Der Fremde

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Bild von sandimausi

"Was machst du denn hier?", rief Bryn fassungslos und betrachtet den Fremden, der in seinem Netz baumelte, noch etwas genauer. Er kannte ihn nicht, so viel stand fest. „Sei gegrüßt!“, rief der Fremde mit erstaunlich ruhiger Stimme nach oben und griff sich zur Begrüßung mit einer Hand an seinen Hut. Bryn war zu überrascht um zu antworten und starrte nur weiter grimmig auf seinen Gefangenen. „Wärst du so gütig mich zu befreien?“, erkundigte sich der merkwürdige Mann und erst jetzt bemerkte Bryn dass er einen Gehstock bei sich hatte. Der Fremde war überhaupt sehr sonderbar gekleidet, mit einem langen Mantel, Stiefeln und einem sehr hohen Zylinder. Vor hundert Jahren hätte man diesen Aufzug vielleicht als edel empfunden, heute war er nur noch peinlich. „Was willst du hier?“, schrie Bryn und spannte alle Muskeln an. Obwohl er ihn nicht kannte fühlte er sich in gewisser Weise bedroht und doch irgendwie… Bryn wusste dieses sonderbare Gefühl der Vertrautheit nicht zu deuten und obwohl er es ungern zugab verunsicherte er es ihn ungemein. „Die Frage ist doch wohl eher, was du hier willst, mein Freund“, ein Lächeln umspielte die Lippen des Fremden. Es war Bryn ein Rätsel wie dieser in der eigentlich doch aussichtslosen Situation so ruhig bleiben konnte. „Ich hab zuerst gefragt!“, Bryn stampfte mit dem Fuß auf den Boden und ein paar Vögel flogen erschrocken von dem nächstgelegenen Baum in die Höhe. „Du machst ihnen Angst.“ Bryn überging diesen Kommentar einfach und stemmte die Hände in die Seite. „Also?“ – „Bleib ruhig, Bryn. Ich bin nur ein Reisender und ich dachte du wärst vielleicht über etwas Gesellschaft ab und an froh. Ich bleibe nicht lange, versprochen“, erklärte der Mann ruhig und lächelte dem Jungen zu.
Einen langen Augenblick sagte keiner der Beiden etwas, während sich in Bryns Augen eine Mischung aus Entsetzen und, auch wenn er es nie zugegeben hätte, Angst abzeichnete. Er überlegte fieberhaft wo er diesen Mann schon einmal getroffen hatte und war sich mittlerweile sicher ihn schon einmal gesehen zu haben. Wenn auch nur sehr flüchtig. „Woher kennst du meinen Namen?“, donnerte Bryn schließlich mit lauter Stimme zu seiner Falle hinunter und versuchte durch die Härte und die Lautstärke seiner Worte seine Unsicherheit zu überspielen. „Spielt das hier draußen wirklich eine Rolle, mein Freund? Ist es nicht eher so dass es ein du und ein ich gibt und der Rest nebensächlich ist!?“, ein geheimnisvolles Lächeln umspielte die Lippen des Fremden und Bryn sprang wütend einen Schritt nach vorne auf das Seil zu, dass den Mann davon abhielt in den Abgrund zu stürzen. Er packte es mit beiden Händen und öffnete die sorgfältig zusammengebundene Schlaufe. „ANTWORTE!“, schrie er drohend und ließ das Seil bewusst ein Stückchen los wobei der Fremde automatisch einige Meter in die Tiefe stürzte. Dieser lachte jedoch nur mit höhnender Stimme: „Du bist doch so ein lieber Junge, hast viel durchgemacht, was? Ich muss mir aber eingestehen dass ich dich weniger aufbrausend in Erinnerung hatte. Aber das wird wohl nichts an meiner Mission ändern, du bist und bleibst der Richtige.“ – „Wer bist du?“, erkundigte sich der Junge und band das Seil wieder an dem Baum fest. „Ich dachte schon du fragst gar nicht mehr“, murmelte der Mann in der Falle und grinste Bryn unverschämt an. Es war ihm ein Rätsel wie man in dieser Situation noch so eine gute Laune haben konnte. „Würdest du mich davor bitte schnell losbinden? Es gibt angenehmere Plätze um zu plaudern!“, der Fremde fuhr sich durch den langen weißen Bart. Da der Junge sich nicht bewegte machte der Alte sich selbst daran sich zu befreien. Es war nicht die Art die man von einem Mann dieses Alters und vor allem in dieser Situation erwarten würde. Der Fremde fuhr sich mit einer schnellen Geste übers Gesicht, fast als würde er sich das Gesicht waschen und im nächsten Moment stand er neben Bryn und sah diesem aus den Augenwinkeln verschmitzt zu wie er immer noch sein Netz anstarrte und dann verwirrt den Kopf drehte, den Fremden neben sich stehen sah und einen erschrockenen Schrei ausstieß. „Was…?“, stotterte er und fuhr sich ungläubig über die Augen. Alles war er in all den Jahren seiner Ausbildung gelernt hatte, war in diesem Moment wie aus seinem Kopf gefegt und er starrte nur völlig ungläubig auf den Alten. „Was…?“, erkundigte er sich noch mal, doch der Fremde legte ihm sachte eine Hand auf die Schulter und brachte ihn so zum Schweigen. „Ich glaube wir sollten reden!“, Bryn nickte immer noch vollkommen überrumpelt und ließ sich auf den nassen Waldboden sinken. „Mein Name ist Ramus. Ich bin…, ich komm…, es ist so, Bryn, ich bin, wie ich schon sagte, ein Reisender. Aber ich reise nicht wie andere Menschen reisen. Also von Land zu Land. Oder von Ort zu Ort“, Byrn saß neben ihm und hörte ihm einfach nur stumm zu. „Ich reise von der Vergangenheit in die Zukunft, von der Gegenwart in die Vergangenheit. Das hört sich jetzt vielleicht etwas merkwürdig an, aber es ist wirklich so. Wir versuchen so Dinge zu verstehen, nicht sie zu beeinflussen“, Ramus machte eine kurze Pause und schluckte. Ihm schien das Gespräch irgendwie unangenehm zu sein, denn er sah sich immer wieder unsicher um. Die gesamte Selbstsicherheit die er gerade noch ausgestrahlt hatte war verschwunden. „Wir?“, flüsterte Bryn tonlos und schloss für einen Moment die Augen. Ohne dass er es gewollt hatte war er wieder in die Vergangenheit zurückgeworfen worden, sah all die Szenen die er so erfolgreich verdrängt hatte noch einmal vor sich. Er kämpfte mit sich selbst um die Tränen die er schon so lange verdrängt hatte nicht in seine Augen steigen zu lassen. „Ja, wir. Vor einigen Jahren haben wir uns zusammengefunden und den Orden der Sternenreiter gegründet. Jeder von uns hat diese besondere Eigenschaft.“ – „Und was hat das alles mit mir zu tun?“, Bryn versuchte das Gespräch so schnell als möglich zu beenden, in der Hoffnung auch die quälenden Gedanken wieder fortschicken zu können. „Du bist einer von uns, Bryn, du warst es schon immer. Schon als kleiner Junge wussten wir dass… Kämpf nicht dagegen an, mein Junge, versuch es gar nicht erst. Es ist viel schmerzhafter es zu verdrängen als es einfach zu akzeptieren. Komm mit mir, bitte.“ Bryn öffnete die Augen und verzog das Gesicht als habe er Schmerzen. Dann sprang er wieder auf seine Füße und deutete in die Wildnis hinaus. „Das ist jetzt meine Familie! Das ist es dass so ist wie ich, was ich brauche. Ich brauche keine Vergangenheit, ich habe keine Vergangenheit, ich habe keine Zukunft, akzeptier das. Ich kenne dich nicht, du kennst mich nicht! Belassen wir es dabei! Und jetzt verschwinde!“, schrieb Byrn Ramus an und deutete in den Wald hinaus. „Verschwinde!“, Ramus erhob sich erstaunlich geschmeidig und drehte ihm den Rücken zu, während er langsam in den Wald hinauswanderte. „Kämpf nicht dagegen an, du kannst nicht verstecken wer du bist“, murmelte er noch, bevor er zwischen den nächsten Bäumen verschwand.

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hallo meine lieben
hier mal wieder eine fantasygeschichte, oder zumindest hab ichs versucht. keine ahnung ob sie gut ist, ich hab sowas schon ewig nicht mehr geschrieben, aber, naja ich hoffe sie gefällt euch und ihr bewertet fleißig.
habt spaĂź damit
und schonmal danke
lg sandra

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