Persönliche Valentinstagsgrüße

„Kaily? Alles klar? Bist du so weit?“, fragte das elektronische Memo und klickte kurz, bevor es in den Selbstzerstörungsmodus umschaltete. Mit einem leisen, kaum hörbaren „Puff“ zerbarst es und ließ nur eine kleine Staubwolke zurück.
Ich sprang von meinem Bett auf und nahm meine Jacke vom Haken. Die leise, dunkle Stimme, mit der das Memo gesprochen hatte, hatte mein Herz schneller schlagen lassen. Voller freudiger Erwartung lief ich zum Fenster, griff in meine Jackentasche und zog den Ultimato 2139 hervor, das beste Taschenmesser, das man sich heutzutage nur wünschen konnte. Ich hielt es an das dicke Glas des Fensters und drückte auf einen der vielen kleinen Knöpfe des handlichen Gegenstandes. Äußerlich passierte nichts, doch ich wusste, dass der Ausbruchsalarm nun ausgeschaltet war.
Mit einem selbstgefälligen Grinsen ließ ich den Ultimato 2139 wieder zurück in meine Jackentasche fallen und schob hastig das Fenster hoch.
„Hey, Süße.“ Ryan grinste mich vom Fahrersitz seines Hubwagens aus an.
Ich schmolz unter seinem Blick wie warme Butter in der Sonne.
„Hi, Ryan.“
Er lachte, lehnte sich zu mir hinüber und half mir, aus dem Fenster in seinen Wagen zu klettern.
„Hast du schon lange gewartet?“, fragte er und küsste mich zur Begrüßung, als ich auf seinem Beifahrersitz Platz genommen hatte.
„Nöö“, log ich. „Du bist mal wieder pünktlich auf die Minute.“
Das stimmte. Aber gewartet hatte ich trotzdem schon seit Stunden...
Ryan kniff die Augen zusammen und sah mich durchdringend an. „Du wartest doch schon seit Stunden auf mich, gib's zu!“
Ich lachte und drückte ihm noch einen Kuss auf den Mund. „Bild dir bloß nichts drauf ein!“
„Ich doch nicht!“ Er grinste. „Schnall dich an, Kaily, ich habe nicht stundenlang darauf gewartet, dich endlich abholen zu dürfen, damit du bei der nächsten Vollbremsung durch die Windschutzscheibe fliegst!“
Ich verdrehte die Augen, langte aber nach meinem Gurt. Wie furchtbar charmant er doch manchmal sein konnte!
„Und? Was wirst du deiner Familie sagen, wenn du sie siehst?“, fragte Ryan, während er den Hubwagen geschickt durch die Stadt lenkte. Wir befanden uns auf direktem Kurs zur Poststation von Satellite City. Von dort aus würden wir in einer speziellen Turbosonde hoch zum Myishi-Satelliten geschickt werden, um den Dish-Jockeys, die dort nicht nur arbeiteten, sondern auch teilzeit lebten, Grüße von ihren Familien zu überbringen.
Nur wenigen Leuten war es vergönnt, einmal im Leben zum Satelliten zu reisen.
Es gab ja wirklich viel, was ich an meiner Existenz auf Erden hätte verfluchen können – zum Beispiel die Tatsache, dass ich einer Dish-Jockey-Familie entstammte, die im Weltall lebte, während ich als einziges Familienmitglied ein tristes Schülerdasein in einem strengen Mädcheninternat führen musste – aber in dieser Hinsicht hatte ich wirklich Glück. Ausgesprochenes Glück, dass ich so einen tollen Freund hatte. Unglaubliches Glück, dass dieser ein Postraumbote war. Glück, Glück, Glück, dass er mich bereitwillig mitnahm, damit ich meiner Familie sogar persönlich Valentinstagsgrüße ausrichten konnte.
„Ich werde mich mit meiner Schwester über den neuesten Starklatsch austauschen, meinem Bruder in den Hintern treten, weil er mir letztes Wochenende den Roboling, den ich ihm gnädigerweise geborgt hatte, kaputt zurückgeschickt hat, und meinen Eltern...“
„...ihren neuen Schwiegersohn vorstellen“, sagte Ryan und grinste breit.
„Ich hatte eigentlich nicht vor, einen Mord zu begehen, Ryan“, entgegnete ich. „Das würde meine Mutter nämlich nicht überleben, kann ich dir sagen. Und mein Vater würde vermutlich Kleinholz aus dir machen, was wiederum sehr ärgerlich wäre, da ich diesen Hubwagen nicht steuern kann und somit nicht wieder zur Erde zurückkommen könnte.“
„Oh ja, das wäre in der Tat sehr ärgerlich, da hast du recht. Also verschieben wir das lieber auf's nächste Jahrtausend?“
„Sollten wir vielleicht tatsächlich tun.“ Ich lachte und Ryan stimmte in mein Lachen ein. Vor uns tauchte ein riesiger gelber Baukomplex auf. „Ist das die Post?“
„Jap, das ist sie“, sagte Ryan und sah mich dann stirnrunzelnd an. „Kaily, ich muss dich leider zu einer illegalen Aktion anstacheln.“
Ich war sofort hellhörig. „Wozu denn?“
„Weißt du, es ist verboten, jemanden mit zum Myishi-Satelliten zu holen. Die Postraumsonde wird durchleuchtet, bevor sie ins All geschickt wird, also kannst du dich nicht darin verstecken. Und da du eine unbefugte Person bist, wirst du nur als befugte durchkommen können.“ Er schwieg, um zu sehen, wie ich auf seine Worte reagierte. Ich sah ihn vollkommen unbewegt an. Gesetze hatte ich schon immer vielmehr als lästige Unannehmlichkeit als als seriöse Begebenheiten, an die man sich halten musste, empfunden. Ich hatte mit der Aktion, aus dem Internat abzuhauen und in Ryans Wagen zu steigen, schon mindestens fünf Schulregeln gebrochen. Das hatte mich auch nicht umgebracht. Bisher zumindest noch nicht.
„Wie werde ich eine befugte Person? Soll ich einen Handstand machen? Das Alphabet rückwärts aufsagen? Oder beides zusammen? Oder“, ich lächelte glückselig, „versuchen wir es mit Bestechung?“
Ryan lachte. „Meine Freundin hat eine kriminelle Ader. Gott steh mir bei! Au! Deswegen musst du mich ja nicht gleich hauen!“ Er rieb sich grinsend den Arm und zog aus seinem Handschuhfach einen kleinen Chip heraus. „Dein neuer Ausweis, Isolde Müller.“
Ich verzog das Gesicht. „Isolde Müller? Hätte dir nichts Besseres einfallen können?“
Er lachte nur wieder und fuhr auf das große Tor zu.
„Wow!“ Zu mehr war ich nicht fähig. Dies übertraf alles, was ich mir je erträumt hatte.
„Atemberaubend schön, nicht wahr?“, flüsterte Ryan neben mir, während die tausend funkelnden kleinen Punkte in rasanter Geschwindigkeit an uns vorbei schossen.
'Atemberaubend', ja, das war das richtige Wort!
Es dauerte nur wenige Minuten, bis der Satellit in Sicht kam. Zunächst wirkte er wie ein besonders großer Stern in der Ferne, der munter mit seinen Artgenossen um die Wette funkelte. Je näher wir ihm kamen, desto mehr verlor er von dieser Ähnlichkeit, obgleich er von Nahem nur noch mehr leuchtete und funkelte. Das riesige 'Myishi'-Zeichen tauchte einen beachtlichen Teil der rabenschwarzen Dunkelheit in kaltes Neonlicht.
„Da vorne vor der Zapfstelle werden wir noch einmal durchleuchtet“, sagte Ryan und wies auf einen Punkt, den ich mit bloßen Augen nicht ausmachen konnte. Kurz darauf fuhren zwei Leuchtstrahlen über den Bug der Sonde. Ich musste die Augen schließen, um nicht geblendet zu werden. Schließlich erloschen die Lichter und es ertönte eine Stimme über Funk: „Satelliten-Leitstelle an identifizierte Postraumsonde 5261189. Postraumcowboy Ryan Seller und Post-Azubine Isolde Müller als befugte Personen identifiziert. Wie viele Telegrafien haben sie zu versenden?“
„3980 insgesamt, Sir“, antwortete Ryan. Ich hielt gespannt die Luft an.
Noch einmal glitten die Leuchtstrahlen über den Bug der Sonde, dann erklang wieder die Funkstimme: „3980 Telegrafien identifiziert. Ausliefern freigegeben.“
Ryan wandte sich mir zu und grinste breit. „Na, dann wollen wir mal die Telegrafien ausliefern, was, Isolde?“
Ich lächelte zurück und nickte. Ryan hatte mir von den neumodischen, besonderen Briefkästen hier am Myishi-9-Planeten erzählt. Die Sonde würde am Bug an ein Bündelnetzwerk von Briefkästen angekoppelt werden und über diese Verbindung würde dann das Ausliefern stattfinden. Man musste nur die richtigen Telegrafien den richtigen Haushalten zuordnen, alles andere lief elektronisch und in berauschender Geschwindigkeit ab.
In wenigen Minuten würde ich meine Familie wiedersehen. Mein Herz schlug ein wenig schneller, als Ryan die Sonde an den riesigen Satelliten heranlenkte.
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[Protokoll]:
Ich weiß, ich bin spät mit meinem Text! -.-
Zunächst hatte ich keine Idee, dann keine Zeit. Ich habe den Text eben noch schnell fertig geschrieben, aber ich habe absolut keine Ahnung, was ich davon halten soll! oO
Ich glaube, der Text gefällt mir weniger gut, aber ehrlich gesagt kann ich das wirklich schlecht beurteilen! Jedenfalls bin ich froh, dass ich es doch noch fertiggebracht habe, einen Text zu schreiben, ob er nun was taugt oder nicht! xD
Jap, Überschrift ist mal wieder sehr einfallsreich. *gg* Andere Vorschläge?
Ach ja, ich bin stolz, euch mitteilen zu können, dass ich tatsächlich mal UNTER der Zeichenbegrenzung liege, und zwar fast um 1000 Zeichen!!!! *glänz*
Schreibt mir doch bitte eure Meinung zu meinem Text, ja?
Ich werde mir morgen eure Texte vornehmen! ;)
Gaaaaaaanz liebe Grüße
Cathy
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