Szene 1
Was bisher geschah: Unsere Heldin Emma, fünfzehn und nicht auf den Kopf gefallen, hat sich nach ihrem Umzug von Hamburg nach Köln gut eingelebt. Sie und Anna sind enger befreundet denn je, ab und zu stößt ihre beste Freundin Greta aus Hamburg zu ihnen, und es gibt EGA-Tage und -Nächte. Ihr Ex-Schwarm Alex tanzt weiterhin auf dem Schulhof und in der Dancing-School, aber, nachdem er erklärt hat, dass er weder in Anna noch in Emma verliebt ist, haben sich die romantischen Gefühle für ihn etwas gelegt. Dafür sorgt Mitschüler-Scheusal Roman nach wie vor dafür, dass die Nerven nicht einrosten.
Es ist Frühling. Die Sonne scheint, die Osterferien stehen vor der Tür, Emma und Anna planen einen Trip nach Hamburg, um Greta zu besuchen. Einige Tage zusammen in der großen Stadt. Mindestens einen ganzen Tag lang, nichts als shoppen, shoppen, shoppen. Aber die Erwachsenen haben mal wieder andere Pläne...
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Hier geht es los mit Szene 1:
fischkopf (16:40):
wir kommen nach HH
nordicgirl (16:40):
wann
fischkopf (16:41):
osterferien
pferdebaby (16:41):
min. 4 tage
nordicgirl (16:42):
cool xD
pferdebaby (16:42):
heute beschlossen
fischkopf (16:43):
4 EGA-tage!!!
pferdebaby (16.43):
mindestens!!!
nordicgirl (16:43):
shoppen, shoppen, shoppen
pferdebaby (16:44):
und disko
fischkopf (16:44):
und schwimmen
pferdebaby (16:45):
drauĂźen wenn wir glĂĽck haben
nordicgirl (16:46):
bibber
pferdebaby (16:46):
wieso? klimakatastrophe!
fischkopf (16:46):
lol
nordicgirl (16:46):
lol
fischkopf (16:47):
freu mich total xD
pferdebaby (16:47):
me 2
nordicgirl (16:48):
me 2
fischkopf (16:48):
jetzt muss nur noch mum ja sagen
„Zu was muss ich ja sagen, mein kleiner Fischkopf?“
Ich zucke zusammen. „Mum! Wie oft hab ich dir schon gesagt, dass du anklopfen sollst, bevor du in mein Zimmer kommst!“
„Du bist nicht in deinem Zimmer, Emma.“ Meine Mutter hat den Tonfall, den sie immer hat, wenn sie mit dem schwachsinnigen Hund unseres alten Nachbarn spricht. „Dein Computer ist kaputt, mein Schatz, du befindest dich im Wohnzimmer und schreibst an meinem Computer. Wenn du online bist, vergisst du wirklich den Rest der Welt.“
Mum hat Recht. Genau das tue ich, vor allem wenn ich mit Greta und Anna chatte. Ich liebe es, mit den beiden zu chatten. Noch lieber ist mir nur, wenn wir real zusammen sind. EGA-Tage sind mein absolutes Hobby, noch vor tanzen und kĂĽssen. Und beides tue ich wirklich sehr sehr gern.
„Schon mal was von Briefgeheimnis gehört?“
„Hab ja nur den letzten Satz gelesen.“ Meine Mutter klingt etwas verschnupft. „Außerdem habe ich dich vorher schon zweimal angetippt, aber in deiner Computerwelt nimmst du ja nicht mal das wahr.“
„So wie du am Sonntagabend.“
Meine Mutter runzelt verständnislos die Stirn.
„Tatort“, erkläre ich.
„Eins zu eins.“ Mum lächelt. „Wieso nennst du dich eigentlich ‚fischkopf’?“ Sie schaut interessiert auf den Bildschirm.
Ich klicke mich sofort off. Der Chat ist kein Ort für Mütter. Und was Anna, Greta und ich zu bereden haben, geht sie auch nichts an. Oder jedenfalls nicht, so lange ich es ihr nicht selbst erzähle.
„Hab ’nen Haufen Emma-Nicks ausprobiert, waren aber alle schon weg, ’fischkopf’ war noch frei.“
„Aha“, sagt Mum und kapiert offensichtlich nichts.
„Anna und Greta sind ‚pferdebaby’ und ‚nordicgirl’. Und wir haben megacoole Avatare.“
„Aha“, sagt Mum wieder im selben Ton.
Ich hoffe, dass ich nie einundvierzig werden muss. Mit einundvierzig scheinen Begriffe wie ICQ, Nick oder Avatar zur Sprache einer anderen Spezies zu gehören.
„Manchmal glaube ich, ich gehöre zu einer anderen Spezies“, murmelt Mum vor sich hin, lässt sich auf die Couch fallen und sieht ein bisschen hilflos aus.
„Ach, Mum“, sage ich tröstend, setze mich neben sie und streichele ihre Hand. Die tiefstehende Sonne scheint durchs Wohnzimmerfenster und bescheint den Staub auf dem alten, schwarzlackierten Klavier, das Malte Mum zum Geburtstag geschenkt hat.
„Spielst du was für mich?“
Mums Züge hellen sich sofort auf. „Wirklich?“
„Klar.“
„Hörst du es gern?“
„Klar.“
LiebhablĂĽge. Noch ehrenhafter als NotlĂĽge. Mum hat erst seit zwei Monaten Klavierunterricht, und es klingt grauenvoll wenn sie spielt, aber ich hab sie gerade so lieb, dass es mir nichts ausmacht.
Meine Mutter setzt sich ans Klavier und spielt grauenvoll Für Adeline von Richard Clayderman. Vor allem bei den Noten mit dem kleinen Finger rutscht sie ständig ab. Aber ich finde, eine Mutter, die sich einen alten Lebenstraum erfüllt und endlich Klavierspielen lernt, muss man unbedingt unterstützen. Leider fängt sie jetzt aber auch noch an zu summen. Ich habe schon öfter festgestellt, dass meine Mutter mit ihrem Pilotenjob eine Massenmörderin geworden wäre, wenn sie die Landebahn genauso wenig treffen würde, wie die Töne, wenn sie singt. Dieter Bohlen hätte wirklich seine helle Freude an meiner Mutter.
Mein Handy piept. SMS von Anna.
he warum bist du off
mum. meld mich später
Mein Handy piept wieder. SMS von Greta.
was ist mit deiner mum
spielt klavier
SMS von Anna
oh je
SMS von Greta
Mitleid
„Ich muss noch viel üben.“ Mum klappt den Klavierdeckel zu. „Und wozu sollte ich eben ja sagen?“
„Ach, es ging um die Osterferien.“
„Ah“, sagt Mum, „darüber wollte ich auch mit dir reden. Wir wollen wandern. In den Bergen.“
„Wer?“
„Malte und ich.“
He, das klingt gut.
„In Österreich.“
He, das klingt noch besser. Malte und Mum in Österreich zum Wandern, während Anna und ich bei Greta in Hamburg shoppen. Perfekt.
„Und du“, sagt Mum.
„Und ich was?“
„Malte, ich und du.“
„Was?“
„Wandern.“
„Was????“
„Es wird dir gefallen.“
„Was?“
„Wandern.“
„Mum! Ich hasse wandern!“
„Wieso?“
„Weil es langweilig ist. Weil es altbacken ist und weil es total uncool ist “, sage ich. Weil es in den Bergen keine Shops, keine Jungs und keine Diskos gibt, denke ich.
„Ich fahre in den Osterferien mit Anna nach Hamburg und besuche Greta.“
„Nein.“
„Was?“
„Ich befürchte, das tust du nicht.“
„Mum! Bitte!“
„Schatz, das geht nicht.“
„Wieso?“
„Weil wir wandern.“
„Wieso?“
„Weil es spannend ist. Weil es in ist und weil es total cool ist.“
Dieses Gespräch fängt an, absurd zu werden.
„Mum. Ich will nicht mit dir und Malte in Österreich auf irgendwelchen megalangweiligen Bergen herumkraxeln. Ich will mit Anna nach Hamburg zu Greta.“
„Und ich will, dass du nach Österreich fährst.“
Ich spüre, wie mir die Tränen in die Augen steigen.
Meine Mutter kommt zurück zur Couch. „Emma, tut mir leid. Aber ich will nicht, dass du alleine nach Hamburg fährst, während ich in Österreich bin. Du bist vierzehn!“
„I c h b i n f ü n f z e h n!“
„Oder so”, sagt meine Mutter. Ich platze gleich. Sie vergisst das ständig. Als ob es überhaupt keine Rolle spielen würde, ob man vierzehn oder fünfzehn ist. Als ob nicht ein ganzes Zeitalter zwischen vierzehn und fünfzehn liegen würde. Mal ganz abgesehen davon, dass eine Mutter wissen sollte, wie alt ihre einzige Tochter ist!
„Es sind noch drei Jahre bis du volljährig wirst. Ich möchte nicht, dass meine Tochter mit fünfzehn allein in Urlaub fährt. Hast du verstanden?“
Ich sage nichts mehr. Ich durchschweige alle Versuche meiner Mutter, mir die Situation zu erklären, mich wieder aufzuheitern oder mich zu trösten. Ich bin sauer. Ich bin stinkesauer. Ich brauche meine Freundinnen.
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Eure Schreibaufgabe:
Emma geht wieder on und erklärt Anna und Greta im Chat die Situation. Wie reagieren die Mädchen?
Tipps: Es gibt viele Möglichkeiten. Resignieren die Mädchen, kämpfen sie, haben sie neue Ideen? Sind sich alle drei einig oder haben sie unterschiedliche Meinungen? Kommen sie zu einem Entschluss oder verschieben sie die Diskussion? Seid kreativ und lasst euch etwas einfallen.
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