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Und morgen am Meer

Bild von Ina Vainohullu

Sommer, 1989

Claudius lebt in Westberlin und steht kurz vor dem Abitur, als sein bester Kumpel Max auf die glorreiche Idee kommt, die Zeit bis zur letzten Prüfung mit einem Ausflug in den Osten totzuschlagen. Nur widerwillig stimmt Claudius zu, ohne zu ahnen, das dieser Ausflug sein Leben verändern wird. Denn in der S-Bahn begegnet ihm das wohl schönste Mädchen das er je gesehen hat. Doch bevor er auch nur "Hallo" sagen kann, ist sie auch schon wieder verschwunden. Zurück bleibt eine Kassette, die ihr aus der Tasche gerutscht ist und die Claudius dazu veranlasst noch einmal nach Ostberlin zu fahren.

Milena lebt in Ostberlin und liebt Musik. Doch die Songs auf eine Kassette aufzunehmen, ist mühsame Arbeit, denn meist wird der heimlich-gehörte Westrundfunk von knackenden Geräuschen und Rauschen gestört. Umso ärgerlicher das sie die Kassette für ihre Freundin unterwegs verloren hat.
Als einige Tage später ein junger Mann im Park auftaucht, sie anspricht und ihr die verlorene Kassette zurückbringt, staunt Milena nicht schlecht. Denn Claudius erzählt ihr das er von der anderen Seite Berlins kommt. Ein Wessie !

Zwischen den beiden entspinnt sich eine zarte Liebesgeschichte, die mit jeder Menge Komplikationen einhergeht und als die Stasi aufmerksam wird und versucht diese Liebe zu unterbinden, fasst Claudius einen Entschluss: Milena und er hauen ab ! Und wenn alles klappt, dann sind sie schon morgen am Meer.....

Meinung:

Corina Bomann beschreibt in "Und morgen am Meer" sehr anschaulich und detailreich wie das Leben eines Teenies auf der Ostseite von Berlin so ausgesehen hat. Ich hab mich bisher eigentlich kaum mit dem Thema auseinandergesetzt, denn obwohl der Mauerfall und die DDR deutsch-deutsche Geschichte sind, war ich damals einfach noch zu jung um zu begreifen was da abgeht und später hat man zwar mal die ein oder andere Doku im TV gesehen und einige Infos bekommen, aber es ist doch nochmal was anderes, eine Geschichte zu lesen, von einer Autorin die solche Dinge zum Teil selbst erlebt oder zumindest mitbekommen hat.

Es war interessant zu Lesen, wie die Menschen es beispielsweise bewerkstelligt haben, Sachen zu reparieren, wenn das benötigte Material gerade knapp war. Es hat mich erschreckt das in der DDR verbotene Dinge unter der Ladentheke als sogenannte "Bückware" verkauft werden mussten und man immer mit der Angst leben musste, dabei erwischt zu werden. Und es hat mich zornig gemacht das man sich wahnsinnig engagieren musste ( FDJ, etc. ) um überhaupt fürs Abitur zugelassen zu werden. Einen Wessi lieben ? Undenkbar, waren das doch alles Staatsfeinde. Man musste penibel auf seine Äußerungen oder Handlungen achten, denn jeder Mensch in deiner Umgebung konnte ein Mitglied der Stasi sein und dich verpfeifen.

Die Autorin hat wichtige "geschichtliche" Informationen, wie beispielsweise die Grenzöffnung Ungarn-Österreich oder aber die Ansprache von Hans-Dietrich-Genscher, am 30.09.89 in Prag, dessen Worte im Jubel von ca. 4000 Flüchtlingen unterging, in eine aufregende, feinfühlige und allem voran sehr realistische Geschichte gepackt, die von der Musik der 80er-Jahre begleitet wird.

Sie erzählt von der ersten Liebe, für die man bereit ist "Mauern" zu überwinden, von der Hoffnung auf ein anderes, besseres Leben, vom Mut sich zu wehren und vom Gefühl, das mit der Freiheit einhergeht.

Die Protagonisten wirken durch ihre Authentizität sehr sympathisch und der jugendliche Schreibstil, in den die Autorin immer wieder typisch "ostdeutsche" Begriffe oder Dialoge im Dialekt einstreut, liest sich sehr flüssig.
Das Cover erinnert mich farblich ja eher an die 60er-Jahre, statt an die 80er-Jahre. Es ist aber sehr ansprechend gestaltet und das Motiv ist perfekt gewählt, da es eine der Szenen im Buch zeigt.
Durch ihre "Echtheit" hat mich die Geschichte tief bewegt und von Anfang an mitgerissen.

Fazit:

Ein absolut empfehlenswertes Buch, nicht nur für junge Leser.
Eine Geschichte die bewegt und die sich wirklich so zugetragen haben könnte.


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