Szene 2


Was bisher geschah:

Emma und Anna hatten geplant, in den Osterferien nach Hamburg zu fahren und Greta zu besuchen. Coole EGA-Tage sollten es werden. Doch Emmas Mutter Katinka hat andere Pläne. Wandern in Österreich ist angesagt. Mit ihrem Lover Malte und ... mit Emma! Emma teilt ihren Freundinnen in einer Chat-Konferenz die Katastrophe mit. Die Mädels sind geschockt.

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Hier geht es los mit Szene 2:

Missmutig starre ich auf den dunklen Bildschirm. fischkopf ist ein voll bescheuerter Nick, denke ich, noch schlimmer als pferdebaby, keine Ahnung, wie Anna und ich auf die Idee kommen konnten, uns selbst so zu nennen, wie Roman, Mr. Systemfehler höchstpersönlich, uns betitelt hat, um seine Abneigung auszudrücken. Ich habe auch keine Ahnung, wie ich Mum überreden soll, Anna und Greta nach Österreich mitzunehmen, wenn ich schon nicht nach Hamburg darf.
Zu blöd, dass Dad jetzt ausgerechnet mit einer Lehrerin zusammen ist.
„Emma-Schatz“, hat er bei seinem letzten Besuch gesagt, „sorry, aber über Ostern fahre ich mit Katharina weg, sie ist Lehrerin, weißt du, da kann man nur in den Schulferien verreisen.“
„Ja, Dad“, hab ich gesagt, „ich weiß, ich bin nämlich Schülerin, da kann man auch nur in den Schulferien verreisen.“
Dad hat gelacht, mir auf die Schultern geklopft und gesagt, wie sehr er meinen Humor liebt. Toll, Fischkopf-Emma hat Humor. Sie wird von ihrem Ex-Freund betrogen, sie wird von ihrem Tanzgott nicht gewollt, aber das ist alles nicht schlimm, weil sie ja Humor hat.
Wütend haue ich die geballte Faust auf den Tisch. Genau genommen haue ich sie nicht auf den Tisch, sondern auf einen Reisekatalog, der aufgeschlagen da liegt. Urlaub im Salzkammergut steht in fetten Lettern auf der Seite, und mit einem gelben Edding ist ein Kreis um die kleine Pension Dorfhuber gezogen. Oh mein Gott! Geranien vor dem Balkon, ein altes Ehepaar (er in Lederhosen, sie im Dirndl) darauf und ein gigantischer Berg hinter dem Haus. Grauenhaft! Genau so hatte ich mir das immer vorgestellt. Selbst wenn Anna und Greta tatsächlich mitkommen dürften, was sollen wir in dieser totalen Einöde? Salzkammergut! Wie das Wort schon klingt.
Mein Handy piept. SMS von Anna.

bank?

Ich simse zurück.

bank! bring trosteis mit!

Ich stecke den Katalog ein, um ihr das Elend gleich bildlich vorzuführen und mache mich auf zu unserer Bank auf dem Schulhof. Hier hat Annas und meine Freundschaft begonnen, hier habe ich Tanzgott Alex entdeckt und mich Hals über Kopf in ihn verliebt, hier hat Köln angefangen, Heimat für mich zu werden.
Während ich auf Anna warte, lese ich seufzend die Infos zur Pension Dorfhuber. Mit spürbarem Stolz berichten sie, wie unberührt die Natur ist, wie schnell man die Einsamkeit findet, wie sehr man die Ruhe genießen kann. Natur, Einsamkeit und Ruhe - exakt die drei Dinge, die ich mir in den Ferien wünsche!
„Na, Fischkopf, so alleinsam? Ganz ohne Pferdebaby?“ Roman, in Fußballdress und mit Stollenschuhen, lässt sich neben mich plumpsen.
Ein weiterer Glücksmoment im überaus brillanten Leben der Emma Rosenberg. Dabei hätte ich es wissen können! Es ist Mittwoch. Mittwochs spielt der Systemfehler immer mit anderen Systemfehlern Fußball auf dem Sportplatz neben der Schule. Toll, Emma, gute Wahl, an einem Mittwoch hierher zu kommen. Roman stinkt schon jetzt nach Schweiß, wie mag er erst nach dem Spiel riechen? Er packt eine Flasche Wasser aus und trinkt sabbernd daraus.
„Auch mal schlabbern?“, fragt er und reicht mir die Flasche.
Ich könnt auch gleich kotzen. „Nee, danke.“
„Fischköpfe brauchen Wasser“, sagt Roman, hält mir die offene Flasche über den Kopf und beginnt, sie langsam umzudrehen. Mit einer schnellen Bewegung schnappe ich sie und halte sie ihm über Kopf. Damit hat der Systemfehler nicht gerechnet. Einen Augenblick schaut er mich verblüfft an, dann lächelt er: „Schon gut, Bunny, wollt ja nur ’n bisschen soft sein.“
Ich verdrehe die Augen, nehme den Verschluss aus Romans Hand und drehe die Flasche zu.
„Was’n das?“ Roman greift nach dem Prospekt, der in dem kurzen Handgemenge von der Bank gerutscht und im Dreck gelandet ist. „Phat“, sagt er, „voll Bombe. Fischkopf geht zur Abwechslung mal aufs Wasser statt rein. Na, jedenfalls kann so’n Fisch nich ersaufen bei Bitch-über-Bord.“ Der Systemfehler lacht sich schief über seinen eigenen Witz, dann betrachtet er die Seite genauer: „Guck mal, das is ’n Katamaran.“
Roman sieht mir offensichtlich an, dass ich nicht die geringste Ahnung habe, wovon er spricht. Er hält mir den Katalog unter die Nase und tippt stolz auf ein Segelschiff: „Auf so einem bin ich auch schon mal gesegelt.“
Der Segler sieht aus wie ein großer Schlitten mit zwei Kufen, und gerade will ich denken: Hey, Systemfehler, es interessiert mich nicht im Mindesten, auf was oder wem du schon gesegelt bist! Da entdecke ich etwas, das mich wirklich interessiert.
Ich sehe einen großen See, und auf dem See eine Menge Segelboote, und in den Segelbooten ziemlich viele ... Jungs!!! Hey, das sieht anders aus als Pension Dorfhuber, das sieht sehr anders aus als Pension Dorfhuber.
Ich reiße Roman den Katalog aus der Hand und lese: „Segelschule am Mondsee, Kurs für Jugendliche zwischen 14 und 17 ... täglicher Unterricht ... Jugendbetreuer, Übernachtung im Mehrbettzimmer, cooles Rahmenprogramm ... Grillabend, Drachenbootrennen ...“ Ich bin sprachlos. Wie geil ist das denn? Das ist ja noch viel besser als EGA-Tage in Hamburg.
Plötzlich spüre ich echte Motivation. Ich werde Mum überreden. Ich werde ihr einen Kompromiss vorschlagen: eine Woche wandern gegen eine Woche segeln. Mit Anna und Greta! Da kann eine liebende Mutter doch nicht nein sagen.
Eine kleine feine Glückswelle läuft durch meinen Körper.
„Roman, ich liebe dich!“, rufe ich begeistert und lese weiter: „Tischtennis, Wasserski-Show ... für die älteren Teilnehmer Besuch einer Diskothek.“
Während ich mir mit steigender Euphorie ausmale, wie wir phantastische EGA-Tage am Mondsee verbringen, wie wir all die vielen Jungs kennenlernen, wie wir Grillabende am romantischen Lagerfeuer verbringen, höre ich Roman im Hintergrund mit halbem Ohr weiterplappern.
„Weißt du, Fischkopf, ähm, ... ich find dich auch nicht so übel, ich hab nur immer gedacht, dass du, na ja, ... dass du mich ... also, dass du mich nicht so ..., aber wenn das so ist ... also von mir aus, no prob ...“
Was ich dann spüre, kann ich zunächst nicht einordnen. Es ist vollkommen überraschend. Es ist nah und nass. Und es fühlt sich sehr falsch an. Im gleichen Moment, in dem ich das erste fassungslose „Oh“ höre, realisiere ich: Es ist Roman, der mich küsst!
Bestürzt schaue ich hoch.
Anna, mit zwei Eishörnchen in der Hand, starrt mit herunter geklappter Kinnlade mich und Roman an.
„Oh“, höre ich ein zweites Mal. Mit genauso herunter geklappter Kinnlade blickt jemand über Annas Schulter: Alex.

Aufgabe:

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Eure Schreibaufgabe:

Beschreibt, wie Emma aus dieser „überraschenden“ Situation herauskommt. Was passiert in den nächsten Minuten?
Bitte schreibt bei dieser Aufgabe nicht mehr als 6000 Zeichen.

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