Schluss mit dem Alleinsein!

Das konnte doch nicht wahr sein!
Fassungslos starrte ich den vier Gestalten hinterher, die mit schnellen und leisen Schritten über die Dächer der Stadt verschwanden.
Die Supernaturalisten hatten ein neues Mitglied. Einen dunkelhaarigen, schmächtigen Jungen. Warum? Warum er? Was hatte er, was ich nicht hatte? Nun ja, abgesehen davon, dass er ein Junge war. Aber daran konnte es ja wohl kaum liegen, oder?
Wie viele Wochen, ach, was sag ich, Monate hatte ich mein Bestes gegeben, um den Anforderungen der Supernaturalisten gerecht zu werden? Letztendlich war ich sogar zu ihnen hin gegangen und hatte regelrecht um meine Aufnahme in das Team gebettelt.
Schon erbärmlich, wie verzweifelt ich war!
Aber selbstverständlich war Stefan Baschkir knallhart geblieben.
„Tut mir Leid, Bella, wir können dich hier nicht gebrauchen. Du würdest uns nur im Weg rumstehen“, hatte er gesagt.
Stefan wusste, was er mir schuldig war, aber das ging seiner Meinung nach zu weit. Überhaupt hatte ich es nur meiner Mutter zu verdanken, dass ich in diese kleine Geheimorganisation eingeweiht war. Sie hatte die Supernaturalisten immer unterstützt, auch wenn sie nie wirklich gewusst hatte, was sie eigentlich taten.
Und da stießen die drei auf diesen Jungen, retteten ihm das Leben und nahmen ihn einfach so mit sich. Klar, Mona hatte versucht, Stefan zu überzeugen, dem Betteln des Jungen, ihn bei sich aufzunehmen, nachzugeben. Doch Stefan hatte sich schon zum Gehen umgewandt. Da hatte der Junge gesagt: „Diese Wesen. Die blauen Wesen, in deren Adern Strom fließt. Sie haben mir das Leben ausgesaugt.“
Und dann das, was ich nie für möglich gehalten hätte: Stefans Worte: „ Gut nehmen wir ihn mit. Er ist ein Seher.“
„Pixie, gib mal die Begriffe 'Seher' und 'blaue Wesen' in dein Suchnetzwerk ein“, wies ich den kleinen Minirobotor auf meinem Schreibtisch an, während ich mit einem Schnipser die Kaffeemaschine in Gang setzte. Die braune koffeinhaltige Flüssigkeit war bereits etwas außer Mode gekommen. Doch ich muss ehrlich zugeben, dass mir die Vorstellung, eines dieser hormonisierten Aufputschgetränken zu trinken, nicht so ganz behagte.
„Na, was sagt dein elektronisches Supergehirn dazu? Irgendwelche Treffer?“
„Och, nur so an die zehntausend Stück“, piepste Pixie. Die meisten Robotorbesitzer spielten ihren elektronischen Dienern Sprachsoftwares auf, sodass deren Stimmen wie die echter Menschen klangen, doch davon hielt ich recht wenig. Er war das Einzige, das mir von Mum geblieben war, und ich betrachtete ihn vielmehr als meinen besten Freund als als meinen Diener. Ich mochte ihn so, wie er von Anfang an gewesen war: Metallisch glänzend, ohne diese menschenähnliche Latexhaut, piepsig und sarkastisch.
„Irgendetwas Interessantes dabei?“, fragte ich, hob die volle Kaffetasse und gönnte mir genüsslich ein paar Schlucke.
Pixie starrte auf die Tasse in meiner Hand und stemmte demonstrativ die Arme in die Hüften.
Ich seufzte. „Pixie, du weißt doch, dass Kaffee dir nicht so gut bekommt. Du kannst mir nicht erzählen, dass du das letzte Mal vergessen hast, als ich dir anschließend sämtliche Leitungen und eine Nebenschaltzentrale wieder herrichten musste, nicht bei deinem Datenspeicher.“
Der Minirobo schob seine winzige Unterlippe vor. Ich musste lachen. „Jetzt sei nicht beleidigt, Pixie, ich will doch nur dein Bestes! Sag schon, ist etwas Interessantes dabei?“
Pixie ließ sich auf seinen persönlichen Minisessel auf meinem Schreibtisch sinken und warf mir einen bösen Blick zu, doch er antwortete: „Das meiste sind Stellenanzeigen und Werbeslogans, aber da gibt es einen Link zu einer mysteriösen Internetseite, sieht ganz nach einer Sekte aus.“
Ich beugte mich neugierig vor. „Und?“
„Da ist von blauen Wesen, die sich von den Schmerzen von Verwundeten ernähren, die Rede. Die Anhänger der Sekte verehren diese Wesen, genannt „Paribolen“, weil sie ihnen bei ihren Kriegen helfen, indem sie den Verwundeten die Schmerzen und den Sterbenden die Angst vorm Tod nehmen. Außer den Ordensmitgliedern können sie jedoch nur sehr wenige Menschen sehen, die „Seher“.“
„Waaas?“ Ich sprang auf und...stieß mit dem Kopf gegen die niedrige Decke. Kein Platz für wilde Flüche. Kein Platz für Schmerz. In meinem Kopf war nur Platz für ein Gefühl und dieses war so mächtig, dass es sich in rasender Geschwindigkeit in meinem ganzen Körper ausbreitete: Triumph. Es war gelöst! Das Rätsel um die mysteriösen Unternehmungen der Supernaturalisten war gelüftet. Nun ergab natürlich alles einen Sinn!
Doch eine Sache war unlogisch: Mir war schon vorher klar gewesen, dass sie gegen jemanden kämpften, gegen einen unsichtbaren Feind. Wenn es sich hierbei um die Paribolen handelte, warum kämpften sie dann gegen sie? Ich würde es hoffentlich bald erfahren.
Mein Herz schlug aufgeregt in meiner Brust, wie es schon lange nicht mehr geschlagen hatte. Ich würde endlich dazu gehören. Endlich!
Oh ja, meine geplante Aktion war egoistisch. Egoistisch und unverantwortbar. Aber was hätte ich denn tun sollen? Wenn ich mir einfach nur so in den Finger geschnitten hätte, wären die Supernaturalisten wohl kaum gekommen, um gegen die vermutlich sehr geringe Schar Paribolen, die von meinen nichtigen Schmerzen angezogen würden, zu kämpfen.
„Ich bin drin“, piepste es an meinem linken Ohr.
„Gut gemacht, Pixie“, lobte ich den Robo, der es sich auf meiner Schulter bequem gemacht hatte, und spürte plötzlich einen Klos im Hals. Vor einer Stunde in meinem Büro war alles noch triumph- und euphoriegeschwängerte Theorie gewesen, doch nun, da der Zeitpunkt dieser grausamen Tat näher rückte, bekam ich so langsam ein mulmiges Gefühl in der Magengegend.
„Gut...ähm...“, ich zögerte und schluckte heftig, um den dicken Klos los zu werden, „denk dran, Pixie, es darf niemand zu Schaden kommen.“
„Geht klar. Soll ich starten?“
„Ich..ähm...“
Mit einem Mal spürte ich Zweifel aufkommen. Sollte ich das wirklich durchziehen? War das die Sache wert? Ich musste an meine Mutter denken. Es war ihr letzter Wunsch gewesen.
'Es ist vollkommen ungefährlich', beschwichtigte ich mich im Stillen. 'Es tut nur weh, das ist alles.'
„Starte!“, befahl ich hastig, ehe ich es mir noch einmal anders überlegen konnte und kniff die Augen zu.
Im nächsten Moment schien die Luft zu zerreißen und ein furchtbarer, unerträglich hoher Piepton schwoll in dem Bürogebäude an. Es dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde, dann war das Haus erfüllt mit Schreien.
Ich schrie ebenfalls auf. Der Schmerz in meinen Ohren zwang mich in die Knie. Dann wurde es auf einmal etwas leiser und im nächsten Moment verblasste das qualvolle Piepen. Ich konnte die Anwesenheit der Paribolen beinahe körperlich spüren, auch wenn ich sie nicht sehen konnte.
Ich musste nicht lange warten. Stefan hatte seinen Strahlenstab einmal elegant durch die Luft wirbeln lassen (und währenddessen vermutlich um die Dutzend Paribolen erledigt), als er neben mir auftauchte. Er griff mir unter die Arme und zog mich hoch.
„Alles klar?“, fragte er besorgt.
„Klar“, sagte ich. Das Piepsen hatte aufgehört, dennoch gingen unsere Stimmen beinahe in dem um uns herum ausgebrochenen Tumult unter. Gut. So konnten wir in Ruhe reden.
Stefan runzelte die Stirn. „Warum hat Pixie sich in das Gebäudebetriebssystem eingehackt und diesen Ton erzeugt? Sag bloß, dir mangelt es wieder an Aufmerksamkeit, Schwesterchen.“
Ich sah ihm tief in die Augen. „Stefan, bitte nimm mich auf. Ich halte es nicht mehr alleine aus, in diesem großen Haus.“
Er sah mich bedauernd an und schüttelte den Kopf. „Tut mir Leid, Bella, du weißt, dass das nicht geht. Du hast keine Ahnung, du...“
„Ich weiß von den blauen Wesen“, unterbrach ich ihn. „Ich weiß, dass ihr sie bekämpft, auch wenn ich das nicht verstehen kann.“
„Was? Du weißt...?“
„Mum wollte, dass ich eine der Supernaturalisten werde, Stefan“, sagte ich mit Nachdruck. „Du hast mich lange genug hingehalten. Ich weiß, dass du nur Angst um mich hast, aber ich bin kein kleines Mädchen mehr. Und ich habe es herausgefunden, onwohl ich sie nicht sehen kann. Nimm mich auf, bitte!“
Er sah mich eine Weile lang schweigend an, während er mit sich selbst zu kämpfen schien. Schließlich seufzte er tief. „Vermutlich ist es tatsächlich besser so. Wer weiß, auf was für Ideen du noch kommst, wenn ich dich weiterhin in dem Haus allein lasse...“
„Danke!“ Kreischend fiel ich ihm in die Arme. Ich konnte es kaum fassen. Ich hatte es geschafft! Ich hatte es tatsächlich geschafft!
Von meiner Schulter erklang ein ärgerliches Piepsen.
"Sorry, Pixie", grinste ich.
Ich hatte mich ein wenig zu ruckartig bewegt. Pixie hatte sich an einer Haarsträhne von mir festklammern müssen, um nicht runterzufallen. Sicherlich würde er die nächsten beiden Tage die beleidigte Leberwurst spielen, aber das war die Sache wert.
„Nichts für ungut, Schwesterchen, aber wir müssen deine Aufnahmezeremonie auf nachher verschieben. Wenn wir jetzt nicht von hier verschwinden, verbringen wir die nächsten Wochen im Knast.“
Stefan schob mich sanft von sich weg, nahm meine Hand und rannte Mona und Dito hinterher.
Dies war sie. Meine neue Familie.
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[Protokoll]:
Uff, er ist fertig, mein Cosmo-Text. Ich habe ihn unter ziemlichen Zeitdruck geschrieben und das merkt man auch, glaube ich. :(
Hach, ich bin unglücklich damit! *heul*
Die Überschrift ist furchtbar und sprachlich ist es auch nicht so toll geworden...
Bitte helft mir! *anfleh*
Ach ja, und könnte mir vielleicht jemand sagen, wo ich noch kürzen könnte?
Gaaaaaaaaanz liebe Grüße
Cathy
25.03. Uff, ich habe meinen Text noch einmal komplett überarbeitet. Habe ein paar Gedankengänge vervollständigt, eine kleine Geschichte um Stefan und Bella gesponnen und eine Menge guter Stellen streichen müssen! *heul* Ich hoffe, die Geschichte kommt trotzdem noch ganz gut rüber! -.-
Ich weiß, dass ich die Geschichte im Buch etwas ZU weit ausgedehnt habe. Natürlich konnte Stefans Mutter die Supernaturalisten vor ihrem Tod nicht unterstützen, da sie erst nach ihrem Tod entstanden sind, aber wir müssen uns ja nicht unbedingt ans Buch halten, also habe ich mir einfach mal diese Freiheit herausgenommen und meine Fantasie etwas zu weit ausholen lassen!^^
Ich hab jetzt über 250 Zeichen zu viel und muss noch dringend kürzen, aber ich weiß einfach nicht wo. *verzweifel* Und die Überschrift sit imemr noch beknackt! -.-
Na ja, ich hoffe, der Text gefällt euch jetzt besser! ;)
Bitte um Rückmeldungen! ;D
8.988 Zeichen :)
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