Szene 12


Was bisher geschah: Emma hat einen hartes Jahr. Zuerst die Scheidung ihrer Eltern, dann der Umzug vom Hamburg nach Köln. Weg von Philipp, ihrer großen Liebe, weg von Greta, ihrer besten Freundin. Der erste Schultag ist eine Katastrophe, keine Freunde, unbekannter Unterrichtsstoff, und Roman und Anna, zwei von Emmas neuen Mitschülern, betiteln sie als Fischkopf und scheinen sie nicht leiden zu können. Als Emma heimlich, ohne das Wissen ihrer Mutter, nach Hamburg fährt, überrascht sie Philipp knutschend mit einer Anderen. Und Greta hat von Philipps Neuer gewusst, ohne Emma etwas zu sagen. Niedergeschmettert fährt Emma zurück nach Köln. Greta fährt ihr hinterher und steht mitten in der Nacht vor Emmas Tür. Die beiden Freundinnen vertragen sich wieder.
Doch ein neuer Schock erwartet Emma ausgerechnet an ihrem 15. Geburtstag: Ihre Mutter hat einen neuen Freund. Parallel dazu entdeckt Anna, dass ihr Vater fremdgeht. Als die beiden Mädchen feststellen, dass sie mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben, freunden sie sich an.
Ein paar Wochen später verknallt sich Emma Hals über Kopf in einen Jungen, der auf faszinierende Weise auf dem Schulhof tanzt und schreibt einen Liebessong für den Unbekannten.
Ausgerechnet da bekommt sie ĂĽberraschenden Besuch von Philipp, der wieder mit Emma zusammen sein will. Emma spĂĽrt, dass ihre Zeit mit Philipp endgĂĽltig vorbei ist und lehnt ab.
Der Schulhoftänzer, der, wie die Mädchen erfahren, Alex heißt, lädt die beiden zum Tanzworkshop in seine Danceschool ein. Emma und Anna entpuppen sich nicht gerade als Tanz-Genies und Alex bietet den beiden an, ihnen beim Einüben der Choreografie zu helfen.
Nach einem EGA-Tag (Emma-Greta-Anna-Tag) in Düsseldorf, ist es soweit. Alex trainiert mit den beiden Mädchen und entpuppt sich als guter Lehrer. Emma ist mehr denn je in ihn verliebt. „Ich auch“, sagt Anna zu Emmas Entsetzen.
Emma schreibt einen Brief an Anna und erläutert ihre Gefühle zur neuen Situation.
Beim späteren Abendessen erklären ihr ihre Mutter und Malte in einer höchst eigenartigen Form, dass sie beschlossen haben, zusammenzuziehen.

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Diese Nacht war alptraumlos. Gut! Der Schock saß auch noch tief genug. Doch schon mit dem ersten Satz des Tages, setzte Mum noch einen drauf: „Emma-Schatz, du musst jetzt wirklich aufstehen, sonst kommst du noch zu spät zur Mathearbeit.“ Die MATHEARBEIT! Verdammter Mist! Die hatte ich völlig vergessen. Da hat wohl der Malte-Alptraum den Mathe-Alptraum verdrängt.
Mum hat mich gestern nicht mehr raus gelassen, um Anna den Brief zu bringen, ich hatte auch keine Kraft mehr zum Protest. Vor dem Schultor hole ich tief Luft. Der Brief brennt in meiner Tasche. Aber erst mal muss diese Horrorarbeit erledigt werden.
Es klingelt zum Unterrichtsbeginn. Ich betrete das Gebäude, das noch so viele Jahre mein Schicksal bestimmen wird, biege in den langen Gang zu unserem Klassenraum ein und laufe fast in Frau Schwabs Arme.
„Guten Morgen, Emma“, sagt sie entschieden zu fröhlich für diese frühe Morgenstunde, „na, dann wollen wir mal.“
Nein, WIR wollen nicht, Frau Schwab, WIR wollen ganz und gar nicht, nur DU willst, denke ich, traue mich aber natürlich nicht, es zu sagen, wäre auch blöd von mir, Frau Schwabs Sympathie brauche ich bestimmt noch.
Frau Schwab betritt nach mir den Klassenraum, ich lasse mich neben Anna fallen, Roman hinter uns riecht bis hier nach seinen ekeligen Eierbroten, isst er eigentlich den ganzen Tag nichts anderes als Eier?
„Isst du eigentlich den ganzen Tag nichts anderes als Eier?“, zischt Anna nach hinten, und für einen Augenblick möchte ich sie am liebsten in den Arm nehmen und alle Alexe dieser Welt zum Teufel schicken.
„Wenn du mal die Kleinkindphase hinter dir hast, wirst du Männer, die Eier essen, noch zu schätzen lernen, Pferdebaby“, antwortet der Systemfehler und tippt mir auf die Schulter. „Du übrigens auch, Fischkopf.“
Anna straft Roman mit Ignoranz.
„Hi“, sagt sie zu mir.
„Hi“, quetsche ich zwischen zusammengepressten Lippen hervor.
Der Augenblick ist vorbei.
„Guten Morgen“, sagt Frau Schwab.
„Guten Morgen, Frau Schwab“, rufen alle.
Ich muss an den Tag denken, an dem ich hier zum ersten Mal einsam vor der Klasse stand und alle Guten Morgen, Frau Schwab brüllten. Kommt mir vor, als wäre es Jahrzehnte her.
Frau Schwab verteilt Arbeitsblätter. Die sehen schon von weitem unsympathisch aus. Und der Inhalt macht sie nicht sympathischer.
Ich blättere sie einmal durch. Bei regelmäßigen Neunecken sollen wir sämtliche Diagonalen zählen und die Lösung begründen. In einem Baumdiagramm sollen wir die Wahrscheinlichkeiten von Mädchen- oder Jungengeburten in Zweikinderfamilien darstellen. Und dann geht’s noch um eine Tabellenkalkulation einer Reifenfirma mit irgendeiner mir völlig unbekannten Formel B4*C4.
Liebes Schicksal, kannst du Emma Rosenberg verraten, wie sie eine Mathearbeit schreiben soll, von der sie nicht die geringste Ahnung hat?

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