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Buch des Monats 09/13: Antonia Michaelis - Solange die Nachtigall singt

Bild von Jockeline

Klappentext:
Ein Haus, abgeschieden von der Zivilisation.
Ein Wanderer, der sich verirrt.
Ein Wald mit zu vielen Gräbern.

Völlig unverhofft trifft der achtzehnjährige Jari auf die geheimnisvolle Jascha, deren Schönheit er sich nicht entziehen kann. Er folgt ihr in das abgeschiedene Haus mitten im Wald, wo sie lebt. Und das, obwohl er spürt, dass dieser Ort ein düsteres Geheimnis birgt. Etwas ist geschehen. Etwas, das schrecklicher ist als alles, was Jari sich je hätte ausmalen können. Etwas, das ihn in tödliche Gefahr bringt...

Das neue, atemlos spannende Meisterwerk der „Märchenerzählerin“ Antonia Michaelis

Die Autorin:
Antonia Michaelis wurde 1979 in Kiel geboren. Fünf Jahre später begann sie zu schreiben - und hat seitdem nicht mehr damit aufgehört: während ihrer Schulzeit in Augsburg oder auf ihren zahlreichen Auslandsreisen. Sie ließ sich inspirieren von der englischen Literaturgeschichte, die sie in ihrem ersten großen Kinderroman "Die wunderliche Reise von Oliver und Twist" verarbeitete. Antonia Michaelis lebt im Nordosten Deutschlands und hat gerade ihr Medizinstudium abgeschlossen. (Quelle: Amazon.de)

Das Cover:
Das Cover ist wie das Buch selbst: Düster, stimmungsvoll und schön. Ein ansprechendes Cover, das schön anzusehen ist und das allein, in Verbindung mit den geschwungenen Buchstaben des Titels, schon die Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Die gebundene Ausgabe besitzt einen Schutzumschlag, der beinahe genauso aussieht, wie das Buchcover selbst. Es ist sehr dunkel. Zu sehen sind verschlungene Wurzeln auf einem steinigen Waldboden, im Hintergrund die Stämme einiger Bäume. Beinahe genauso wie das Buchcover, habe ich gesagt. Bis hierhin sehen beide noch gleich aus. Der Unterschied besteht in den Gestalten, die man sieht. Sieht man auf den Schutzumschlag, kann man eine weiße Gestalt sehen, die zwischen den Baumstämmen davonhuscht. Mit ein wenig Fantasie kann man darin ein Mädchen in einem weißen Kleid erkennen.
Entfernt man nun den Umschlag, so verschwindet das Mädchen. Stattdessen sieht der Betrachter nun drei Gestalten, drei Mädchen zwischen den Bäumen.
Ein weiterer Unterschied ist, dass auf der Rückseite des Umschlages neben dem Klappentext auch einige kleine graue Federn zwischen den Wurzeln zu erkennen sind. Diese fehlen auf dem Buchrücken selbst.

Der Titel:
Der Titel des Buches ist nicht nur ein Satz, der darin das ein oder andere Mal fällt, sondern greift gleichzeitig ein wichtiges Symbol des Buches auf: Die Nachtigall. Zu verraten, was sie für die Geschichte und insbesondere für Jascha, das Mädchen, bedeutet, wäre unfair denen gegenüber, die das Buch noch nicht gelesen haben. Nur so viel: Der Satzanfang "Solange die Nachtigall singt...", auf den eigentlich noch etwas folgen muss, wird im ganzen Buch kein einziges Mal vollendet.

Genre:
Das Genre ist schwierig zu bestimmen. Vom Verlag wird der Roman als "Jugendbuch" bezeichnet, und das stimmt zweifellos. Ich würde es zwar erst ab 15 oder 16 Jahren empfehlen, doch es ist trotzdem kein Erwachsenenbuch.
Es ist kein Fantasy-Roman, auch wenn es manchmal so scheint. Gleichzeitig ist es aber auch nicht wirklich real. Er erzählt eine Liebesgeschichte, ohne kitschig oder klischeehaft zu werden. Gleichzeitig hat er auch etwas von einem Thriller, obwohl man nur Verständnis mit dem scheinbar "Bösen" in dieser Geschichte haben kann.

Mein Eindruck:
Ja, kommen wir endlich zu meinem Eindruck. Zuerst einmal zur Geschichte.
Solange die Nachtigall singt ist ein grausames Buch. Besser weiß ich es nicht zu beschreiben. Grausam und schön, wie der Nebelwald und die Mädchen. Grausam für die Protagonisten, die so viel durchmachen müssen, und grausam für den Leser, der schon früh begreift, was Sache ist und ahnt, was passieren wird und weiß, dass er es nicht aufhalten kann, auch wenn er es gerne tun würde. Was ich damit meine? Wer von euch schon einmal ein Buch von Antonia Michaelis gelesen hat könnte es wissen. Ich meine damit, dass es am Anfang, wie in jedem Buch, einen scheinbar einfachen Plot gibt. Doch einfach ist er nicht, kein bisschen. Und er bleibt nicht allein. Da entstehen kleine Nebenzweige, beispielsweise die Geschichte der drei kleinen Mädchen, zu der ich später noch komme. Mehr und mehr Hinweise bekommt der Leser, sehr viel mehr als Jari, der Protagonist, oder besser: er kann sie schneller verstehen. Viel früher begreift man so als "Außenstehender", was wirklich vorgeht. Man weiß vorher, was geschehen wird und zumindest bei mir war es so, dass ich kaum "zusehen" konnte, wie Jari völlig unvorbereitet durch das Geschehen stolpert.
Das klingt jetzt vielleicht so, als wäre die Geschichte vorhersehbar, aber das ist sie trotz allem nicht. Der Leser weiß, es wird etwas passieren, doch er weiß nicht, wie. Und immer wieder kommt dieser kleine Knick, der die Handlung wieder in eine scheinbar vollkommen anderer Richtung führt.
Eine Besonderheit – eine der vielen – ist die "Nebengeschichte", von der hin und wieder, kursiv gedruckt, Szenen zwischen die eigentliche Geschichte geschoben werden. Sie handelt von drei kleinen Mädchen, deren Schicksal über die Dauer des Buches immer klarer wird. Beide Geschichten, die der drei Mädchen und die von Jari und Jascha, sind eindeutig miteinander verbunden, auch wenn erst mit der Zeit klar wird, inwiefern.
Eine weitere Besonderheit ist das Lied. "Still, still, meine Nachtigall..." So fängt es an. Immer wieder werden in der Geschichte einzelne Strophen gesungen, deren kryptische Bedeutung zu Anfang sowohl für Jari, als auch für den Leser schwierig zu verstehen ist.
Zum Schreibstil:
Solange die Nachtigall singt ist nicht das erste Buch der Autorin, das ich gelesen habe, daher kannte ich ihren Stil schon. Erzählerisch dicht und spannend geschildert, das hört man oft, und hier trifft es zu. Zudem wunderschöne Bilder, beschriebene Szenerien, die einem klar vor dem inneren Auge stehen, und Symbole. Viele Symbole und Motive, vor denen das Buch nur so überquillt, ohne zu überfordern. So zum Beispiel die Musik, die Schönheit sowieso, und die Farben, aus denen sie Neologismen bildet wie "Heimlichweiß" und "Sonnenocker", zwei von vielen schönen Kapitelüberschriften.
Für mich ist und bleibt Antonia Michaelis‘ Schreibstil unübertroffen. Ich liebe ihre Bücher und ihre Geschichten. Sie schafft es, von ernst zu kindlich zu wechseln, von leicht zu schwer.
Was Solange die Nachtigall singt auf jeden Fall nicht ist, ist leichte Kost. Man kann es nicht mal eben so zwischendurch lesen, weil man gerade nichts anderes findet. Es lässt sich flüssig lesen, gleichzeitig war es für mich (persönlich) schwer, es an einem Stück zu lesen. Manchmal musste ich einfach Pausen einlegen, um das gelesenen zu "verarbeiten". Manche Zusammenhänge wurden mir erst in diesen Pausen klar.

Mein Fazit:
Ich schreibe selbst, und so kommt es hin und wieder vor, dass ich nach einer beendeten Lektüre denke: Wow, das hätte ich auch gerne geschrieben. So auch bei diesem Buch. Aber hier weiß ich gleichzeitig: So etwas würde ich nie zustande bringen. Zumindest noch lange nicht. Ich wage es einfach mal, Solange die Nachtigall singt als Meisterwerk zu bezeichnen. Zumindest ist es das in meinen Augen.
Das Buch wirkt manchmal wie ein Märchen – ein dunkles Märchen ohne die Worte "Es war einmal".
Ich gebe Solange die Nachtigall singt, schön, grausam und poetisch, mindestens fünf von fünf Sternchen. Es hat mich völlig überzeugt, von Spannung, Schreibstil und Story.

Ich hoffe ich konnte euch dieses wirklich wunderbare Buch etwas näher bringen. Ich finde, es lohnt sich, es zu lesen. Ich habe es mir selbst gekauft und finde, das dieses Geld wirklich sinnvoll ausgegeben ist.

Allgemeines:
Titel: Solange die Nachtigall singt
Autor: Antonia Michaelis
Verlag: Oetinger
Genre: Jugendbuch
empfohlenes Alter: ab 16
Seitenzahl: 448
ISBN gebundene Ausgabe: 978-3-7891-4293-2
Preis gebundene Ausgabe: 16,95

Auch sehenswert: Der Buchtrailer

Mehr von Antonia Michaelis: www.antonia-michaelis.de


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