Hope 2.Kapitel- The Crush

Bild von Sigh

Die Eissonne ging gerade über Sattelite City auf und tauchte die Stadt in kaltes, blaues Licht. Blecherner Lärm von metallenen Vögeln war zu vernehmen, und auf den Straßen tummelten sich die ersten Arbeiterdrohnen, um für ihre Besitzer zu arbeiten.
Sweeny kam gerade von der Nachtpatroulie zurück und setzte sich erschöpft ins Vorzelt, an das langsam verlöschende Feuer. Sieben Tage waren seit der Flucht mit Cosmo vergangen, und langsam wurde die Zeit knapp. Der nächste Sprung war in nicht mal mehr einer Woche, aber so wie es aussah, würden sie es nicht rechtzeitig schaffen. Sie wurden überall gesucht. Steckbriefe mit ihren Gesichtern verzierten das kalte Metall der Stadt, und die Summe, die auf sie ausgesetzt war, brachte jeden kleinen Möchte-gern-Ganoven dazu, sie zu jagen. Owls Laune verschlechterte sich von Tag zu Tag immer mehr, und neigte langsam zu unüberlegten Handlungen, was das Weiterkommen, und die Flucht vor den Satellite-Scorps, kleinen Überwachungsdrohnen, viel zu sehr erschwerte.
Erst Vorgestern mussten sie einen bis dahin relativ sicheren Unterschlupf aufgeben, da er die Drohnen auf sie aufmerksam gemacht hatte. Bei der Flucht wurde Sweeny durch eine dieser Satellite-Scorps am Bein verletzt.
Vorsichtig krempelte sie das rechte Hosenbein ihrer blauen Jeans hoch, und begutachtete die Wunde. Eine schwarze Kruste hatte sich darum gebildet, und von Zeit zu Zeit quoll eine schwarze Ölartige Substanz heraus.
Ein Seufzen befiel sie.
„Hätte ich doch nur besser aufgepasst“, murmelte sie.
Neben ihr regte sich Cosmo. Verschlafen schlug er die Decke zurück. Seine orangen Haare hingen verwuschelt in seinem Gesicht und verdeckten ihm die Sicht auf Sweeny, die schnell wieder ihr Hose runterkrempelte.
„Werden wir wieder angegriffen?“, gähnend Streckte er sich, und versuchte sich die Haare aus seinem Gesicht zu streifen.
„Nein“, antwortete Sweeny mit leiser Stimme, dann stand sie auf, „Aber wir sollten weiter. Ich denke, ich habe jemanden gefunden, der uns Fliegen könnte…“
„Was?!“, plötzlich regte sich auch Owl. Er sprang auf, und hatte in ein paar Sekunden schon all seine Sachen gepackt, „Wir dürfen keine Zeit verlieren…lass uns endlich mal hinne machen!“
Aufgeregt zog Owl seine schwarze Hose an, und bückte sich um seine weißen Turnschuhe zu zuschnüren. Dann griff er nach seiner schwarzen Lederjacke, um sie über sein weißes Schulterfreies Hemd über zu ziehen.
Sweeny konnte nur mit dem Kopf schütteln.
„Du kannst die Handbremse einlegen, wir fahren erst heute Abend!“, sagte sie mit leichter Wut in der Stimme.
Kein Danke, kein Toll gemacht, ihr Bruder konnte nie etwas von ihr anerkennen.
„Was ist mit dir los, Sweeny?“, fragte Cosmo zaghaft.
Er kannte mittlerweile ihr hitziges Temperament und wusste, dass sie schnell zur Weißglut gebracht werden konnte.
„Es ist nichts“, grummelte Sweeny vor sich hin, „ich geh mich jetzt ausruhen, und wehe ihr seid Laut!“
Sie zog sich ins hintere Teil des Chromzeltes zurück, und legte sich auf ihren harten Schlafplatz. Kraftlos zog sie die Decke über sich und kuschelte sich ein. Ihr war so kalt, und die schmerzen im Bein hörten einfach nicht auf. Die ganze Nacht war sie auf den Beinen, hat Wache geschoben und dazu noch einen Flug nach Hexor gesichert, alles was sie wollte, war ein einfaches Danke von ihrem Bruder, aber dazu war er nicht im Stande. Es war so ungerecht.

Owl und Cosmo machten soweit schon mal alles bereit, sodass sie sofort losgehen konnten, wenn Sweeny erwacht war. Irgendwas stimmte mit ihr nicht. Sie war gereizter als sonst, auch wenn sie versuchte ruhig zu sein, in ihrer Stimme schwang, in den letzten beiden Tagen, immer etwas Bedrohliches, das den beiden Jungen die Härchen im Nacken aufstellte.
„Wenn wir auf dem Schiff sind, rede ich mit ihr mal darüber“, brummte Owl vor sich rum. Er mochte diese gefährliche Art seiner Schwester nicht, da er sie so nicht kannte.
„Worüber willst du mit mir sprechen?“, Sweeny kam gerade aus dem Zelt, ihre Sachen hielt sie, ordentlich verpackt, in der rechten Hand. Ihr goldenen Augen fixierten kalt die violetten Augen ihres Bruders.
„Wenn ihr was von mir wollt, dann redet mit mir, und tratscht nicht hinter meinen Rücken!“
Sie ging an die Beiden vorbei, legte ihre Sachen ab, und machte sich daran, das Zelt abzubauen. Owl reichte es. Unsanft packte er seine Schwester an der Schulter und drehte sie zu sich herum.
„Hey, wir haben uns nur Sorgen um dich gemacht!“, sagte er etwas lauter als beabsichtigt und blickte ihr fest in die Augen. Es war ein Fehler.
Plötzlich nahm Sweeny den Arm ihres Bruders, und schleuderte ihn in das sich langsam zusammenfaltende Zelt.
Schmerz durchzuckte Owl, als er unsanft auf die Chromplatten aufschlug. Er wollte sich erheben, doch Sweeny stand schon über ihn. Mit ihrem Fuß an seinem Hals drückte sie ihn runter, und langsam die Luft ab.
„Faß mich nie wieder an!“, schrie sie voller Haß, „Das nächste Mal, wird es wirklich wehtun!“
Sweeny ließ von ihrem Bruder ab, ging zu ihrem Rücksack, und lief ohne ein weiteres Wort zu verlieren an Cosmo vorbei. Es war ein gutes Gefühl, ihren Bruder auf dem Boden liegen gesehen zu haben. Aber irgendetwas in ihr fühlte sich schuldig, und insgeheim wusste sie, dass sie selbst so etwas nie getan hätte. Doch für den Moment war es ihr egal, sie fühlte sich gut, kräftig, ausgeruht, und die Schmerzen im Bein waren nicht mehr so schlimm, wie in der gestrigen Nacht.

Der Flug verlief soweit ohne Zwischenfälle. Der Frachter, mit dem sie nach Hexor kamen, entpuppte sich als kleines Kampfschiff, und die vermeintlichen Fahrer, als Anhänger einer Rebellenarmee. Es befanden sich nur drei weitere Menschen neben, Owl, Sweeny, Cosmo und den Rebellen, an Bord.
Dito, ein Arzt, den man sehr leicht mit einem kleinen Jungen verwechseln konnte. Stefan, ein großer angst einflößender Junge, und Mona, ein Mädchen, dass Owl mit einen einzigen Augenaufschlag verzaubert hatte. Wie es schien mochte sie Owl ebenso sehr, wie er sie. Und so bot sie den Reisenden, für die verbleibenden 4 Tage, eine Unterkunft an.
Das Viertel, in dem Mona, Dito und Stefan wohnten, glich der Bronx in New York am Anfang des einundzwanzigsten Jahrhunderts.
Heruntergekommene Häuser flankierten die brüchigen Straßen. Zerrissene Plakate wehten über den Bürgerstieg, und ausgebrannte Autos standen hier und da in den Seitengassen herum.
Aus vereinzelten dunklen Fenstern, starrten Menschen misstrauisch auf die sechs Ankömmlinge.
Sweeny zitterte leicht. Die Gegend war ihr zuwider. Kein Gras, kein Baum, nicht mal eine einzelne Blume war hier zu finden, und durch das seltsame Benehmen der Bewohner, fühlte sie sich, als wäre sie hier unwillkommen.

Die Wohnung von Mona war zum Glück groß und geräumig. Sie strahlte im Gegensatz zu der Nachbarschaft eine gewisse Ruhe aus. An den Wänden hingen Fotos von Monas Freunden, die allesamt fröhlich Lachten. Wie sehr sich Sweeny wünschte, dass sie alle auch wieder so frei Lachen könnten, doch seitdem sie in dieser Zeit angekommen waren, war dies nicht mehr der Fall gewesen. Einmal mehr bereute sie, was sie ihren Bruder angetan hatte. Sie wollte sich entschuldigen, hatte es schon so oft versucht, doch er blockte immer wieder ab.
Ihr Bein fing wieder an zu Schmerzen. So entschuldigte sie sich bei den anderen und zog sich zurück, um sich auszuruhen.

Owl saß neben Mona auf dem Balkon. Seine Hand lag sanft auf ihrer. Zögernd zog er Mona zu sich. Er wusste nicht warum, aber irgendetwas an ihr, verzauberte ihn und ließ nicht zu, dass er etwas an etwas anderes dachte, außer an sie. In ihren braunen Augen konnte er sehen, dass es ihr genauso erging. Warum es so war, und wie es dazu kam wusste keiner von beiden. Es kam einfach dazu, als wäre es vorherbestimmt.
Sie fror leicht, und Owl zog seine Jacke aus um sie ihr umzulegen.
Dankend lächelte sie ihn an und kam mit ihrem Gesicht seinem immer näher. Ihre Lippen berührten sich.

Sweeny lag weinend auf dem Bett. Sie konnte die Schuldgefühle nicht mehr ertragen.
Leise schluchzend zog sie ein weißes Blatt Papier aus ihrer Tasche und kritzelte zitternd ein paar Zeilen drauf.

>Es tut mir Leid, was geschehen ist…..
…….bitte verzeih mir…<

Sie legte das Blatt auf das Kissen, und drehte sich zu dem Fenster. Eine letzte Träne stahl sich aus ihren Augen als sie verschwand.

Langsam löste Owl sich aus Monas Kuss. Er lehnte sich zurück, und strich sanft mit seiner Hand über ihre Wange. Dann beugte er sich wieder zu ihr.
„Ich liebe dich“, hauchte er ihr ins Ohr.
„Ich lie…“, sie brach plötzlich ab und drückte ihn von sich.
„Hab, hab ich was falsches gesagt?“, fragte Owl verwirrt und sah ihr in die Augen, die sich langsam mit Tränen füllten.
Sie schüttelte den Kopf, dann sprang sie auf und flüchtete in die Wohnung.
Owl konnte nichts tun, verwirrt und gekränkt bleib er sitzen, und dachte über Monas Reaktion nach.
Nach kurzer Zeit öffnete sich wieder die Tür.
Owl drehte sich um, in der Hoffnung, da s Mona noch mal zurück kam und sich erklärte.
Doch es war nicht Mona.
Cosmo stand in der Tür in der Hand hielt er ein einzelnes Stück Papier.
Atemlos stammelte er vor sich hin.
„Sweeny ist….sweeny….sie…sie ist“
„Was ist denn nun?!“, hackte Owl gereizt nach.
„Sweeny ist abgehauen“
Owls Augen weiteten sich vor Schock.

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