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Kuschelmuschel (Roald Dahl)

Bild von MiraB

Das Buch stammt aus den 60er Jahren. Beim Lesen ist mir wieder bewusst geworden, wie sehr sich der Schreibstil seither gewandelt hat: Viele Behauptungen, viel tell, wenig show, ein merkwürdig anmutender Wortschatz - so schreibt heute niemand mehr. Aber weil ich ein riesen Fan von Roald Dahl bin, habe ich mir einfach wahllos eines seiner Bücher geschnappt, das ich noch nicht kannte. Auf dem Cover steht zwar, es handele sich um erotische Geschichten, aber das Buch stammt wie gesagt aus den 60ern, dementsprechend ist es mit der Erotik nicht so weit her. Aber wer Roald Dahl kennt, weiß, dass die bitterböse Pointe so sicher kommt wie das Amen im Gebet.

Inhalt

Der Besucher

Ein Mann bekommt eines Tages ein Paket, in dem sich 28 in sauberer Handschrift beschriebene, in Leder eingebundene Tagebücher befinden. Es sind die von seinem Onkel Oswald - das einzige, das der Mann hinterlassen hat. In seinen Tagebüchern hat er viele brisante Geschichten niedergeschrieben, und nach Rücksprache mit seinem Anwalt beschließt der Mann, die unproblematischsten davon zu veröffentlichen.

Onkel Oswald ist ein Weiberheld und Spinnentiersammler. Als er mit dem Auto von Ägypten aus über Sinai nach Palästina will, wo er zwischendurch in der Wüste halt macht, um Skorpione zu sammeln, bricht ihm an der einzigen Tankstelle der Keilriemen. Das wäre an sich ja ein Glück - nicht auszudenken, wenn der Keilriemen mitten in der Wüste gerissen wäre -, würde Oswald sich nicht vor allem und jedem ekeln und dem Tankwart diverseste Krankheiten unterstellen, sodass er nicht einmal sein Telefon benutzen möchte. Der Tankwart organisiert einen Keilriemen für den nächsten Tag, und Oswald beschließt, die Nacht im Auto zu verbringen. Doch schon bald hält ein Herr im Rolls Royce an der Tankstelle und bietet seine Hilfe an...

Wildwechsel

Victor ist auf einer Dinnerparty. Er betrachtet genau die Unterlippen der Frauen, weil er glaubt, daran ihre sexuellen Qualitäten ablesen zu können. Letztendlich nimmt er sich vor, die Gastgeberin zu erobern. Da sie verheiratet und ihrem Ehemann treu ist, versucht er auf kreativste Weise, den Ehemann vom Partnertausch zu überzeugen...

Der letzte Akt

Zwei Polizisten läuten an Annas Tür und teilen ihr mit, dass ihr Mann am Nachmittag bei einem Verkehrsunfall verstorben ist. Sie wird zunächst hysterisch und ihre drei erwachsenen Kinder können sie nur mit Mühe davon abhalten, Selbstmord zu begehen. Kaum hat sie sich etwas erholt, heiraten die beiden Töchter, der Sohn geht auf die Uni und Anna ist ganz allein. Sie beschließt nun, wirklich Selbstmord zu begehen, und setzt sich eine Frist von 14 Tagen, in der sie sämtliche Angelegenheiten (Testament, Rechnungen bezahlen, Haus putzen...) erledigen möchte, bevor sie sich im Anschluss umbringt. Zufällig besorgt ihr ihre Freundin Liz innerhalb dieser Frist einen Job, zu dem sie sie zunächst zwingen muss, in dem Anna aber bald ganz aufgeht: Sie schreibt als Typistin die Aussagen von jungen Frauen nieder, die ihre Babys zur Adopiton freigeben. Bei dieser Arbeit sieht sie, dass es anderen noch viel schlechter geht als ihr.

Ihr Beruf führt sie schließlich nach Dallas, wo sie mehrere Nächte allein im Hotel verbringen soll. Zufällig wohnt auch ihre Jugendliebe in Dallas, und sie beschließt, ihn anzurufen...

Bitch

Bitch ist ein weiterer Auszug aus Onkel Oswalds Tagebüchern.

Onkel Oswald ist gerade dabei, ein Honigbrötchen zu essen, für dessen Honig ausschließlich Blütenstaub der Cannabispflanze verwendet wurde und der eine entsprechende Wirkung hat, als das Telefon klingelt. Es ist Henri, ein Geruchsexperte, der von Onkel Oswald finanzierte Forschungen betreibt. Er versucht, einen Duft zu kreieren, der eine extreme sexuelle Anziehung auf Männer ausübt, was ihm nun gelungen ist, und Onkel Oswald hat etwas ganz bestimmtes mit dem Parfum vor...

Fazit

Ich fand die Geschichten nicht so brüllend komisch wie die in Küsschen Küsschen, was sicher damit zu tun hat, dass man bei erotischen Geschichten der fiesen Art heute viel weiter gehen würde. Damals hat Dahl damit sicher die Grenzen ausgelotet.

Da wir nunmal das Jahr 2013 schreiben, kann ich - wenn ich fair bin und die gleichen Maßstäbe ansetze wie bei jedem anderen Buch auch - leider nicht mehr als maue 3 Punkte (von 5) hergeben. Es tut mir persönlich leid, aber es ist so. Weiterempfehlen würd ichs nur Leuten, die generell gerne ältere Bücher lesen.


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