Szene 13


Was bisher geschah: Emma hat einen hartes Jahr. Zuerst die Scheidung ihrer Eltern, dann der Umzug vom Hamburg nach Köln. Weg von Philipp, ihrer großen Liebe, weg von Greta, ihrer besten Freundin. Der erste Schultag ist eine Katastrophe, keine Freunde, unbekannter Unterrichtsstoff, und Roman und Anna, zwei von Emmas neuen Mitschülern, betiteln sie als Fischkopf und scheinen sie nicht leiden zu können. Als Emma heimlich, ohne das Wissen ihrer Mutter, nach Hamburg fährt, überrascht sie Philipp knutschend mit einer Anderen. Und Greta hat von Philipps Neuer gewusst, ohne Emma etwas zu sagen. Niedergeschmettert fährt Emma zurück nach Köln. Greta fährt ihr hinterher und steht mitten in der Nacht vor Emmas Tür. Die beiden Freundinnen vertragen sich wieder.
Doch ein neuer Schock erwartet Emma ausgerechnet an ihrem 15. Geburtstag: Ihre Mutter hat einen neuen Freund. Parallel dazu entdeckt Anna, dass ihr Vater fremdgeht. Als die beiden Mädchen feststellen, dass sie mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben, freunden sie sich an.
Ein paar Wochen später verknallt sich Emma Hals über Kopf in einen Jungen, der auf faszinierende Weise auf dem Schulhof tanzt und schreibt einen Liebessong für den Unbekannten.
Ausgerechnet da bekommt sie überraschenden Besuch von Philipp, der wieder mit Emma zusammen sein will. Emma spürt, dass ihre Zeit mit Philipp endgültig vorbei ist und lehnt ab.
Der Schulhoftänzer, der, wie die Mädchen erfahren, Alex heißt, lädt die beiden zum Tanzworkshop in seine Danceschool ein. Emma und Anna entpuppen sich nicht gerade als Tanz-Genies und Alex bietet den beiden an, ihnen beim Einüben der Choreografie zu helfen.
Nach einem EGA-Tag (Emma-Greta-Anna-Tag) in Düsseldorf, ist es soweit. Alex trainiert mit den beiden Mädchen und entpuppt sich als guter Lehrer. Emma ist mehr denn je in ihn verliebt. „Ich auch“, sagt Anna zu Emmas Entsetzen.
Emma schreibt einen Brief an Anna und erläutert ihre Gefühle zur neuen Situation.
Beim späteren Abendessen erklären ihr ihre Mutter und Malte in einer höchst eigenartigen Form, dass sie beschlossen haben, demnächst zusammenzuziehen.
Am nächsten Tag muss Emma eine Mathearbeit bewältigen, bei der sie keine Ahnung hat.

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Ich liebe Sonntage. Ich mag es, wenn ich morgens die Augen aufschlage, ohne dass mich Mum oder ein Wecker geweckt hat. Der Tag fühlt sich völlig anders an, wenn ich ihn ausgeschlafen beginne. Und der Tag fühlt sich noch mal ganz anders an, wenn ich weiß, es ist ein Dad-Tag. Ein Dad-Tag ist etwas ganz besonderes. Ein Dad-Tag unterscheidet sich von allen anderen Tagen. Ein Dad-Tag ist fast noch schöner als ein EGA-Tag. Ich liebe Mum, aber sie ist halt fast immer da. Wenn jemand fast immer da ist, kann er einem ganz schön auf die Nerven gehen. Vielleicht würden sich die Menschen weniger trennen, wenn sie nicht zusammenleben und sich auf die Nerven gehen würden. Ja, ich bin ganz sicher, dass es so wäre. Vielleicht sollte ich später Bundeskanzlerin werden und ein Gesetz auf den Weg bringen, das Ehepaaren verbietet zusammenzuleben.
Bundeskanzlerin Emma Rosenberg. Klingt nicht schlecht.
„Wann hast du eigentlich beschlossen, Pilotin zu werden?“, frage ich Mum beim Frühstück. Mum schaut verträumt in die brennenden Kerzen des Adventskranzes. „Als ich so alt war wie du. Mit vierzehn.“
„Mum!“ Ich bin empört. Wenn die eigene Mutter nicht mal weiß, wie alt man ist, fühlt man sich wirklich nicht besonders geliebt. „Ich bin fünfzehn!“
Mum streichelt über meinen Kopf. „Na, das eine Jahr scheint dir ja sehr wichtig zu sein.“
„Ungefähr so wichtig wie dir. Oder warum erzählst du schon so lang, dass du neununddreißig bist?“
Mum zuckt leicht zusammen, dann lacht sie. „Hast ja Recht, du bist fünfzehn, und ich bin ...“, sie zögert, „über vierzig.“
Oh, denke ich erstaunt, Mum kommt in die Midlife-Crisis. Und für einen ganz kurzen Moment denke ich auch, gut, dass es Malte gibt, sonst würde sie vielleicht in Depressionen verfallen.
„Ich werde mal Bundeskanzlerin“, teile ich meiner Mutter mit.
Die lacht erleichtert auf. Der Themenwechsel scheint ihr zu gefallen. Auch der Grund meines neuen Berufswunsches scheint sie zu amüsieren und so zu beschäftigen, dass sie Dad, als er eintrifft, sofort in Kenntnis setzt: „Deine Tochter möchte Bundeskanzlerin werden, Ralf.“
Dad grinst übers ganze Gesicht. Und als Mum ihm glucksend mitteilt, warum ich Bundeskanzlerin werden will, lacht er laut los. Und Mum mit ihm.
Und während Dad noch einen Kaffee mit uns trinkt, erzählen sich die beiden von meinen früheren Berufswünschen.
„Weißt du noch, als Emma unbedingt Maulwurfschützerin werden wollte ...?“
„Oder Diplom-Schneemannbauerin ...“
„Oder Feenstaubherstellerin ...“
Die beiden haben Tränen in den Augen vor Lachen. Dann weitet sich das „Weißt-du-noch-Spiel“ aus, und zwei weitere Kaffees lang erzählen sie sich gegenseitig Geschichten aus einer Zeit, als sie noch zusammen und wir alle drei eine Familie waren.
Ich bin hin- und hergerissen. Einerseits fühlt es sich gut an, so gut, als wäre das ganze letzte Jahr nicht passiert, als säßen wir an einem kalten Wintersonntag im verschneiten Hamburg an unserem alten Esszimmertisch und alles wäre wie früher. Andererseits werde ich das Gefühl nicht los, dass ich gerade gar keine Rolle mehr spiele.
„Sollen wir nicht mal los?“, frag ich Dad endlich.
Der schaut verblüfft und scheint einen kurzen Moment zu überlegen, wer genau denn das Mädchen ist, das ihm diese Frage stellt. Dann nickt er: „Ähm, ja, sollten wir mal.“ Er räuspert sich und sagt zu Mum: „Kommst du mit, Katinka?“
Ups!
Mum schaut Dad mit großen Augen an. Seit der Trennung ist es noch nie vorgekommen, dass Mum dabei war, wenn ich etwas mit Dad gemacht habe. Es ist aber auch noch nie vorgekommen, dass Dad Mum gefragt hat. Oder Mum Dad. Je länger das Schweigen dauert, desto lauter dröhnt die Frage durch den Raum. „Kommst du mit, Kantinka?“, scheint von den Wänden zurückgeworfen zu werden, „Kommst du mit Katinka?“, scheinen selbst die Gläser und Tassen auf der Abtropffläche der Spüle zu wiederholen.
„Ja, gern, Ralf“, sagt Mum.

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