Letzter Ausweg: Flucht

Bild von Babsi

Habt ihr schon mal von Satellite City gehört? Nein? Dann könnt ihr wirklich froh sein. Mein Name ist Trisha Appleton und ich wohne in Satellite City, genauer gesagt im Emmilton-James–Heim für familiär gefährdete Mädchen, dem Gegenstück zum Clarissa-Frayne-Heim für familiär gefährdete Jungen. Wenn man sich das überlegt, ist es eigentlich ein Witz, als ob irgendeiner von uns familiär gefährdet wäre, wir haben keine Familien und, viel wichtiger, keine Sponsoren, das ist das Problem. Außerdem diese sinnlose Jungen – Mädchen Trennung, nach unseren Arbeitstagen können wir sowieso nichts anderes als schlafen, wozu also Jungs und Mädchen in getrennte Heime stecken? Und das, wo doch alle klagen, es gäbe zu wenig Geld für Kinderheime. Aber wozu soll ich mir Gedanken machen? Ändern wird sich sowieso nie etwas. Unsere Tage sind immer gleich, morgens in aller Frühe aufstehen, dann ein bisschen Brei - das sogenannte Frühstück – runter schlingen, ab zu einem Testlabor und dort den ganzen Tag rackern, bis man abends endlich in sein Bett fallen kann. Das ist kein Leben, das ist Folter! Bestimmt fragt ihr euch, warum wir nicht einfach abhauen, aber das ist hier vollkommen unmöglich. Wie der Name schon sagt, wird ganz Satellite City vom Myishi-9-Satelliten gesteuert, da kann keiner einfach verschwinden. Außerdem haben wir hier ziemlich strenge Aufseher, die vor nichts zurückschrecken. Einer Freundin von mir wurden mal mit einem Brennungsshooter die Haare ausgebrannt, seitdem geht sie nicht mehr ohne Kopfbedeckung aus dem Heim. Eigentlich ist Freundin das falsche Wort, hier hat man keine Freunde. Freundschaft, ganz zu schweigen von Liebe und anderen derartigen Gefühlen, sind ein Luxus, der uns Sponsorlosen nicht vergönnt ist.
Ihr wundert euch sicher, wieso ich das alles hier erzähle und vor allem, wie ich überhaupt die Zeit dazu finde, es in Cyberdaten umzuwandeln, aber das ist schnell beantwortet. Ich erzähle es euch, damit ich selber noch rechtzeitig alles verarbeiten kann und die Zeit dazu habe ich, weil diese Hölle, die sich Leben nennt, für mich bald vorbei sein wird. Ich liege auf der Krankenstation des Emmilton-James-Heims und warte darauf, dass ich endlich den einzigen Fluchtweg ergreifen kann, den Tod. Macht euch keine Sorgen, es ist weder schlimm für mich, dass ich jetzt schon sterbe, noch ist es ungewöhnlich. Unsere Lebenserwartung hier im Heim liegt bei etwa 16 Jahren, das ist immerhin ein Jahr mehr als drüben bei den Jungs. Ich bin mit meinen 15 Jahren und etwa 8 Monaten - mein genaues Alter kenne ich nicht - also genau im Durchschnitt. Viel länger hätte ich es hier sowieso nicht ausgehalten, diese Tests fressen einen von innen auf, sodass irgendwann nur noch eine leere Hülle übrig bleibt.
So, jetzt wisst ihr, mit wem ihr es zu tun habt und ich werde mich nicht länger mit Vorreden aufhalten, sondern euch von einem typischen Tag hier in Satellite City erzählen. Es ist eigentlich ein Tag wie jeder andere, aber trotzdem ist er mir gut in Erinnerung geblieben.

Wie jeden Morgen wurden wir um halb sechs aus unseren Unterkünften geschmissen und hatten genau eine halbe Stunde, um fertig angezogen, gewaschen und mit gefüllten Mägen vor dem Heim zu stehen. Unter anderen Umständen wäre es für so viele Mädchen in einem Raum wahrscheinlich unmöglich, in dieser kurzen Zeit startbereit zu sein, aber wir konnten uns keine Eitelkeiten leisten. Ich sprang also ins Bad, ließ mir etwas Wasser über den Körper laufen, rannte ins Zimmer zurück und zog meine alten, zerrissenen Klamotten an. Ein Blick auf die große Uhr im Raum sagte mir, dass ich noch etwa zwanzig Minuten hatte, also holte ich meine Haarbürste unter dem Kissen hervor und strich mir durch meine hüftlangen, schwarzen Haare. Sie sind mein einziger Stolz und ich freue mich immer, wenn mir morgens Zeit bleibt, um sie ein wenig zu pflegen, ein guter Anfang also für den Tag.
Nachdem ich mir etwas von dem abartigen, chemisch gemischten Frühstücksbrei, an diesem Tag zur Abwechslung mit Karottengeschmack, in den Magen gezwungen hatte, stellte ich mich mit den anderen nach draußen. Keine zwei Minuten später und pünktlich auf die Sekunde öffneten sich drei Schnelltunnel vor uns, in die wir wahllos hinein gescheucht wurden. Jeder von ihnen steuerte ein anderes Ziel an und man wusste vorher nie, wo man landen würde. Ich hatte diesmal Glück, der Tunnel beförderte mich zu einer alten Lagerhalle, in der – oh Wunder – Süßigkeiten auf ihren Geschmack und ihre Wirkung getestet werden sollten. Zeitgleich mit uns kam auch ein veralteter Bus aus dem Clarissa-Frayne-Heim an, wir würden den Tag also zusammen mit den Jungs verbringen, eine angenehme Abwechslung.

Tatsächlich verlief der Aufenthalt in der Halle jedoch nicht so angenehm. Die Süßigkeiten boten zwar eine Abwechslung zu unserem üblichen Essen, aber die meisten schmeckten zu künstlich um lecker zu sein. Die altertümlichen Geräte im Lager waren mit Zuckerkram vollgestellt und nur an wenigen Stellen warteten Computer auf uns, um die Ergebnisse aufzunehmen. Wir mussten beantworten, welche Süßigkeiten am leckersten schmeckten, welche Gefühle sie in uns auslösten, außerdem ob und wie viel Geld wir für sie ausgeben würden. Der letzte Punkt war natürlich einfach nur lächerlich, da keiner von uns je auch nur einen einzigen Dinar besessen hatte. Während des Probierens hatte ich Gelegenheit, mich etwas umzuschauen und auch die Jungs mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn obwohl Zuneigung jeglicher Art ja, wie gesagt, ein unerreichbarer Luxus war, hatte ich mit meinen damals 13 Jahren natürlich ein gewisses Interesse am anderen Geschlecht.
Vor allem ein braunhaariger Junge mit einigen Sommersprossen fiel mir ins Auge, er sah schwach und mitgenommen aus, wahrscheinlich hatte er einen anstrengenden Test hinter sich, doch trotzdem ließ er seine Augen durchgehend wachsam durch die Lagerhalle schweifen, so als wäre er auf der Suche nach einer Fluchtmöglichkeit. Der Junge faszinierte mich auf seine Art und Weise und ich behielt ihn den Tag über im Auge. Bei einem meiner Aufenthalte an den Computern stand er plötzlich neben mir.
„Du hast mich beobachtet, oder?“
Vor Schreck wusste ich nicht, was ich sagen sollte und starrte einfach in seine braunen Augen, aus denen so viel Verzweiflung sprach. Bevor ich reagieren konnte, rief ein Wärter nach ihm:
„Cosmo, was machst du denn? Mach sofort weiter!“
Schnell drehte Cosmo sich um und verschwand zwischen den Süßigkeiten.

Ich habe Cosmo seitdem zwar nicht mehr gesehen, aber viel an ihn gedacht. Gerüchten zufolge soll er es mit einem Freund zusammen geschafft haben, aus dem Heim zu fliehen. Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber wenn es so ist, wünsche ich ihm alles Gute, auf dass seine Flucht erfreulicher endet, als meine es bald wird.

Trisha

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31.01

So, das ist mein erster Beitrag zur Cosmo Hill Runde und ich muss sagen, es war eine echt schwere Geburt. Ich hatte am Anfang keine Ahnung was ich schreiben soll und auch als die Idee dann kam, war die Umsetzung nicht gerade einfach und ich muss zugeben, es ist anders geworden als ich erwartet hatte.
Zum Beispiel die Tatsache, dass ich keine wörtliche Rede im anzen Text habe...ich bin mal gespannt wie das ankommt...
Sowieso bin ich gespannt was ihr sagt und warte aufgeregt auf Kritik :)

...
Name am Ende zugefügt :)

01.02

Die Szene mit Cosmo etwas verlängert; hier und da noch was hinzugefügt und auch einiges weggenommen (Wortwiederholungen zum Beispiel).
Bin jetzt bei genau 6.999 Zeichen

05.02
Aus "streben" "sterben" gemacht, danke Nessy :)
Und danke für die vielen lieben Kommis, ich werd schauen, ob ich eure Inhaltlichen Tipps noch irgendwie im Text unter krieg... wenn nur diese blöde Zeichenbegrenzung nicht wäre *grml*

08.02
Miese Flüchtigkeits - und Kommafehler rausgemacht. (Was Kommasetzung betrifft bin ich ein hoffnungsloser Fall...) Danke Little Tiger *knuddel*
Jetzt hab ich im Moment 8 Zeichen zu viel, aber ich will den Text am WE sowieso noch mal komplett überarbeiten...

11.02
Text überarbeitet--> Mehr Zukunft rein, kurzes Treffe mit Cosmo und Rechtschreibfehler ausgebessert.
Ich hab noch ein ganz paar winzige Zeichen übrig und ich bin sehr gespannt auf Verbesserungsvorschläge.

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