Willkommen im Club der Rebellen

„Schaffst du es, Zenta?“, fragte ich besorgt mein Kindermädchen, die meine kleine Schwester Susan auf dem Arm trug und dabei bedrohlich schwankte.
„Natürlich“, brummte sie zurück und ich wette, wenn sie gekonnt hätte, dann hätte sie ihre metallische Stirn in Falten gelegt. Wie gesagt, wenn, denn wie sollte ein Roboter je zu so etwas in der Lage sein?
Zenta war schon an unserem satellitengesteuerten Fahrzeug angelangt und legte Susan auf die Rückbank, wo mehrere Gurte sich wie von selbst zärtlich um sie schlungen. Doch auf Dauer würden diese meine Schwester auch nicht ruhig stimmen. Die Arme einer liebevollen Mutter waren da im Gegensatz ein Riesenunterschied und Zenta wusste das auch. Immer wieder blickte sie über die Schulter zu Susan, während sie in den kleinen Computer im Innern des Fahrzeuges die Zahlenkombination 2-7-5 (was für den Spielplatz stand) eintippte und den Spaziergehmodus aktivierte.
Aber Derrick, mein Sponsor, würde sich nie dazu herablassen sich um Susan zu kümmern, geschweige denn um mich. Klar, er war nett, aber ich sehnte mich einfach nach – und ich hätte mir lieber die Zunge abgebissen, als diesen Wunsch laut aus zu sprechen- Liebe und wahrer Zuneigung. Ich wüsste auch gar keinen, mit dem ich darüber sprechen sollte! Susan würde mir höchstens ihre Patschehändchen entgegenstrecken, Derrick würde mich nur zu den Programmieren schicken, die meine Gedanken für mindestens 2 Stunden ruhig stellten und Zenta… Ja, Zenta. Wie sollte man mit einem Roboter, der ein maschinenhergestelltes Gehirn besaß, über ein solches Thema sprechen? Sie verspürte zwar Freude, Wut und jede Menge andere Gefühle, aber konnte sie auch wirklich Liebe empfinden? Angestrengt betrachtete ich sie von der Seite, als könnte ich so die Antwort von ihrem Gesicht ablesen.
Zenta merkte meine bohrenden Blicke und drehte den Kopf mir zu. Schnell wandte ich das Gesicht ab. Dem Blick ihrer großen, gelben Augen konnte ich immer noch nicht standhalten. Vielleicht lag es auch daran, dass ich wusste, dass diese Augen einmal einer echten Katze gehört hatten. Vor vielen, vielen Jahren, als diese Wesen, die ich nur aus Susans Bilderbuch kannte, noch die Welt bevölkerten.
„Wir sind da“, stellte Zenta plötzlich fest, drückte auf einen kleinen Knopf und wartete geduldig mit mir, bis sich unsere Türen automatisch öffneten und wir hinaus auf den Stahlboden springen konnten.
Und da war er: Der Spielplatz! Er war eine große und weite Fläche, die mit allen möglichen elektrischen Geräten gefüllt war. Von Pampersreinigern bis hin zu einem Ausleihstand für Mini-Roboter, die einem eine Burg aus Metallblöcken bauen konnten.
„Zenta?“ Ich wandte mich zu ihr um, als sie mit Susan an mir vorbeitorkelte.
„Ist es okay, wenn wir uns jetzt trennen? Ich bin dann in einer Stunde wieder da!“, versprach ich, denn der Spielplatz würde heute nicht mein Ziel sein. „Es sei denn, du möchtest, dass ich dir mit Susan helfe, dann bleibe ich natü-.“
„Jonie! Ich komme mit Susan klar, du brauchst mir nicht helfen, geh du ruhig deine Ausbildungseinkäufe erledigen“, unterbrach mich Zenta mit ihrer lauten computeranimierten Stimme und starrte mich gekränkt an. Natürlich, wie konnte ich vergessen, welch sensibles Gemüt Roboter nur hatten?!
Erleichtert atmete ich auf, machte auf dem Absatz kehrt und lief ins Zentrum der großen Stadt aus Metall.
„Einmal die Rechenausbildung 4 für Fortgeschrittene, das macht 45 Dinar“, lächelte der Verkäufer hinter der Theke und schob seine Brille, die ich interessiert betrachtet hatte (immerhin sind solche Teile echte Antiquitäten und eine Stange Geld wert), die Nase hoch.
Ich hielt ihm meinen Arm hin und legte den Chip, der auf meine Haut tättoviert war, frei, damit er mit einem Sensor darüber fahren und die Bezahlung abbuchen konnte.
Schließlich hüpfte ich zurück auf die Straße, ein Päckchen mit meiner Ausbildungsfortsetzung unter den Arm geklemmt.
Mein prüfender Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich noch genau 25 Minuten Zeit hatte, bevor ich wieder zurück zu Zenta musste. Aber nicht nur das: Sie informierte mich auch über den Abstand zu Zenta (was wirklich lästig war, denn wenn ich den 4 km Radius überschritt, schlug ein Sender bei ihr Alarm) und die Wettervoraussichten.
Unwillkürlich musste ich anfangen zu lachen, als ich sah, dass es laut meiner Uhr heute eigentlich schneien müsste. Ich seufzte. Wenn ich mich beeilte, könnte ich es noch rechtzeitig zum Uhrenklempner schaffen.
Ich setzte mich gerade in Bewegung, als aus einer Seitenstraße zwei Jungen stolperten. Natürlich wäre es nicht weiter verwunderlich zwei Jungen auf der Straße zu begegnen, aber ich bemerkte in ihren Augen nackte Panik und so stockte ich und beobachtete die zwei, die sich gegen eine Hauswand lehnten und sich die Seiten hielten.
Plötzlich sah der eine auf, unsere Blicke begegneten sich, er stutze. Er sah mich eine Weile nachdenklich an, dann winkte er mich zu sich.
Ich blickte mich um. Es war keine Menschenseele zu sehen. Wenn er also nicht unter Wahrnehmungsstörungen litt, konnte er nur mich meinen.
Langsam ging ich auf die beiden Fremden zu. Der eine Junge lag mittlerweile auf dem Boden und hatte das Gesicht verzerrt vor Anstrengung, sein Brustkorb hob und senkte sich im halben Sekunden Takt. Der andere, hatte den Blick nicht von mir abgewandt und wartete stumm, bis ich zu ihnen in den Schatten des Hauses getreten war.
„Hey, kannst du mir bitte schnell sagen, in welchem Stadtteil wir uns befinden?“ Er sah mich flehentlich an.
„Heather“, antwortete ich misstrauisch.
Der Junge lachte. „Gott, Ziplock! Wir sind ja fast 5 Kilometer gelaufen!“
Der Junge, der am Boden lag, öffnete gequält ein Auge.
„So fühle ich mich auch“, keuchte er.
„Kein einziger Funken Ausdauer steckt in dir“, kicherte der Andere, aber sofort wurde seine Miene wieder wachsam.
„Danke“, sagte er zu mir gewandt und zog Ziplock auf die Füße.
Als sie sich gerade wieder aufmachen wollten, trat ich ihnen in den Weg.
„Halt!“
Die beiden Jungen sahen mich verwirrt an. "Was?"
„Ihr seid… sponsorenlos!“ Meine Stimme hatte einen erschrockenen und gleichzeitig faszinierten Unterton angenommen.
Der eine Junge betrachtete mich mit zusammengezogenen Augenbrauen.
„Woher willst du das wissen?“
„Sponsorenkinder können sich nur in einem Umkreis von 4 Kilometern zu ihrem Aufpasser bewegen“, antwortete ich mechanisch.
„Wieso?“ Der Ellenbogenstoß von dem einen Jungen kam zu spät, Ziplock starrte mich ungläubig an. Er hatte keine Ahnung, wie es war einen Sponsor zu haben, er musste im Waisenhaus leben.
„Wie seid ihr geflohen? Und wo wollt ihr jetzt hin? Es ist gefährlich ohne Sponsor!“
Ich fasste es nicht. Jetzt sorgte ich mich auch noch um dahergelaufene Teenager.
„Ich wüsste nicht, was dich das angeht.“ Die Stimme des Jungen hatte einen abweisenden, leicht aggressiven Ton angeschlagen.
„Ich komme mit!“ Ich konnte die Worte nicht aufhalten, sie entwischten einfach meinem Mund und hingen nun wie feuchter Nebel in der Luft.
„Wohin?“
„Da, wo ihr hin geht!“
Eine lange Stille trat ein, in der Ziplock mich mit offenem Mund anstarrte, offensichtlich zweifelte er an meiner geistlichen Gesundheit.
„A-aber du hast doch einen Sponsor! Was willst du mehr?“
Ein merkwürdiges Gefühl breitete sich in mir aus, kletterte meinen Hals hoch und versperrte meine Atemwege.
„Ich möchte frei sein“, flüsterte ich. „Und aus dieser Stadt rauskommen.“
Jetzt war es der Junge, der mich fasziniert anstarrte.
Er reichte mir eine Hand. „Cosmo Hill! Willkommen im Club der Rebellen.“ Ein Lächeln trat auf sein Gesicht und ein berauschendes Gefühl durchströmte mich wie heiße Lava.
Vielleicht fand ich bei ihm das, nachdem ich mich immer gesehnt hatte.
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Natürlich.. ich habe das gleiche Problem wie immer: Die Zeichenbegrenzung *seufz*
ich bin ca. 1000 Zeichen wieder drüber, also, nur her mit den Kürzungsvorschlägen....
Ich weiß, in meiner Geschichte passiert alles zu schnell, aber wie hätte ich es denn noch besser schrieben sollen mit dem Hintergedanken an die 7000 Zeichen? :(
Naja, werft mit einfach all eure Kritik an den Kopf, auch wenn meine "Erfindungen" z.B. unlogisch sind :D
LG, SchokoTina :)
PS.: Überschrift.. *kopfschüttel* ---> Ich kann's einfach nicht :D
03.02.08
Soo, erstmal danke für eure ganzen Kommis ;)
Hab direkt alles verbessert, was ihr gesagt habt! :)
- Dratilons ind Dinar umgewandelt (ich muss das wohl iwie überlesen haben xD)
- Ein wenig gekürzt...^^
- Die beiden "Problemsätze" umgeändert :D
DANKE!
Am Abend:
Huch, hab vergessen die Überschrift zu ändern, hab's jetzt nachgeholt, danke Raphi *knuddel*
08.02.08
Noch ein paar Sätze und Wörter weggekürzt...
jetzt bin ich noch genau 749 Zeichen drüber *Haare rauf*
30.03.08
Hach, hab einfahc noch mal hier'n bissel rumgebastelt, noch 500 Zeichen zu viel oO
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