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Hilfe und Tipps für Texte

Bild von Yuvi

Ihr wollt einen Text schreiben und wisst gar nicht, wo ihr anfangen sollt? Euch fällt kein Thema ein, dem ihr euch widmen könnt? Ihr wollt einen Text überarbeiten, wisst aber nicht, worauf ihr achten solltet?
HSW-User dexter hat dazu einige allgemeine, aber oft sehr hilfreiche Tipps zusammengestellt und ist dabei auch vor allem auf die kleinen Fehler eingegangen, die einem ganz schnell mal unterlaufen :)

Macken und Besonderheiten
Was macht jeden (realen) Charakter aus? Natürlich Macken und Besonderheiten! Warum sollte es dann bei fiktiven Figuren in euren Texten anders sein?
Sei es ein kleiner Sprachfehler, eine Schwäche für Schokolade oder ein markantes Äußeres mit roten Haaren - all das hilft dem Leser, Figuren einzuordnen und wiederzuerkennen.

"Wir beide?"
Dieser Satz kam in der Serie 'Nikola' ziemlich oft (kennt ihr die eigentlich noch?^^) - immer dann, wenn die beiden Protagonisten etwas zu klären hatten und sich in den Abstellraum verzogen. Wie ihr euch fast denken könnt, waren solche Gespräche meist nicht für andere bestimmt und teilweise sehr strittig - aber immer auf den Punkt formuliert.
Gespräche in Serien wie in Büchern sollen, anders als im realen Leben, einen Zweck haben. Denn die Zeit des Lesers und des Zusehers ist kostbar, blabla darf dann nur kommen, wenn das blabla sinnvoll ist. Also fragt euch: Was ist das Ziel des Gesprächs? Denkt auch an die unterschiedliche Sprache der Figuren!

Einbau von Fakten von Informationen
„Warum weinst du denn?“
Sarah schwieg. David war so ein Arschloch, dachte Sven, obwohl die beiden doch eigentlich beste Freunde waren. Seit der Grundschulzeit standen sie sich nahe. Als David mit Sarah, seiner Schwester, zusammengekommen war, hatte er es toll gefunden. Und jetzt? Jetzt war alles ein verdammter Scherbenhaufen und Sven wusste nicht, wohin er treten sollte, ohne sich oder andere zu verletzten.

In diesem Absatz sind viel zu viele Informationen, die der Leser kaum verarbeiten kann, es wirkt fast wie eine Zusammenfassung. Solche „Fakten“ kann man besser durch direkte Rede lösen, als durch so einen langen erzählenden Teil.

„Sarah, warum weinst du denn?“, fragte Sven seine Schwester.
Sie schluchzte laut und zunächst verstand er sie nicht richtig, doch dann: „David hat mich verlassen, einfach Schluss gemacht. Das hat dein scheiß bester Freund gemacht!“

Präzisieren und Konkretisieren
Faustregel: Schreibt so präzise wie möglich und so konkret wie nötig!
Beispiel: Die Sonne schien und Jonny ging die Straße entlang auf dem Weg zum Supermarkt.
Klingt nicht so toll, ist ziemlich unpräzise. So wäre es besser:
Die Sonne schien, als Jonny auf der heißen Straße zu seinem angestammten REWE ging. Wir erhalten hier wichtige Informationen über das Wetter und die Tageszeit (wohl Sommer und am Tag). Damit entsteht auch Atmosphäre.
Zu konkret wäre auch nicht gut, beispielsweise wenn ihr die Beschaffenheit der Straße im Detail erklärt oder die Farbe der Sonne beschreibt:
Ein Tupfen Ocker, darüber knallorange wie die reifeste Orange der Welt, getaucht in ein glühendes Rot. Solche Beschreibungen über viele Seiten hinweg sind schnell zu viel für den Leser. Denn er will ja, dass etwas passiert! Action!
Deshalb versucht einen Mittelweg zwischen Details und Nüchternheit zu finden.

Ideensuche
Wichtig ist immer wieder die Frage: Wie komme ich zu Ideen für (Kurz-)Geschichten? Möchte man nicht einfach nur eine zwischenmenschliche Beziehungen beschreiben und ein „wichtiges“ Thema behandeln, empfiehlt es sich, zu recherchieren.
Dazu kann man natürlich Zeitungsartikel lesen, sich Anregungen im TV oder Internet suchen. Dazu empfehlen sich vor allem Seiten wie Spiegel, Focus, N24 etc., dort findet ihr einen super Überblick über das aktuelle Zeitgeschehen.

Das böse Genitiv s
Ja, wie denn jetzt? Sandra's Schuhe oder Sandras Schuhe? Ganz einfach:
Im Deutschen wird der Genitiv ohne ' gebildet. Es heißt also: Sams Kummerkasten, Willis Wunsch, Daniels Dachwohnung etc.
Im Englischen hingegen wird der Genitiv mit ' gebildet: Sandra's shoes, David's mother etc.

Komik - ziemlich schwer in Worte zu fassen
Wir alle kennen lustige Filme, Liebeskomödien etc. Doch wie bringt man den Leser zum Schmunzeln? Natürlich kann man Verschiedenes versuchen:
- Die Storylinie kann sehr humorvoll und chaotisch angelegt sein, ein sehr gutes Beispiel dafür ist in meinen Augen "Mieses Karma von David Safier". Für Neulinge ist so ein richtiger Humorbolzen aber recht schwer zu schaffen.
- Daher können auch einfache Situationen komisch sein. Z.B. verrückte Begegnungen mit dem Chef im Sexshop etc.
- Oder aber die Personen an sich sorgen für Komik. Da können schon Kleinigkeiten entscheidend sein. Eine hüpfende Warze auf dem Gesicht, ein langsam knallrot werdender Kopf beim Hustenanfall und so weiter sind kleine Details, die sehr schön die Personen und deren Eigenschaften symbolisieren könnten. Ein Mann, der immer einen Stock dabei hat und sich auch stocksteif benimmt, wirkt nicht nur komischer, sondern auch gleich überzeugender.
Beobachtet doch auch mal, über was ihr und eure Freunde lacht. Versprecher, Missgeschicke oder einfach ein doofer Witz?

Farbenlehre
Ihr sagt wohl jetzt hä, aber ein beliebter Fehler ist zu schreiben: "Sie zog das rosa Top an."
Das ist nämlich leider falsch.
Alle "normalen" Farben, wie z.B. rot, blau, schwarz, gelb etc. können so verwendet werden.
Aber bei Farben, deren Herkunft von einem Gegenstand ist, wird ein -farben drangehängt.
Da wären also "türkisfarbene Tops, eierschalenfarbene Tapeten, rosafarbene Turnschuhe, olivefarbene Tabletten" usw.

Merke: "das gelbe Top" ist richtig, "das rosa/rosane Top" falsch. Es heißt "rosafarbenes Top".

1. Deutsche Sprache - schwere Sprache
"Oh Mann, der Kerl ist so toll! Ich schmilze dahin!"
Na, ist euch was aufgefallen? Ein Fehlerchen?
Richtig: ich schmilze gibt es gar nicht!
Bei schmelzen handelt es sich um ein unregelmäßiges Verb, was bedeutet, dass eine Klangverschiebung stattfindet.
So ist es richtig:
1. Person Singl. Präsens: Ich schmelze
2. Person Singl. Präsens: Du schmilzt
3. Person Singl. Präsens: Er schmilzt

Personen indirekt charakterisieren
"Tolle Hose", lobt ihre Freundin Sandra.
"Danke", antwortet Uschi, die blonde und schlanke Mitvierzigerin und begutachtet selbst ihre dunkelblaue Jeans mit Nietengürtel.

Sowas kommt in Kurzgeschichten und allgemein Prosatexten immer etwas blöd. Stattdessen ist es schöner, Personen indirekt zu charakterisieren, z.B. auch in einem Gespräch.

"Du trägst aber eine total edle Hose", lobte Sandra die Jeans ihrer Freundin Uschi. Verschwörerisch beugte diese sich nach vorne, sodass ihr blondes Haar leicht in ihr Gesicht fiel.
"Sag's nicht weiter, aber die habe ich aus dem Kleiderschrank meiner Tochter!"
-> Wir erfahren also, dass Uschi Mutter ist, blonde Haare hat und eine ziemlich coole Hose trägt, die sie aus dem Kleiderschrank ihrer Tochter hat. Also eine coole und flippige Mutti.
Also gibt es wesentlich mehr Infos und - die Personen wirken lebendiger ;)

Vollständigkeit
1. Gerade Kurzgeschichten müssen vollständig sein, d.h. für den Leser dürfen sich keine Leerstellen ergeben.
Ein kleines Beispiel:

Sie sah ihn wütend an. Hass, genau das fühlte sie, spürte, wie die Wut durch ihre Adern pochte.
„Du bist so ein verdammtes Arschloch! Gehst mir schon wieder fremd!“ –„Schatz, damals haben wir doch auch alles wieder hinbekommen.“ - "Damals war auch alles anders."
Sie drehte sich wütend um und ging. Nie wieder wollte sie ihn sehen.
ENDE.

Ein ziemlich blödes Ende, oder? Ihr fragt euch, wie es denn „damals“ war. Wenn das „damals“ von Bedeutung ist, z.B. das Paar anders verfährt und sie Schluss macht, dann entsteht eine Leerstelle und der Leser fragt sich zu Recht: „Wie war es damals und wieso ist es jetzt anders?“
Zugegeben, dieser Auszug ist so konstruiert, dass er sinnlos und leer ist, aber gerade bei Kurzgeschichten muss alles schlüssig sein, der Leser darf nicht plötzlich da stehen und sich Fragen stellen, die ihr im Text nicht beantwortet, aber für die Handlung wichtig sind. Noch mal auf das Beispiel oben bezogen ist es natürlich egal, welche Farbe der erste Strampler von ihr hatte, aber nicht, wie das mit dem ersten Mal Fremdgehen und der Lösung war.
In Kürze also: In Kurzgeschichten muss man dem Leser nicht alles sagen, aber alles, was für die Storyline wichtig ist!

Wörtliche Rede
2. Ich sehe immer wieder Folgendes:
„Ich liebe dich so unendlich doll.“, stammelte er und wurde rot.
Wenn nach der wörtlichen Rede noch eine Erklärung kommt, folgt kein Punkt!!!!
So ist richtig:
„Ich liebe dich so unendlich doll“, stammelte er und wurde rot.
Wenn aber der Satz abgeschlossen ist, kommt natürlich ein Punkt: Felix nickte. „Danke für alles.“ Mit seinen großen Händen tätschelte er ihren Unterarm und ging.