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zum Fürchten...

Bild von Asmodeus

"Ich habe schon oft gehört dass jeder, der nicht aus der Vergangenheit lernt, sie zwangsläufig wiederholt, und ich weiß einfach nicht, was ich davon halten soll." Seite 184

Ein klein wenig zum Inhalt: Ein winziger Ort in den Bergen North Carolinas. Dort findet sich jeden Tag eine eingeschworene Kirchengemeinde im Haus Gottes ein - doch was dort geschieht, ist gottlos. Der 13-jährige Stump, der Zeit seines Lebens kein Wort gesprochen hat, soll mit Hilfe von Vater Chambliss, durch den - so ist sich die Gemeinde sicher - Jesus spricht und wirkt, geheilt werden. Doch der Junge verlässt die Kirche nicht mehr lebend. Die Familie steht vor einem Abgrund. Der Sheriff sieht sich verschlossenen Türen und Gemütern gegenüber. Doch so sehr die Kirchengemeinde auch bemüht ist, ihre Geheimnisse zu schützen, treten schon bald Abgründe und Bösartigkeiten zu Tage, die die erschreckende Zerstörungsmacht von blindem Gehorsam aufzeigen und auch jene, die schweigen und wegsehen, zu Mittätern machen.

Idee: Der Tod des jungen Stump erschüttert die Gemeinde - dennoch scheint niemand etwas darüber wissen zu wollen. Schließlich sind alle davon überzeugt, dass sie die Heilung des stummen Jungen mit eigenen Augen miterleben durften. Nur der kleine Jess ahnt, dass Böses im Gange ist - doch er schweigt aus Angst - und das Unheil scheint unaufhaltsam seinen Lauf zu nehmen. Obwohl jeder in der Gemeinde von den Machenschaften des fanatischen Pfarrers zu wissen scheint, ist niemand mutig genug, diesem Einhalt zu gebieten. Nur allzu gern lässt sich die Gemeinde vom Schein eines falschen Predigers blenden - bis Unschuldige dafür büßen müssen. Wiley Cash greift in seinem Roman ein brisantes Thema auf: gefährliche Mitläuferschaft, religiöser Fanatismus, todbringende Feigheit.

Umsetzung: Die Geschichte wird aus der Sicht von drei Charakteren geschildert. Jess, der kleine, aufgeweckte, neunjährige Knopf und Bruder von Stump, der hartgesottene Sheriff und Addie, die eigenbrötlerische Hebamme des Ortes kommen zu Wort und erzählen bruchstückhafte Geschichten, die sich schlussendlich zu einem - wenn auch nicht lückenlosen - Ganzen fügen. Und ich muss sagen: Ich empfand die perspektivischen Wechsel als genial umgesetzt. So erfuhr man nicht nur auf vollkommen authentische Weise, von dem eigentlichen Geschehen, sondern erhielt Einblick in die jeweils andere Sichtweise der Protagonisten darauf, in ihre Vergangenheit und ihre Gedanken. Anhand von Einzelschicksalen wird ein explosives Thema angeschnitten, das nie an Aktualität einbüßen wird: das stumpfsinnige und verblendete Folgen irgendeines selbsternannten Führers. Leider war mir das Ende ein klein wenig zu pathetisch, dennoch fand ich es gelungen.

Gestaltung: Das Cover zeigt vollkommene Idylle und Horror zugleich. Zum einen wirkt das Bild vollkommen harmonisch. Ein kleiner, in Gedanken versunkener Junge in einem goldglänzenden Kornfeld. Aber das alt wirkende Gebäude hinter ihm, strahlt etwas Beunruhigendes aus. Wirkt es vorerst wie ein morsches Bauernhaus, zeigt das am Dach angebrachte Holzkreuz, dass es sich vermutlich um ein ländliches Gotteshaus handelt. Dazu der in schwarzen Lettern gedruckte Titel: "Fürchtet euch" auf dem Hintergrund des goldenen Himmels. Das Cover schürt Erwartungen und macht neugierig auf eine Geschichte, in der nichts ist, wie es zu sein scheint. In der die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. In der nur wenig Platz für einen Gott ist. Meiner Meinung nach: wahnsinnig gut gelungen!

Soundtrack: Mein persönlicher Soundtrack zu "Fürchtet euch" von Wiley Cash ist der Song "Run" von Snow Patrol. Er spiegelt genau die Stimmung, die sich während des Lesens dieser Geschichte in mir breitmachte.

Fazit: Ausgezeichnet mit dem Dagger Award für den besten Debütroman und von Kirkus Reviews und Library Journal zum besten Roman 2012 gewählt, tritt man diesem Roman nicht gänzlich unvoreingenommen und erwartungslos gegenüber. Doch auch wenn ich mir an mancher Stelle ein wenig "mehr" (mehr Klarheit, mehr sich auflösende Fragen, mehr Background) gewünscht hätte, bietet dieser Roman sowohl Tiefgang als auch Unterhaltung. "Fürchtet euch" stimmte nachdenklich wie ein Roman, bot Spannung bis zur letzten Seite, wie man es sich von einem Krimi wünscht, und ließ Tränen fließen, die nur eine Familientragödie hervorlocken kann.

3,5 von 5 Sternen!!


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