Szene 9


Was bisher geschah: Emma hat einen hartes Jahr. Zuerst die Scheidung ihrer Eltern, dann der Umzug vom Hamburg nach Köln. Weg von Philipp, ihrer großen Liebe, weg von Greta, ihrer besten Freundin. Der erste Schultag ist eine Katastrophe, keine Freunde, unbekannter Unterrichtsstoff, und Roman und Anna, zwei von Emmas neuen Mitschülern, betiteln sie als Fischkopf und scheinen sie nicht leiden zu können. Als Emma heimlich, ohne das Wissen ihrer Mutter, nach Hamburg fährt, überrascht sie Philipp knutschend mit einer Anderen. Und Greta hat von Philipps Neuer gewusst, ohne Emma etwas zu sagen. Niedergeschmettert fährt Emma zurück nach Köln. Greta fährt ihr hinterher und steht mitten in der Nacht vor Emmas Tür. Die beiden Freundinnen vertragen sich wieder.
Doch ein neuer Schock erwartet Emma ausgerechnet an ihrem 15. Geburtstag: Ihre Mutter hat einen neuen Freund. Parallel dazu entdeckt Anna, dass ihr Vater fremdgeht. Als die beiden Mädchen feststellen, dass sie mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben, freunden sie sich an.
Ein paar Wochen später verknallt sich Emma Hals über Kopf in einen Jungen, der auf faszinierende Weise auf dem Schulhof tanzt und schreibt einen Liebessong für den Unbekannten.
Ausgerechnet da bekommt sie überraschenden Besuch von Philipp, der wieder mit Emma zusammen sein will. Emma spürt, dass ihre Zeit mit Philipp endgültig vorbei ist und lehnt ab.
Der Schulhoftänzer, der, wie die Mädchen erfahren, Alex heißt, lädt die beiden zum Tanzworkshop in seine Danceschool ein. Emma entpuppt sich nicht gerade als Tanz-Genie und Alex bietet ihr am Ende an, sich am nächsten Tag mit ihr zu treffen, um ihr beim Einüben der Choreografie zu helfen.

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hi süße, meine mum muss morgen nach düsseldorf, und ich hab nur bis elf schule. sie sagt, wenn deine mum dich lässt, dürfen wir uns in düsseldorf treffen und den nachmittag da miteinander verbringen. machen wir einen (halben) EG-Tag?
hdgdl greta.

In Gretas Mail hüpft ein kleiner, süßer Frosch auf einem rosa Gummiball quer über den Bildschirm. Yeah, ruft es in mir, yeah, yeah, yeah, Greta kommt! Wie geil ist das denn? Mein Herz hüpft wie der kleine Frosch, meine vom ersten Tanztraining erschöpften Muskeln laden sich sofort mit neuer Energie auf. Jubelnd tanze ich die ersten Schritte der neu erlernten Choreo durch mein Zimmer. Nein, wir werden keinen EG-Tag machen, wir werden einen EGA-Tag machen! Greta und Anna sollen sich endlich mal persönlich kennenlernen, meine beiden besten Freundinnen sollen auch Freundinnen werden. Die Quecksilbersäule auf meinem persönlichen Gute-Laune-Thermometer steigt rapide nach oben. Um einen Moment später in gleicher Geschwindigkeit in den Keller zu fallen. Alex! Unser Tanzdate morgen! Ich hatte es tatsächlich mindestens 20 Sekunden lang vergessen.
Was soll ich tun? Greta absagen, die ich so selten sehe, oder Alex absagen, der so viel Herzklopfen auslöst? Konfliktsituation. War neulich Thema in Bio: Irgendwelche zwei Typen, Tinbergen und Lorenz hießen sie, glaub ich, haben herausgefunden, dass in einer Konfliktsituation zwischen zwei entgegengesetzten Handlungswünschen oft eine dritte Verhaltensweise, eine sogenannte Übersprungshandlung entsteht, die keinen sinnvollen Bezug zu der gerade vorhandenen Situation hat. Im Unterricht hatten wir das Beispiel:
Zwei Kampfhähne stehen sich gegenüber und können nicht entscheiden, ob sie angreifen oder fliehen wollen. Plötzlich picken sie nach nicht vorhandenem Futter.
Eine Emma im „Greta-oder-Alex-Konflikt“ sollte auch erst mal nach vorhandenem Futter picken, denke ich, und beiße herzhaft in meine Notration Schokolade, die für schwierige Situationen immer in der Schreibtischschublade liegt.
Schokolade kann Wunder bewirken! Entgegen der Theorie der Mütter und Väter dieser Welt, die ihre Kinder davon zu überzeugen suchen, dass Schokolade schlecht ist, kann ich nur sagen, Schokolade beruhigt, entschärft Konfliktsituationen und verhilft zu klarem Denken. Es ist doch ganz einfach: Ich bitte Alex morgen in der Schule, das Tanztraining um einen Tag zu verschieben, dann kann ich das eine machen, ohne auf das andere verzichten zu müssen. Okay, hätte ich auch ohne Schoki drauf kommen können.

hi, greta, beste F., hab mum grad gefragt. geht klar. sie sagt, sie bringt uns sogar hin. also, „uns“, anna und mich. es wird ein (halber) EGA-Tag! anna freut sich auch schon auf dich. sag mir, wann wir wo sein sollen.
hdndl emma.

Nach einer vor lauter Vorfreude fast schlaflosen Nacht, nach einem 14-Wort-Gespräch mit Alex heut in der Schule (Hi Alex. Hi Emma. Können wir uns auch morgen Nachmittag treffen? Klar. Ok. Ok.), nach einer Wir-stehen-in-sämtlichen-Staus-des-Landes-Fahrt von Köln nach Düsseldorf, parken wir eine Dreiviertelstunde zu spät in Düsseldorf am Bahnhof.
„In drei Stunden hole ich euch beide wieder hier ab! Alles klar?“, sagt Mum.
„Greta!“, schreie ich.
Die drückt ihre Nase am Beifahrerfenster platt und strahlt übers ganze Gesicht. „Da seid ihr ja endlich!“
Wir springen aus dem Wagen: Umarmung, kleine-Tränchen-verdrücken, jubeln, Anna und Greta einander vorstellen, Ermahnung, auf uns aufzupassen, uns nicht zu trennen und in genau drei Stunden wieder genau hier zu sein.
Dann ist alles überstanden, Mum biegt hupend um die Ecke, und Greta fragt: „Gehen wir Hamburger essen?
„Ich mag keine Hamburger!“, sage ich aus tiefstem Herzen.
Greta und Anna schauen mich kurz verblüfft an, dann kapieren beide und lachen los. Ich hake Greta rechts und Anna links unter und ziehe sie mit mir.
„Auf in den EGA-Nachmittag!“

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