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Eoin Colfer - Cosmo Hill

von Daedalus
Erstellt 02/22/2008 - 17:53

Eoin Colfer - Cosmo Hill

Ich habe aus Gründen der Übersichtlichkeit und den jeweiligen Interessensgebieten auf einen geschlossenen Text verzichtet und alles fein säuberlich nach Abschnitt getrennt. Dadurch ist es möglich diese Rezension auch zu lesen wenn man nichts über den Inhalt erfahren will. (Ich persönlich hasse es nämlich bei einer Rezension den Großteil des Inhalts zu erfahren, mir ist es lieber das Buch komplett selbst zu lesen, doch möchte ich den Leser keinesfalls bevormunden und deshalb wird der Inhalt nicht vorenthalten) Sollte der geschätzt Rezensionsleser keine zeit oder Lust haben alles zu lesen dann empfehle ich gleich zum Fazit herunterzuscrollen, denn dort wird meine eigene Meinung noch einmal ausführlichste geschildert.

Cover

Zuerst zum Cover. ich finde es sehr ansprechend, da es absolut nichts verrät und doch einwenig auf das zu erwartende einstimmt. Es ist in einigen anderen Rezensionen der Kritikpunkt aufgetaucht das die Coverpersonen nicht mit denen die im Buch beschrieben sind übereinstimmen. Dies ist zwar richtig doch finde ich es überhaupt nicht schlimm. Außerdem ist der Inhalt doch wesentlich wichtiger als jede Aufmachung.

Inhalt

Das Ganze, übrigens ein Jugendroman, spielt in der Zukunft. Es geht um einen Waisenjungen namens Cosmo Hill, welcher unter drakonischen Strafen in einem Waisenhaus aufwächst. Nur leider scheint der Sozialstaat in Vergessenheit geraten zu sein weshalb das Ganze wie ein Unternehmen geführt wird und Cosmo und die restlichen Kinder immer wieder als Versuchskaninchen für neuartige pharmazeutische Produkte herhalten müssen.
Es gelingt dem Jungen durch einen glücklichen Zufall auszubrechen, was allerdings fast seinen Tod verursacht. Er wird schließlich von drei Jugendlichen gerettet: Stefan der Anführer, Mona die Technikexpertin und Dito ein hochintelligentes, gentechnisch erzeugter Junge, welcher unter gewissen Wachstumsschwierigkeiten leidet. Sie nennen sich selbst die Supernaturalisten und haben es sich zum Ziel gesetzt kleine blaue, für die meisten Menschen unsichtbare Tierchen zu jagen die Verwundeten das Leben aussaugen.
Das Ganze wechselt jedoch beständig seine Richtung, was eine enorme Spannung auslöst.

Ausdruck/Schreibstil

Colfer schreibt vor allem schnell. Mit Hilfe vieler kurzer Sätze erzeugt er Spannung und Geschwindigkeit. Insgesamt finde ich seinen Stil sehr angenehm, obwohl er natürlich nicht mit klassischen Autoren konkurrieren kann, aber das kann wohl heute kaum noch ein Autor.
Anhand der Sprache sieht man auch sehr gut dass das Ganze auf Jugendliche zugeschnitten ist, denn es wird auch Umgangssprache beziehungsweise vulgäre Sprache verwendet. (Ich verzichte auf Beispiele) Dies hält sich jedoch im Rahmen und kann bei Bedarf leicht überlesen werden. Im Vergleich zum englischen Original ist es eine Spur schlechter, allerdings ist es mir bis jetzt noch nie gelungen ein Werk zu finden welches in der Übersetzung besser ist als das Original. Insgesamt kann man das ganze als gewöhnlich, nicht abgehoben und gut lesbar beschreiben. Es liest sich dadurch flüssig und spannend. Eine kurze Erwähnung sind meiner Meinung nach die relativ häufig auftauchenden Wortneuschöpfungen wert. Diese werden nur selten erklärt, was es jungen Lesern erschwert diese nachzuvollziehen. Allerdings handelt es sich dabei meist um englische Wortschöpfungen welche mit Schulenglisch ab Klasse 7 bis 8 problemlos zu übersetzen sind oder aus dem Kontext herausgefunden werden können. Dieser Kritikpunkt tauchte auch schon bei einer anderen Rezension auf, mich persönlich stört es eher weniger.

Szenarium/Ideen

Hier liegt eine der größten Stärken Colfers. Seine Ideen sind geistreich, jedoch keinesfalls abgehoben. Ähnlich wie bei Artemis Fowl schafft er es Wirklichkeit und Unwirkliches gut zu verbinden oder in diesem Fall besser eine düstere Zukunft zu beschreiben die ich jedoch ganz persönlich für absolut möglich halte. Das schöne an Cosmo Hill ist grade das zwar bereits bekannte Grundszenarium der Zukunft doch die vollkommene Neuerfindung dieser. Es ist Sci Fi abseits von Star Wars und ähnlichem. Es ist eine authentische Zukunft, welche nur wenige Vorbilder besitzt. Die Fantasie Colfers erschafft eine vollkommen neue Welt in der es auch tausend neue Dinge gibt welche alle aus heutiger Sicht unvorstellbar klingen. Besonders gefiel mir die Beiläufigkeit mit der er von manchem berichtet. Der magnetbetriebene Aufzug verdient nur einen einzigen Satz, obwohl die Idee vollkommen neu ist. (Und physikalisch vielleicht sogar umsetzbar) Dieses Buch ist also auch für all jene anspruchsvollen Leser zu empfehlen welcher einmal abseits der Harry Potter und Herr der Ringe Welten schmökern möchte.

Charaktere

Die Hauptperson Cosmo Hill macht während des Romanes eine absolute Wandlung durch. ich möchte nicht soviel verraten, aber das sei mir gestattet, alle Personen werden ihnen ans Herz wachsen. Vier persönliche Schicksale alle wunderbar tiefgründig ausgebaut und mit unterschiedlichen Vorraussetzungen, Absichten und Zielen, doch dabei vollkommen menschlich und realitätsnah. Verknüpft sind sie durch das Band der Freundschaft – Sie sind die Supernaturalisten. Auch die klassischen Beziehungsklischees spart Colfer nicht aus, es gibt zwischendurch auch viel Streit und Ärger doch auch ein wenig Liebe mischt mit.

Randbemerkungen - oder warum auch Erwachsene dieses Buch lesen können (und sollten)

Während des Lesens sind mir einige bemerkenswerte Dinge aufgefallen die ich dem Leser nicht enthalten möchten – Dinge die vielleicht dem jüngeren Leser verschlossen bleiben, doch das Buch für den anspruchsvollen Leser grade interessant machen.
Zum ersten übt Colfer immer wieder Kritik an der heutigen Gesellschaft und zwar in dem unsere globalen und nationalen Probleme in die Zukunft verlegt werden und dabei noch um ein gewisses maß verstärkt werden. Da wäre das Waisenhaus welches als Versuchszentrum missbraucht wird um Geld zu machen – ein deutliches Zeichen gegen die soziale Kälte vieler Staaten. Staaten gibt es scheinbar sowieso nicht mehr in der Neuzeit Colfer sie wurden aufgelöst – es gibt nur noch Konzerne, das Geld regiert die Welt vollständig. Auch der Verlust der Autorität der erwachsenen wie wir sie heute erleben werden deutlich – ich möchte nur an die recht kurz zurückliegenden Ereignisse in Paris erinnern wo arbeitslose und frustrierte Jugendliche für einige tage nahezu kriegsähnliche zustände ausgelöst haben. die überträgt Colfer sehr ansprechen auf die Zukunft. Es gibt noch weitaus mehr heutige Probleme die übertragen und gesteigert werden, doch es wäre nicht förderlich sie hier zu nennen , denn der Leser soll selbst noch ein wenig Spaß an dem buch haben.

Fazit

Das Buch ist insgesamt als extrem vergnüglich und unterhaltsam anzusehen. Mein stärkstes Argument welches dies unterlegt ist sicherlich die Tatsache das ich das gesamte Buch in einer Nacht gelesen habe. Ich begann etwa gegen 8 Uhr abends es zu lesen und wollte eigentlich auch nur mal kurz reinschauen und nicht mehr als 1 oder 2 Kapitel lesen. Nun aus diesen 1 bis 2 Kapitel wurde das komplette Buch, was mich die ganze Nacht kostete – Übrigens war am nächsten Tag schule. Dies sagt eigentlich alles über die Qualität des Buches aus. Zusammenfassend kann ich eine absolute und nahezu uneingeschränkte Leseempfehlung geben. es ist für Leser ab etwa 13 Jahre zu empfehlen, wobei auch jüngere Kinder durchaus Spaß daran finden werden, wenn man denn bereit ist auch den ein oder anderen Mord als Elterteil hinzunehmen (Es geschehen 2 Morde im Buch) Allerdings sind diese eher ausgespart und werden nur kurz beschrieben. Im Vergleich zu Harry Potter ist es in punkto Gewalt als harmlos einzustufen und damit auch für jüngere Leser empfehlenswert. (man sieht mehr Gewalt in der Tagesschau) Colfer hat für mich persönlich ein werk geschaffen welches durchaus mit seinen eigenen konkurrieren kann - Artemis Fowl bekommt also Gesellschaft aus der Zukunft.
Einen kleinen Kritikpunkt möchte ich doch noch anbringen. Mir war es vergönnt bereits vor mehr als 2 Jahren die englische Originalausgabe zu lesen. Im Vergleich zwischen den beiden Fassungen gewinnt die englische mit geringem Vorsprung. Allerdings muss man sich auch eingestehen das es wohl nur sehr wenige Bücher gibt welche in der Übersetzung besser sind als im Original.

P.S: Das ist meine allererste Rezension seit nicht zu hart mit mir^^


URL:
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