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Bin im Garten!

Bild von LieLu

Suhrkamp/Insel Verlag

Die Autorin

Susanne Wiborg wurde 1957 in Nordenham geboren und arbeitet seit 1986 als Journalistin. Für bekannte NDR-Reihen veröffentliche sie unter anderem Rundfunkfeatures. Die Illustratorin des Buches Rotraut Susanne Berner wurde 1948 in Stuttgart geboren und studierte in Grafik-Design. In München arbeitete sie lange Zeit als freie Grafikerin und Illustratorin. Sie war unter anderem nominiert für die Hans-Christian-Andersen-Medaille und erhielt dreimal den Deutschen Jugendliteraturpreis. 2009 wurde Rotraut Susanne Berner außerdem mit dem Schwabinger Kunstpreis ausgezeichnet.
Das vorliegende Buch ist der dritte Band der Gartenkolumnen von Susanne Wiborg.

Schnecken, Zyklamen und andere Blumen

Als die erste Erdkröte den Einzug in ihren Garten feiert, ist Susanne Wiborg außer sich. Nichts wollte sie all die Jahre mehr, als diese Kröten. Wild und bunt beschreibt sie, wie sie in 10 Jahren aus einem verwahrlosten Stück Land ihren Garten hergerichtet hat. Hingebungsvoll berichtet sie von Rosen, Alkeleien und Birnbaum und deren Duft, von knittrigen Mohnblüten und filigranen Libellenflügeln in ihrem ganz persönlichen Paradies. Sie vergleicht den Garten mit dem richtigen Leben: er/es ist durchwachsen. Auch berichtet sie von den Tieren, die sich in ihrem Garten heimisch fühlen, von der singenden Mönchsgrasmücke über lichtscheue Grauschnäpper oder Igel, Waldmaus und Spitzmaus. Eher wie einen Salon betrachtet Susanne Wiborg ihren Garten liebevoll. Fantasievoll spricht sie ihre Leser an, indem sie in allen Farben die Faszination eines Gartens schildert. Man fühlt sich direkt an seine Kindheit und die Biene Maja erinnert, die einem förmlich aus dem Buch entgegenlacht.

Wie vor einem Publikum breitet sie das ganze Spektakel an zarten kaltblütigen Vorfrühlings-Zyklamen, Mondviolen, Perückensträuchern und Wegwarte, Blume des Jahres 2009, aus. Mit großer Liebe zum Detail schildert sie nicht nur Pflanzen und Tiere, die den Weg in ihren Garten finden, sondern läd die Leser ein, sich selbst wieder mehr ihrem Garten zu zuwenden. Fast fühlt man sich, als würde man neben der Autorin im Garten stehen und würde Rosen, Sträucher und andere Gewächse sogar riechen.

Ob Auseinandersetzungen mit Weinbergschnecken, Erdkröten, Mondviolen, freundlichen Lunarien oder dem wunderbaren Apfel-Wunder, im Garten von Susanne Wiborg wird es definitiv nicht langweilig. Amüsant erlebt der Leser die großen und kleinen Schwierigkeiten ihres Gartens und der damit verbundenen Gartenarbeit mit. Man fühlt als Hobbygärtner selbst mit, wie sich Wiborg über ihren tollen Apfelbaum freut, der ihren Garten schmückt. Sie kann zunächst gar nicht glauben, dass es tatsächlich ihr Werk ist und zitiert an Ort und Stelle Rainer Maria Rilkes „Apfelgarten“-Gedicht:

… Bäume wie ein Dürer, die

das Gewicht von hundert Arbeitstagen

in den überfüllten Früchten tragen,

dienend, voll Geduld, versuchend, wie

das, was alle Maße übersteigt,

noch zu leben ist und hinzugeben…

Im Anschluss berichtet sie von ihrem roten Fingerhut, der ebenso fleißig in ihrem Garten wächst und gedeiht, leider jedoch giftig ist, ebenso wie der Eisenhut, das Maiglöckchen und die Christrose. Dazu gibt es auch wieder ein erheiterndes Gedicht von Johannes Trojan.

Auch die zarten Heidelibellen bleiben ihrer Aufmerksamkeit nicht verborgen, wobei sie die filigrane Zartheit dieser Geschöpfe beschreibt. Mit der Albertine, der asiatischen Wildrose, hat sie an dieser Stelle größere Probleme, aber diese sollte der Leser selbst herausfinden „Ein Garten ohne sie ist ein Irrtum.“

Fazit

Ein amüsantes Buch, welches unglaublich fantasievoll und einfallsreich verfasst ist. Die Autorin schreibt in der Ich-Perspektive, sodass sich der Leser sofort an sich selbst erinnert fühlt. Vielleicht verbindet den ein oder anderen eine ebenso eindrucksvolle Liebe zum Garten, wie Susanne Wiborg, dann wird er mit der Autorin sofort einhergehen. Wer sich in seiner Freizeit eher weniger seinem Garten zugewendet hat und vor seinem Haus eher ein wildwucherndes Gelände vorfindet, den wird Wiborg überzeugen, sich demnächst wieder mit mehr Motivation den grünen Aufgaben seines Gartens zuzuwenden. Die winterfaulen Knochen und Muskeln anspannen und dann raus in das frische Grün des Gartens.

Nicht nur gut geschrieben ist das Buch, es wartet auch mit bezaubernden Illustrationen von Susanne Berner auf. Dahingehend ist nicht nur das Cover ansprechend gestaltet, sondern es enthält auch sehr viele schöne Bilder.

Mit viel Witz und Charme versteht Susanne Wiborg es, ihre Leser zu begeistern und Lust auf Gartenarbeit, Unkraut jäten und andere Aufgaben zu machen. Es fühlt sich an, wie ein kleiner Garten in der Tasche, den man selbst gestalten oder sogar verschenken kann.


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