style="display:block"
data-ad-client="ca-pub-7783397286425302"
data-ad-slot="3580846517"
data-ad-format="autorelaxed">

Ein Jahr voller Wunder

Bild von Möp

„Stellen Sie sich vor, die Zeit läuft Ihnen davon … Würden Sie dann merken, dass Sie sich um die falschen Dinge gekümmert haben?“

Dieser Satz geht einem nicht mehr aus dem Kopf, nachdem man ihn erst einmal auf dem Cover dieses Buches gelesen hat, denn es werden die größten Schreckensvisionen der Menschheit thematisiert: Die Umwelt fordert ihren Tribut und nichts wird je wieder so sein, wie es einmal war.

Die Erde dreht sich nun langsamer, sodass der herkömmliche 24 Stunden Tag tagtäglich um einige Minuten, oft gar Stunden verlängert wird. Die Tage dauern länger an, ebenso die Nächte. Dass dieser Zustand auf längere Sicht nichts Gutes mit sich bringen kann, erzählt uns rückblickend die damals elfjährige Julia, die Zeit ihrer Jugend mit der einsetzenden Veränderung zu kämpfen hatte. Julia ist ein anderes Mädchen als ihre Altersgenossinnen, denn sie ist ernst, still und fühlt sich manchmal wie eine einsame Außenseiterin. Doch sie führt ein bislang vollkommen normales Leben in einem netten Wohnviertel der amerikanischen Mittelschicht, bis all dies ein jähes Ende nimmt. Julias Leben nimmt eine Wende um 180 Grad, denn durch die Verlangsamung der Erdrotation entstehen zunehmend mehr Konflikte und Ängste unter den Menschen.

Es entstehen absolute Ausnahmesituationen, denn durch das veränderte Klima kommt bald das gesamte Ökosystem aus dem Gleichgewicht: Tiere und Pflanzen gehen ein und sterben aus, es entsteht eine immense Lebensmittelknappheit, die veränderte Schwerkraft macht die Menschen krank, die Erde bebt unaufhörlich und ganze Wälder brennen nieder. Doch am gefährlichsten ist die kosmische Strahlung, die die Menschen in Strahlenschutzbunker treibt … All diese Begebenheiten werfen fundamentale Fragen auf, denn wie soll das gesellschaftliche Leben weiter geführt werden, wenn man nicht mehr nach dem 24 Stunden Tag leben kann? Oder kann man das doch? Sollte man nicht einfach hell und dunkel ignorieren? Letztendlich bleibt der Regierung keine andere Wahl, als einen konsequenten 24 Stunden Tag durchzusetzen, doch zwingen können sie Niemanden …

Im Vordergrund steht jedoch auch Julias persönliche Entwicklung, ihre Furcht vor einer Scheidung der Eltern, die sich immer häufiger streiten, die Sorge um ihre Mutter, der die Schwerkraft zu schaffen macht, die Lügen ihres Vaters und auch ihr Schwarm Seth bringt sie gehörig durcheinander. Ihre Welt ist plötzlich vollkommen aus den Fugen geraten.

Also man kann über Endzeitromane denken was man will, aber „Ein Jahr voller Wunder“ überzeugt nicht nur durch eine schlüssige und überraschend logische Handlung, sondern auch durch den eindrucksvollen und bildsprachlich sehr starken Stil der Autorin! Sie schafft es, Dinge beeindruckend spannend zu schreiben, obwohl im Grunde nichts Großartiges passiert. Das ist das Rezept nach dem Bestseller geschrieben werden!

Auch inhaltlich hat es mich einfach umgehauen, denn ich habe lange kein Buch mehr gelesen, das mich so nachdenklich zurückgelassen hat. Denn ich denke nicht nur darüber nach, wie ich gehandelt hätte, sondern vor allem darüber, was im Leben wirklich wichtig ist. Es gibt nur wenige Bücher, die einen dazu anregen, über denn Sinn des Lebens nachzudenken, unsere schnelle und moderne Gesellschaft anzuzweifeln und gleichzeitig auch noch unterschwellig an unser Gewissen der Natur gegenüber appellieren. Respekt!

Alles in allem also ein wunderbares Buch und eine sehr authentische Geschichte, dank toller Autorin!


0