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Schattengesicht

Bild von Protagonist_erlebt

"Im Flugzeugen gibt es keine dreizehnte Reihe. Die Deutsche Bahn hat keinen Waggon mit der Nummer 13. Und in keinem der Hotels, in denen ich gearbeitet habe, gab es ein Zimmer 13. Auf das zwölfte folgte gleich das vierzehnte.

Wie seltsam also, dass - als ich von der Kammer komme, wo ich meine Sachen abgegeben und neue bekommen habe, einen ganzen Arm voller fremder Sachen - ich vor einer Tür mit der Nummer 13 stehe. Dass man mir aufschließt. Ich trete ein, die Tür fällt ins Schloss, ich bin allein."

Die Geschichte beginnt in einer kleinen, trostlosen Gefängniszelle. Endstation für Milanas Reise. Ironischerweise bekommt Sie die Zelle 13 zugteilt. 13, die Unglückszahl. Die Zahl, die Milanas Leben so beeinflußt hat, dass Sie zum Ende hin ein passendes Ettikett dazu erhält.

Wir wissen also, wie die Geschichte enden wird. Raubt das der Geschichte die Spannung? Ganz im Gegenteil! Bei manchen Textstellen habe ich vor lauter Anspannung vergessen zu atmen!

"Seit anderthalb Jahren waren Polly und ich unterwegs. Seit der Sache mit Vincent. Von einer Stadt in die nächste, wir wechselten die Koordinaten wie andere Leute ihre Kleidung, und jedes Mal zogen wir uns tiefer zurück."

Die Reise in die Vergangenheit beginnt. Erzählt aus der Sicht Milanas.

Ich habe mir beim Lesen des Buches so viele Fragen gestellt. Wer ist dieser Vincent? Wo ist Polly? Wie haben die beiden sich kennengelernt? Wie konnte es zu diesem Ende kommen?

Nach und nach fügt Antje Wagner ein Puzzelstück nach dem anderen zusammen, so dass wir am Ende das gesamte Werk erschauern.

Wortmalerisch begleiten uns Sätze, wie die folgenden

"Man sieht den Hof, den Rasen, die Wäscherei und die angrenzenden Wirtschaftsgebäude. Darüber der Himmel wie ein augehängter Lappen. Kein ruhiges, gleichmäßiges Grau, sondern so ein Drecksgrau. So ein Waschmaschinenabwassergrau, wenn es aus dem Schlauch ins Waschbecken schießt."

"Ein Gesicht wie ein aufgegebenes Haus"

"Wenn man sich verliebt, dann kann das langsam passieren, ein behutsames Kennenlernen. Als würde man an zwei Enden einer Hundertmeterbahn stehen und sich Tag für Tag einen Schritt näher kommen."

auf unserer Reise durch das Buch.

Zudem sind die Texte so eindringlich, dass sie es schaffen, verschiedene Stimmungen widerzuspiegeln. In der Leserunde schreibt Antje Wagner dazu:

"Wenn du das Buch weiterliest, wirst du eine formale Änderung feststellen. Die Sätze werden von Kapitel zu Kapitel länger, das Stakkato und die Konzentration auf das Allerwichtigste weichen nach und nach einer stärker werden Ruhe. Der elliptische Stil wird am Ende fast episch.

Warum? Ich versuche in der FORM etwas abzubilden, was INHALTLICH passiert: Elliptische Sätze wirken - wie du ja auch empfindest - abgehackt, atemlos, luftknapp. Mila und Polly sind ja auch auf der Flucht - sie rennen die ganze Zeit, bildlich gesprochen. Sie flüchten, es gibt keine Ruhe, keinen Moment des Innehalten.
Das Buch aber bewegt sich in der Zeit zurück, und wir gelangen irgendwann in einen Zeitraum, an dem es das Flüchtenmüssen noch nicht gegeben hat. Als es noch innere Ruhe gab."
Ich empfehle beim Kauf dieses Buches auch unbedingt in die Leserunde von Lovelybooks zu schauen. Hier hat sich Antje Wagner sehr viel Mühe mit ihren Antworten gegeben und wir als Leser erhalten zusätzlich Informationen zu der Entstehung der Geschichte, deren Stilmittel und und und...


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