mit zwei unterschiedlichen Stimmen. Das nachzumachen, ist schon schwer genug, allerdings kommen noch zwei weitere Dinge hinzu: Die Gastgeber können Sprache nur dann verstehen, wenn dahinter ein Bewusstsein steht. Eines. Das heißt, wenn ein Computer zu ihnen spricht oder zwei Menschen versuchen, gemeinsam die beiden Stimmen der Ariekei nachzuahmen, können die Gastgeber sie nicht verstehen. Das zweite Erschwernis ist, dass die Gastgeber nicht dazu imstande sind, zu lügen. Das heißt, sie können selbst nichts aussprechen, was nicht wahr ist. Das kommt ihnen einfach nicht über die Lippen.

Um mit den Gastgebern kommunizieren zu können, züchten die Menschen Botschafter. Das sind Doppel - zumeist Zwillinge - die so aufgezogen werden, dass sie quasi ein Bewusstsein haben und von den Gastgebern als ein Bewusstsein wahrgenommen werden. Diese Doppel können die Ariekei verstehen. Die Botschafter werden von den Ariekei dafür bewundert, dass sie lügen können. Es werden sogar Feste der Lügen ausgerichtet, bei denen Ariekei versuchen, selbst zu lügen. Erst tricksen sie, indem sie einen Satz, der eine Lüge ist, laut sagen, und dann einen Nachsatz murmeln, der den Satz wahr werden lässt. Beispiel (von mir): "Ich esse niemals nach Mitternacht." Einer von ihnen schafft es aber tatsächlich, zu lügen, und Sprache beginnt, sich zu verändern. Zeitgleich wird auf einem Empfang, dem Menschen und Botschafter beiwohnen, ein neues Botschafterpaar vorgestellt: EzRa. Mit EzRa stimmt allerdings irgendetwas nicht: Sie sprechen gut genug, damit die Ariekei sie verstehen können, sind aber doch noch zwei Bewusstseine, sodass alles, was sie sagen, wie eine Droge wirkt. Die Ariekei werden süchtig nach dem, was EzRa sagen, und fangen an, sich selbst zu zerstören, und Botschaftsstadt und den Planeten mit ihnen...

Meine Meinung

Mit dem Anfang habe ich mir enorm schwer getan. Meine Seitenanzahl ist dynamisch, deswegen kann das von eurer bzw. von der Printausgabe abweichen, aber bei mir war es so, dass ich auf Seite 20 erfahren habe, dass der Ich-Erzähler eine Frau ist (bis dahin war ich von einem Mann ausgegangen, gefühlsmäßig) und erst auf Seite 21 bekam sie auch einen Namen. Das hat mich enorm gestört.

Mit der Erzählstimme bin ich auch nicht recht warm geworden. Mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt, aber gerade am Anfang ist mir dieser merkwürdige Ich-Erzähler so auf den Nerv gegangen, dass ich das Buch am liebsten in die Ecke gepfeffert hätte. Hab ich nicht, weil das Buch so anders war, dass ich zumindest über die ersten 200 Seiten total neugierig war, wohin das noch führen soll. Außerdem wird die Geschichte über weite Strecken stark gerafft erzählt, was diese Erzählstimme bis zu einem gewissen Grad notwendig macht.

Gerade am Anfang basiert die Spannung darauf, dass die Welt ganz anders ist als unsere. Die erste Hälfte des Buches lebt von dieser Faszination. Zum Beispiel wachsen die Kinder in Botschaftsstadt nicht bei ihren leiblichen Eltern, sonden bei sich abwechselnden Schichteltern auf. Sprache und die Botschafter sind ja sowieso skurril. Dann kommen auch noch Anekdoten dazu, wie die einer Linguistin, die erzählt, dass es Außerirdische gibt, die miteinander kommunizieren, indem sie mit Enzymen durchsetztes Gewölle kotzen und der Gesprächspartner eben dieses frisch gekotzte Gewölle isst. Das Buch ist gespickt mit solchen Kleinigkeiten, die mich fasziniert und neugierig gemacht und so durch die erste Hälfte des Buches getragen haben.

Mit der zweiten Hälfte habe ich mir schwerer getan. Ab der Hälfte weist der Roman dann halt leider Längen auf und wird zwischendurch recht langweilig. Das ist schade. Bei 2/3 hab ich überlegt, ob ich abbrechen soll, mich dann aber dagegen entschieden, weil ich schon zu weit gekommen war, um das Ende auszulassen.

Dazu muss man sagen, dass das Ende konsequent war. Das ist bei Enden immer gut. Es war nicht happy-peppi-aufgesetzt und auch nicht künstlich tragisch, es war nicht offen und es hat mich nicht geärgert, es war schlicht konsequent und damit auch befriedigend.

Fazit

Ein sehr originelles Buch. Es ist anders, es ist besonders, es ist faszinierend. Schade ist nur, dass es teilweise so langweilig ist. Nun hab ich lange rumüberlegt, wie viele Punkte ich geben soll. Ist es empfehlenswert? Eigentlich schon. Und zwar deswegen, weil es so originell ist. Würd ich von dem Autor noch ein Buch lesen? Eher nicht. Nehm ich was von dem Buch mit? Ja, schon.

Mit allen Hühneraugen zu 4 von 5 Punkten, aber nur deswegen, weil es so dermaßen originell ist.


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