[Was jetzt?]

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„Okay.", sage ich. Moment... Okay?! Was rede ich denn da? Meine Mutter sagt mir, dass wir nach Köln ziehen, was ich auf keinen Fall will und mir fällt nichts dazu ein außer - OKAY!?? „Ich.. Ich meine.. Nein, nicht okay.. Ich - ich weiß nicht" Ich bringe nicht mal mehr einen vernünftigen Satz zustande. In meinem Kopf wirbeln die Gedanken. Zuerst kommt mir Greta in den Sinn, wie lange wir uns schon kennen, was wir alles zusammen erlebt haben, die Sommer im Freibad, die gemeinsamen Urlaube, wie wir uns gestritten und wieder vertragen haben und wie wir, als wir klein waren, immer irgendwas angestellt haben. Ich erinnere mich nur zu gut daran, wir Greta und ich vor dem Eingang von Baustoffhandel Reifenberg die Zementsäcke entdeckt und ausprobiert haben, was passiert, wenn man den Inhalt mit Wasser mischt.
Danach fällt mir Philipp ein. Mit ihm bin ich nun schon seit fünf Wochen, sieben Stunden und drei Minuten zusammen. Ich denke daran, wie wir zusammengekommen sind, daran, was wir seitdem alles zusammen unternommen haben und wie es davor mit uns war. Ich liebe ihn doch!
Dann muss ich an meine Klasse, meine Freundinnen und meinen Vater denken. Er wohnt zwar nicht mehr bei uns, aber immer noch in der Nähe. Sie alle will ich nicht verlassen! KÖLN! Das ist doch fast am anderen Ende der Welt! Mindestens 3000 Kilometer entfernt von Hamburg-Neustadt. Aber was sind schon Zahlen? Es ist doch viel wichtiger, wie weit sie wirklich weg sind. Und zwar so weit, dass ich sie nicht mehr jeden Tag in der Schule, geschweige denn nachmittags sehen kann. Dass ich nicht mehr im Sommer mit ihnen ins Freibad und in die Eisdiele gehen kann und dass ich Dad wohl kaum jedes zweite Wochenende würde besuchen dürfen.
Meine Mutter sieht mich an. Ich sehe sie an. „Wann hast du es beschlossen?" „Vor ungefähr fünf Wochen." WAS?? Da fing das mit Philipp und mir doch gerade erst an.. Und ich war so glücklich! Pah - ich war glücklich und in Wirklichkeit stand schon fest, dass die Zeit mit Philipp begrenzt war. Und das mein Leben ruiniert werden würde. Und ich habe von all dem nichts geahnt! „Wie.. wieso?" „Ich hab doch gesagt.. Die Fluggesellschaft will ihren Hauptstandort verlegen und -" „Nein." „Wie bitte?" „Nein. Sie können ihn nicht verlegen, sie machen mir alles kaputt!", sage ich, als ob es total verständlich wäre, dass die Fluggesellschaft auf MICH Rücksicht nimmt. „Schatz, ich versteh dich ja, aber ich glaube nicht, dass sie auf dich Rücksicht nehmen können. Es tut mir Leid, Emma, wirklich" „Okay. Gut. Dann wechselst du den Job!" „Ach, komm, was soll ich denn deiner Meinung nach tun? Ich bin darauf angewiesen, als Pilotin zu arbeiten!" Jetzt, wo alle, wirklich ALLE meine Hoffnungen zerstört wurden, kann ich mich nicht mehr zurückhalten. Die Tränen fließen über meine Wangen. Ich schnappe meine Jacke und schreie: „Na schön, dann glaub aber nicht dass ich dabei mitmache!" Damit bin ich draußen. Meine Mutter ist so verwirrt, dass sie mir nicht einmal nachläuft. Egal. Ich muss einfach weg. Aber wohin? Greta ist nach dem Schwimmen zu ihrer Oma gefahren und Philipp... Dem will ich in meinem Zustand lieber nicht begegnen. Zumal ich ihm dann alles erklären müsste. Nein, danke! Ich bin am Park angelangt. Erschöpft und schluchzend lasse ich mich auf eine Bank fallen. Langsam fängt es an zu regnen.