Rezension zu dem Buch „Calaspia“ von Suresh und Jyoti Guptara

Wer Herr der Ringe kennt und dieses Werk als Einstieg in die Fantasy-Welt wählte, ist bei jeder Geschichte anderer Autoren dieses Genres gefordert, nicht all zu viele Parallelen zu dem Meisterwerk zu suchen. Und doch kommt man auch bei „Calaspia“ nicht darum herum.
So ist der Ursprung der bösen Mächte unter der Führung eines totgeglaubten, den dunklen Seiten der Magie zugewandten Herrschers mit Monsterheer (Ayactan hier, Sauron da), im Südosten der Karte heimisch (Gipfel des Wahnsinns hier, Schicksalsberg dort). Die Helden entstammen eines kleinwüchsigen Stammes, deren Kultur einfältig naiv, paradiesisch schön ist und fernab der hektischen Realität lebt (Barue hier, Hobbits da). Und sie sind nicht alleine gegen das Böse unterwegs, sondern in einer bunten, rassendurchmischten Truppe, die auf ihrem Weg heldenhafte Taten vollzieht.
Wer diese Gedanken aber auszublenden vermag, entdeckt zahlreiche witzige, unglaublich fantasievolle und zuweilen auch philosophisch untermalte Details und Ideen, die alleine den Köpfen der Brüder entstammen dürften. Beispielsweise die Kik-Eritee, einer Rasse mit tierisch-instinktiven aber auch hochintelligenten Zügen, die mit ihrer drollig-naiven Art bestechen. Wer muss nicht schon beim Einstieg in dieses Buch schmunzeln, wo der kurzsichtige Zwerg sich entscheiden muss, die liegen gelassene Brille zu holen oder sich halb blind, dafür gefährlich wirkend in den Kampf zu stürzen.
Die Autoren berichten, das Werk zehnmal überarbeitet zu haben. Ist dies der Grund, dass der Text hier etwas holprig und da etwas zu langatmig geriet? Sie teilen uns mit, dass sie mit 11 Jahren zu schreiben anfingen und nach sechs Jahren endeten. Merkt man das, wenn man auf Passagen mit sehr kindlichen Gedanken bis hin zu sehr weise anmutenden, philosophischen Lebensweisheiten stösst?
Trotz allem, den Brüdern ist hier ein Werk gelungen, das Spannung erzeugt und Lust auf Fortsetzung macht. Chapeau, wir halten hier das Buch von ausserordentlich begabten Schriftstellern in Händen, die mit ihren jungen Jahren nebst einer beflügelnden Fantasie auch schon einiges an persönlichem und anregendem Erzählstil in ihr Buch einfliessen lassen konnten.
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