Buchbotschaften
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Zum Inhalt:
Der 12-jährige Berliner Jonathan verbringt zusammen mit seinen Eltern seine Ferien in Manila, einer Stadt auf den Philippinen. Sein Vater ist dort geboren und durch ihn beherrscht Jonathan auch die dortige Sprache Tagalog. Daher sieht Jonathan auch kein Problem darin, einmal einen Tag lang alleine die Stadt zu erkunden. Doch es kommt, wie es kommen musste: Er verirrt sich in einem der ärmeren Vierteln und wird ausgeraubt. Kurz darauf trifft er auf die Straßenkinder Dennis, Marlon und Arnol, die ihm helfen wollen, doch stattdessen werden sie alle vier in einen Kinderknast gesteckt, wo für Jonathan ein Albtraum beginnt…
Meine Meinung:
Auf relativ wenigen Seiten wird die Geschichte eines jugendlichen Touristen erzählt, die so tatsächlich hätte passieren können. „Knastkinder“ gibt einem einen Einblick in die elendigen Zustände, die teilweise in der Stadt Manila herrschen. Dass Kinder einfach von der Straße gesammelt und in Kinderknast gebracht werden, ohne, dass sich jemand dafür zu interessieren scheint, ob sie tatsächlich etwas verbrochen haben. Justiz existiert dort in den meisten Fällen nicht, was auch Jonathan oft schmerzhaft erfahren muss. Er lernt unfreiwillig das Leben in einem dieser Knast kennen. Fernab von sämtlichen Komfort und sanitären Anlagen, muss er sich unter den anderen Kindern zurechtfinden, lernen Kämpfe und Ärger aus dem Weg zu gehen, sich im Notfall aber auch zu verteidigen. Und natürlich versucht er auch irgendwie seine Eltern zu kontaktieren, was sich wegen den betrügerischen Wärtern als schwierig erweist.
Die Geschichte stellt diesen ständigen Zustand zwischen Hoffnung und Enttäuschung dar und hinterließ bei mir einen bleibenden Eindruck von den Zuständen in einem solchen Kinderknast. Und nach dem Lesen war ich auch ziemlich froh, dass bei uns, selbst wenn man im Gefängnis sitzt, die Grundrechte wirken, was bei Jonathan ja nicht der Fall ist.
Ich hätte mir dennoch gewünscht, dass das Buch noch ein wenig erzählt. Viele Dinge werden nur immer ganz kurz erwähnt, ansonsten aber nicht mehr näher behandelt. So wird zwar angesprochen, dass viele der Kinder von Schnüffelstoffen abhängig sind, aber was das für den alltäglichen Kreislauf der Gewalt und Hoffnungslosigkeit im Knast bedeutet, darauf wird nicht eingegangen. Interessant hätte ich es auch gefunden, wenn nicht nur Jonathans Erlebnisse geschildert worden wären, sondern auch die Suche seiner Eltern nach ihm. Sein Vater ist ja schließlich auch Philippine, welche neuen Eindrücke bekommt er durch das Verschwinden seines Sohnes, von dem Land? Und wie reagieren eigentlich die Behörden dort, auf solch einen Fall?
Ich denke dieses Buch hat viel Potenzial, das leider nicht ganz ausgeschöpft worden ist. Trotzdem fand ich es sehr interessant und auch gut und flüssig zu lesen. Wer sich einmal für die Umstände in einem Kinderknast auf den Philippinen interessiert, dem kann ich das Buch auf jeden Fall empfehlen.
finden wir bei uns in Europa und Deutschland ganz viele. Sie haben oft keine Vorstellung von dem Leben, dass Gleichaltrige in ärmeren Ländern der Welt führen oder besser gesagt führen müssen.
Jonathans Vater ist gebürtig aus Manila und dorthin führt in nun nach vielen Jahren in Deutschalnd sein Weg in den Urlaub gemeinsam mit seiner Ehefrau und seinem 12-jährigen Sohn Jonathan. Dieser hat von Anfang an nicht wirklich Lust auf diesen Urlaub und täuscht daher Kopfschmerzen vor um sich alleine etwas in der fremden Welt umzusehen. In den engen Gassen Manilas entfernt er sich jedoch immer weiter vom Zentrum und landet in den Armutsregionen der Randstadt. Dort wird er ausgeraubt, liegengelassen und schließlich gemeinsam mit anderen Kindern, die ihm eigentlich nur helfen wollten, verhaftet. Im Kinderknast lernt er den Alltag der meisten manilischen Kinder kennen. Es sind Straßenkinder, die sich mit kleinen Diebstählen, dem Schnüffeln von Kleber etc. am Leben halten. Im Kinderkanst herrschen für Jonas unmögliche Zustände. Das Essen ist schrecklich, zu Trinken gibt es nur, wenn man schnell genug ist, die Toilette ist eine Kloake und wer nicht spurt wird eventuell sogar von den Wärtern geschlagen.
Hier ist es dem Autor gelungen den Alltag manilischer Straßenkinder wunderbar auch für gleichaltrige Kinder aufzuschreiben und zu verdeutlichen. Das Buch ist flüssig zu lesen und sollte alle jugendlichen Europäenr ein wenig für die Nöte und Ängste anderer wachrütteln.
Knastkinder von Rüdiger Bertram
Verpackung: Broschiert
Seiten: 128
Vorgesehene Zielgruppe: 12-13 Jahre
Preis: 7,95 €
ISBN 978-3-499-21497-4
Sie hockten auf dem Boden. Wieder einmal. Die anderen konnten ewig so hocken: Die Fersen fest auf dem Boden, die Arme locker auf den Oberschenkeln abgelegt. Jonathan bekam in dieser Haltung schon nach wenigen Minuten Krämpfe, die ihn zum Aufstehen zwangen.
(Zitat Kap. 9, S. 65)
Inhalt:
Der zwölfjährige Jonathan aus Deutschland soll in den Sommerferien die Heimatstadt seines Vaters, Manila, kennen lernen. Dieser Trip verläuft jedoch anders als geplant...
Als dem Jungen an einem Nachmittag die Langeweile plagt und er absolut keine Lust verspürt, seine Eltern auf den diestägigen Ausflug zu begleiten, beschließt er, sich mal alleine ein bisschen in der Stadt umzusehen, die er bisher ausschließlich in Begleitung seiner Eltern besichtigt hat. Doch sein Alleingang wird schnell bestraft: Er wird ausgeraubt und landet wegen einem Missverständnis im Kinderknast von Manila. Jonathan ist geschockt, als er das genaue Gegenteil seiner Lebensumstände in Deutschland kennen lernt. Zum Glück freundet er sich mit Arnel, Marlon und Dennis an.
Er ist sicher, dass er schnell von seinen Eltern befreit werden wird, aber ihm wird klar, dass niemand seinen Aufenthaltsort kennt. Da erwacht sein Kampfgeist...
Meinung:
Alles in allem hat mir Rüdiger Bertrams Roman gut gefallen.
Der Alltag im Gefängnis wird realistisch und deutlich geschildert und wirkt auf den Leser selbstverständlich erschreckend. Mich hat nicht nur die Tatsache, dass die Kinder zu wenig Nahrung, Schlafplätze, Hygiene usw. haben, entsetzt, sondern mich haben besonders die Strategien und Wege der Kinder interessiert, wie diese mit der Situation umgehen, die für sie Alltag ist.
Mir hat gefallen, wie die unterschiedlichen Charakteren dargestellt wurden: Einige der Jungen waren aggressiv, andere, viele, haben versucht, die Wirklichkeit mit dem Klebstoffschnüffeln zu verdrängen, wieder andere waren verschlossen und in sich gekehrt.
Den Schreibstil habe ich als sehr gut empfunden, auch wenn ich mir manchmal gewünscht hätte, dass die Gesamtathmosphäre durch die Sinneswahrnehmungen Jonathans besser geschildert worden wären.
Ich finde, dass das Buch einen tollen Einblick in die Welt außerhalb des an den mitteleuropäischen Standart angepassten Hotels gibt und einen zum Nachdenken anregt.
Was mir allerdings nicht so gut gefallen hat ist das Ende. Ich mag zwar "Open Ends", aber dieses war mir eine Spur zu open! Mich hätte interessiert, ob und wie Jonathan versucht, etwas für die Befreiung der gefangenen Kinder zu tun.
Außerdem hat mich die Altersempfehlung ein wenig gestört. Ich denke, dass es zwar ab 12 Jahren geeignet ist, es aber nach hinten keine Altersbegrenzung gibt, da ein aktuelles Thema wie dieses für jedes Alter interessant ist!
„Kennst du den?“ Dennis wartete gar nicht erst auf eine Antwort. „Sagt der Gefängniswärter zum Häftling: Ich hab ein Glasauge. Wenn du errätst, welches es ist, lasse ich dich laufen. Der Häftling schaut dem Wärter in die Augen, dann sagt er: Das linke. Darauf der Wärter: Hey, woher hast du das gewusst? Sagt der Häftling: Ganz einfach, es guckt so menschlich.“
Daheim in Berlin hätte Jonathan gelacht.
Wirklich begeistert war der zwölfjährige Berliner Jonathan nie von der Idee seiner Eltern, die Sommerferien in Manila, der Heimatstadt seines Vaters in den Philippinen zu verbringen. Tausende Besuche bei verlorenen Familienmitgliedern, seltsames Essen und eine Monsterkakerlake im Hotelzimmer – Jonathan reicht es! Er beschließt Manila auf eigene Faust zu erkunden.
Von den Verkäufern und Taxifahrern wird er nicht weiter behelligt – schließlich hat er die dunkle Haut und die schmalen Augen seines Vaters geerbt. Immer tiefer dringt er in die Bereiche Manilas ein, in die sich Touristen normalerweise nicht verirren. Doch er hat sich verirrt – und zwar gründlich. Und ebenso gründlich scheitert er bei der Wahl derer, die er nach dem Weg fragt. Statt in seinem Hotel landet Jonathan halb zu Tode geprügelt und bis auf die Unterhose ausgeraubt auf der Straße, ohne Geld, ohne deutschen Pass, ein weiteres Straßenkind in den Slums Manilas.
Und als solches wird er wenig später zusammen mit seinen zukünftigen Freunden und Verbündeten Arnel, Marlon und Dennis aufgegriffen und in den Kinderknast gesperrt.
Schon bald muss Jonathan erkennen: Hier drin gelten ganz andere Gesetze, Berlin ist auf einmal wahnsinnig weit weg und für die Wärter zählt ein einzelnes Leben nicht mehr, als das Geld, das sie an diesem durch den Verkauf von Klebstoff verdienen könnten…
Jonathans Geschichte ist frei erfunden, könnte sich aber auf den Philippinen genauso abgespielt haben.
So beruhigend der erste Teil des Satzes ist, bringt doch der zweite Teil mit aller Heftigkeit das ganze schockierende Ausmaß des Romans zum Ausdruck.
Das Buch von Rüdiger Bertram will nicht beschönigen, er bleibt relativ sachlich, lässt jedoch keines der in Manila vorherrschenden Probleme unerwähnt, weshalb er nicht nur zartbesaitete Menschen erschaudern lässt.
Auf mich wirkte die Atmosphäre und überhaupt die ganze Thematik auch deshalb mit so bedrückend, da ich mich vor allem mit Jonathan extrem gut identifizieren konnte. Er ist zwar erst die zweite Generation und doch fühlt er sich ganz und gar als Deutscher, er hat die Heimat seines Vaters bisher nie gesehen, hat deren Sprache zwar gelernt, konnte sie aber nie anwenden. Und aus dem Blickwinkel eben jenes normalen Berliner Schülers, der denkt, wie die Leser des Buches, wird die Geschichte erzählt.
Achtung! Ab hier enthält die Rezension Spoiler, die zwar wichtig für meine Meinung sind, dir das Lesen des Buches allerdings gründlich versauen könnten! Deswegen: lieber hier abbrechen und sich das Buch selbst besorgen! Es lohnt sich wirklich! =D
Wir können es uns wohl alle schwer vorstellen, dass unser Leben nichts mehr wert ist, nur, weil uns der Pass geraubt wurde. Dass sich die Leute weigern, uns zuzuhören. Dass man, wenn man krank ist keinen Arzt sehen kann. Dass man teuer für die Auslieferung der eigenen Post zahlt und letztendlich mit ansehen muss, wie diese zerrissen wird.
Obwohl natürlich viele Medien von den katastrophalen Zuständen in den weniger entwickelten Ländern berichtet haben, wurde für mich die ganze Tragweite und was das überhaupt für die Menschen bedeutet zu einem großen Teil erst durch das Lesen dieses Buches klar, einfach dadurch, dass ich nachempfinden konnte, wie die Hauptperson fühlt, was sie in er Situation wie dieser denken muss. Nach der Lektüre dieses Buches hat auf jeden Fall mein Glaube in Menschenrechte und Gerechtigkeit einen ziemlichen Knacks bekommen.
Am schockierensten war für mich eindeutig der unmenschliche Auftritt der Wächter, die den Kindern ihr letztes Geld abluchsen und ihnen dafür Klebstoff, billige Drogen, verkaufen, die den angenehmen Nebeneffekt haben, die Kinder apathisch und gefügig zu machen.
Jonathan ist in einer völlig fremden Welt gelandet (nicht einmal die Sprache seines Vaters hilft ihm wirklich weiter, da er ihm nur die „anständigen“ Wörter beigebracht hat) und muss viel über die Gesetze der Knastkinder lernen. An dieser Stelle wird auch noch einmal deutlich gezeigt, wie wichtig Freundschaft für diese Kinder ist, um überhaupt überleben zu können – gerade in unserer Zeit doch ein gutes Beispiel an einem Platz, wo wir es wohl am wenigsten erwartet hätten.
Wie erwähnt, vom Schreibstil ist das Buch sehr einfach gehalten und mit seinen 124 Seiten auch nicht gerade ein dicker Wälzer. Trotzdem lässt es sich sehr flüssig lesen und gerade die Thematik macht, dass man es nur äußerst ungern aus der Hand legt – oder wie in meinem Fall eben erst nach der letzten Seite.
Ein paar Sachen werden mir ein bisschen zu zielstrebig abgehandelt: Dennis ist tot, seine Freunde kommen relativ gut damit zurecht. Marlon entpuppt sich als Mädchen, nur wenige Tage, nachdem Jonathan entdeckt hat, dass er diesen seltsamen Jungen doch eigentlich sehr gerne mag. Seltsamer Zufall. Diese „Mädchengeschichte“ hätte für mich nicht sein müssen. Sie kommt mir sehr „reingequetscht“ vor, als hätte der Autor auf jeden Fall das Problem der Prostitution noch in seinem Buch haben wollen und dafür musste dann eben einer der „Jungen“ als Mädchen herhalten.
Allerdings stört dies beim Lesen kaum. „Knastkinder“ bleibt ein erschütternder, realistisch ausgeführter Roman, der wohl vor allem Jugendliche ab 12 Jahren anspricht. Und doch möchte ich ihn am liebsten allen ans Herz legen, weil die Welt vielleicht doch nicht immer ganz so ist, wie wir sie vor unserem Wohnzimmerfenster sehen…
Anmerkung:
Es tut mir wahnsinnig leid, dass diese Rezension so lange auf sich hat warten lassen!!! *schäm* Wir waren letzte Woche mit der Klasse in Berlin und die Hauptstadt hat sich mir ziemlich computerlos gezeigt^^
Sein Arm schmerzte, dort wo ihn der Knüppel getroffen hatte. Aber darauf kam es jetzt auch nicht mehr an. Ein blauer Fleck mehr oder weniger. Man gewöhnt sich an alles, hatte sein Vater einmal gesagt, als Jonathan ihn gefragt hatte, ob es ihm schwergefallen war, seine Heimat zu verlassen. Jonathan hatte ihm nicht geglaubt. Er glaubte es auch jetzt nicht. Man gewöhnt sich an alles, das war der dümmste Satz, den er jemals gehört hatte.
Für den Deutschen Jonathan wird ein Albtraum wahr: Er wollte doch nur mal ein paar Stunden ohne seine Eltern durch Manila spazieren. Schließlich spricht er die Sprache. Doch dann gerät er plötzlich i ein übles Viertel, wird ausgebraucht und landet im Knast. Zusammen mit Hunderten von Manilas Straßenkindern. Unter schrecklichen Bedingungen. Keiner glaubt Jonathan, dass ein furchbarer Irrtum passiert ist. Keiner kann ihm helfen. Wie soll er je wieder rauskommen?
(Klappentext)
Schon nach wenigen Stunden im Kinderknast wird Jonathan klar, dass er auf seine neuen Freunde Dennis, Marlon und Arnel angwiesen ist, wenn er hier überleben will. Denn als behütet aufgewachsener Deutsch hat er keine Ahnung, welche Gesetze unter Manilas Straßenkinder vorherrschen. Weder sie noch die Wärter kümmert es, ob ein Kind mehr oder weniger überlebt.
Immer wieder versucht Jonathan verzweifelt, den Wärtern klarzumachen, dass er nicht hierher gehört. Aber weder Worte noch Taten helfen, Briefe gelangen nicht an die andere Seite der Gefängnismauer und Flucht ist unmöglich. Und schließlich wird nicht nur Jonathan selbst, sondern auch sein bester Freund Arnel krank...
Jonathans Geschichte in Knastkinder von Rüdiger Bertram ist frei erfunden, aber genau so könnte sie sich tagtäglich in Dritteweltländern abspielen. So schockierend die beschriebenden Knastverhältnisse sind, trotzdem weiß man schon während des Lesens, bevor man das Nachwort des Autores liest, dass sie nur allzunahe an der Wirklichkeit liegen. Gegen Ende hin wird man schließlich überrascht. Man wünscht sich ein Happyend für Jonathan und seine Freunde, doch zugleich weiß man, dass dies nicht realistisch wäre. Deshalb finde ich das Ende gut gewählt, obwohl oder gerade weil man nicht erfährt, was mit den Jungs weiterhin passiert. Mit 125 Seiten ist Knastkinder nicht gerade dick, man hätte gern noch mehr über Jonathans Leben im Knast und verzweifelten Versuche sich zu behaupten gelesen. Interessant wäre es beispielsweise auch gewesen, immer wieder kurze Abschnitte aus der Sicht des Wärters, eines anderen Straßenkindes oder der Eltern einzubringen. Zum Beispiel erfährt man überhaupt nichts über die Suche nach Jonathan.
Das Thema ist ernst, wird aber durch Dennis Witze immer wieder aufgelockert. Außerdem trägt auch die nüchterne, objektive Schreibweise dazu bei, die doch relativ schwere Lektüre leichter zu verdauen und das Buch problemlos in einem Rutsch zu lesen. Deshalb würde ich das Buch Kinder ab 12 Jahren empfehlen.
"Knastkinder" beruht auf einer Idee des Kölner Vereins "Tatort-Straßen der Welt" die mit einem Schultheaterstück auf das Elender der Knastkinder in Manila aufmerksam machen wollten. Erst wurde die Geschichte von Knastkindern in Schultheaterstücken dargeboten. Rüdiger Bertram war von den Engagement der Schüler und Lehrer so beeindruckt das er die Idee hatte diese Geschichte in Buchform rauszubringen, um damit weiter auf das Leid und Elend der Knastkinder aufmerksam zu machen.
Gelungen ist ihm dieses auf jeden Fall. Jonathan, ein aufgeweckter 12-jähriger macht sich in Manila auf Erkundungstour. Da er die Sprache spricht ist er überzeugt, dass ihm nichts passieren kann. Leider verirrt er sich und gerät in ein Slumviertel in Manila. Dort wird er von einer Jugendbande überfallen, die ihm seine teuren Markenklamotten klauen. Bis auf die Unterhose beraubt liegt er zusammengeschlagen auf der Straße. Ein paar andere Straßenkinder finden ihn und haben Mitleid, da werden sie auch schon von der Polizei aufgegriffen und werden in den Kinderknast gebracht. Hier beginnt Jonathans Leidensweg. In Deutschland behütet aufgewachsen lernt er hier die harte Welt der Straßenkinder kennen, die alle einmal oder sogar mehrere Male in den Kinderknast kommen. High vom Klebstoffschnüffeln ertragen sie ihr Schicksal und Jonathan muss sich schnell fügen lernen um zu überleben. Keine Rechte stehen den Kindern im Knast zu. Wer einmal dort drin ist, kommt nicht so einfach wieder raus. Bertram hat diese Misere der Kinder gut aufgegriffen und macht klar wie notwendig es ist diesen Kindern helfen zu müssen, oder wenigstens darauf aufmerksam zu machen, da vielen Menschen die Misere der Kinder in Manila und den anderen Staaten dort nicht kennen. Schade ist nur das dieses Buch doch ziemlich abrupt endet. Fragen, die den Leser noch interessieren, werden leider nicht mehr beantwortet. Trotzdem erhält der Leser eine gute Übersicht und das Buch ist nicht nur für jugendliche Leser geeignet. Mit 125 Seiten ist das Buch zwar nicht lang, kommt aber ziemlich gut auf den Punkt. Kurze Unterhaltung, aber mit einem hohen Nachdenkfaktor hinterher.
"Bücher sind wie Schiffe, welche die weiten Meere der Zeit durcheilen." Francis Bacon
Dieses Jugendbuch hat mich, auch wenn ich altersbedingt nicht in die Zielgruppe gehöre, sehr angesprochen. Die Geschichte über den zwölfjährigen Jonathan, der unverschuldet in einem philippinischen Kinderknast landet, ist spannend und flüssig geschrieben. Die Sprache lässt vor unserem inneren Auge sehr reale und schockierende Bilder der Stadt Manila und des Gefängnisses entstehen. Man fiebert mit Jonathan und seinen neuen Freunden aus der Straßenkinderszene Manilas mit. Verhältnismäßig schnell lernt Jonathan mit Hilfe seiner Freunde, im Kinderknast trotz aggressiven Übergriffen, Krankheit und Hunger zu überleben. Durch die Schicksale dieser "Knastkinder" erfährt man aber auch einiges über den Alltag der Straßenkinder, die in einer Riesenstadt auf sich allein gestellt sind und der Willkür u.a. der Polizei ausgesetzt sind, und wie wenig ein Menschenleben hier wert ist. Sollte es einmal eine Fortsetzung des Romans geben, in der das Schicksal von Arnel und Marlon weitererzählt wird, werde ich sie berstimmt lesen. Schon den Tatort "Manila" fand ich sehr spannend und realistisch dargestellt, obwohl ich dieses Buch während des Lesens nicht damit in Verbindung gebracht hatte. Ein wirklich besonderes Buch, das ich mit Sicherheit weiterempfehlen werde!
“Und wie willst du das machen?”
“Was?”, fragte Jonathan.
“Hier rauskommen? Wie willst du das machen?”
“Meine Eltern holen mich raus. Ist doch klar.”
“Und woher sollen die wissen, dass du hier bist?” Arnel sah Jonathan direkt in die Augen. “Die wissen doch gar nicht, wo du bist.”
“Die werden mich schon finden.”
“Wie denn? Niemand da draußen weiß, wo du bist. Kapierst du nicht? Niemand!”
Eigentlich wollte Jonathan nur mal eben ein paar Stunden in Manila spazieren gehen, die aufregende philippinische Stadt, von der er bisher nur die Touristenecken gesehen hat, einmal auf eigene Faust kennenlernen und der ewigen Einöde im Hotel entkommen. Eigentlich konnte ihm ja auch nichts passieren. Er ist zwar Deutscher, spricht aber die philippinische Sprache, die Muttersprache seines Vaters, der 25 Jahre zuvor nach Deutschland geflohen war und dort Jonathans Mutter kennenlernte.
Eigentlich.
Denn Jonathan muss schnell erleben, wie schnell man sich irren und welch fatale Folgen dies mit sich bringen kann.
Ehe er sich versieht, findet er sich in einem der Slums Manilas wider, in der Gesellschaft einiger heruntergekommen wirkender Jungen. Jonathans Frage nach dem Weg zurück zum Hotel hat fatale Folgen: Wenige Minuten später liegt er bis auf die Unterhose ausgeraubt und zur Bewusstlosigkeit geprügelt am Boden.
Als er kurz darauf von philippinischen Polizisten aufgegriffen wird, glaubt er sich gerettet, doch zu seinem Entsetzen wollen diese seiner wahren Herkunft keinen Glauben schenken. Statt wie gehofft zurück in sein Hotel bringen sie ihn in einen Kinderknast.
Bald schon muss Jonathan feststellen, dass seine Nationalität und seine vergleichsweise reichen Eltern ihm nicht weiterhelfen können, wenn er nicht ernst genommen wird.
Gemeinsam mit all den anderen Straßenkindern sitzt er in dem schmutzigen Gefängnis fest, unter geradezu unmenschlichen Bedingungen. Allmählich bekommt er einen Eindruck von Manilas zweitem, viel reelleren Gesicht und wird unweigerlich selbst zu einem Straßenkind.
Wie soll er nur je wieder dort rauskommen? Die Situation scheint ausweglos.
Denn ohne seinen Ausweis ist er ein Niemand…
Mit schockierender Realitätsnähe und schonungsloser Sachlichkeit macht Rüdiger Bertram in seinem Buch “Knastkinder” auf das Elend der Knastkinder in Manila aufmerksam. Verpackt in einen auf den ersten Blick 124seitigen ansprechend geschriebenen Roman bombardiert er den Leser geradezu mit einer unbeschönigten Tatsache über das Leben der Straßenkinder Manilas nach der anderen und übt somit - gerade weil er sich bei seiner Schilderung stets auf trockene unvoreingenommene Sachlichkeit beruft - eine ganz klare Kritik gegen die in den Kinderknästen, sowie die auf den Straßen der Philippinen herrschenden Missstände aus.
Die Wahl seiner Hauptperson verstärkt die Wirkung seiner gnadenlosen Beschreibungen umso mehr aufgrund der Tatsache, dass es sich hierbei um einen jungen Deutschen handelt, der fälschlicherweise aufgrund seiner Abstammung für ein Straßenkind Manilas gehalten wird und das “Leben” in einem Kinderknast somit am eigenen Leib erfahren muss. Seiner Nationalität und Herkunft wegen erlebt Jonathan den Aufenthalt in dem philippinischen Gefängnis als besonders menschenunwürdig und grausam und erleichtert es dem Leser insofern, sich selbst ein Bild, eine Meinung über die dort herrschenden Missstände zu machen. Da er den gleichen Luxus gewöhnt ist wie wir Deutschen ihn im Allgemeinen gewöhnt sind, fällt es uns umso leichter uns mit ihm zu identifizieren.
Hätte Bertram hingegen einen Straßenjungen aus Manila als Hauptperson genommen, wäre die Botschaft seines Buches längst nicht so schockierend rübergekommen, da ein solcher wohl kaum die Notwendig einer Erläuterung des Zustandes sanitärer Einrichtungen und Schlafgelegenheiten gesehen hätte.
Obgleich die Geschichte Jonathans fiktiv ist, so ist sie doch keineswegs unrealistisch, was sie selbstverständlich noch schlimmer erscheinen lässt.
Das Buch ist aus einem Schultheaterstück entstanden, das im Rahmen eines Wettbewerbs des Kölner Vereins “Tatort - Straßen der Kinder” auf das Elend der Knastkinder in Manila aufmerksam machen wollte. Wie bereits erwähnt gelingt es auch dem Buch, die Aufmerksamkeit des Lesers auf die meist gut versteckten Hintergründe prächtiger touristischer Angebote vor allem in entwicklungsschwächeren Gebieten zu lenken.
Schon der Buchtitel und das Cover allein üben eine schockierende Wirkung auf den Betrachter aus. “Das besondere Buch” steht auf der Vorderseite geschrieben und dieser Behauptung muss ich voll und ganz recht geben.
Ich möchte nicht takt- und geschmacklos wirken, indem ich behaupte, dass mir das Buch gut gefallen hat, aber es ist wahr, es hat mir gut gefallen. Auf seine ganz besondere schockierende Art.
Meiner Meinung nach sollte es mehr solcher Bücher geben. Es wäre zwar naiv, zu behaupten, dass sie dazu in der Lage seien, die Welt zu verändern, aber es steht doch ganz außer Frage, dass sie nicht zumindest das Bewusstsein möglichst vieler Menschen dazu bewegen, die Welt verändern zu wollen.
Da ich der Überzeugung bin, dass dieses Buch seinen Teil zu einer solchen Aufklärung beiträgt, möchte ich es nicht nur jungen, sondern auch erwachsenen Lesern ab zwölf Jahren wärmstens ans Herz legen.
Es ist eine Empfehlung, aber zugleich auch eine Bitte: Unbedingt lesen!
Details
Knastkinder
von Rüdiger Bertram
Umfang: 124 Seiten
Preis: 7,95€ (D)
ISBN: 978-3-499-21497-4
Inhalt:
In dem Buch geht es um den 12 jährigen Jonathan. Sein Vater stammt ursprüglich aus Manila, der Hauptstadt der Philippinen. Nun, nach vielen Jaren in Deutschland, möchte er Jonathan und seiner Frau seine Heimat zeigen. Also machen sie Urlaub in Manila. Doch der Vater hat jede Minute genauestens verplant. Das ist Jonathan zu viel. Eines Tages hat er einfach keine Lust mehr den ganzen Tag mit seinen Eltern zu verbringen. Er verschfft sich durch eine keine Lüge einen freien Nachmittag. Doch den Nachmittag alleine im Hotel zu verbringen findet er auch langweilig. Also macht er sich auf, alleine die Stadt zu erkunden. Bei diesem Spaziergang lernt er auch dei arme Seite der Stadt und ihre harten Regeln kennen. Er wird zusammengeschlagen, ausgeraubt und von der Polizei in den Knast gesteckt. Er wird für ein armes Straßenkind gehalten, da er keine Papiere und kein Geld mehr besitzt. Er hat nun eine große Herausforderung vor sich: Er muss sich gegen die anderen Kinder im Kanst durchsetzen und er muss einen Weg zurück zu seinen Eltern finden. Doch zum Glück ist er nicht alleine: Er findet neue Freunde, die ihm helfen und ihn mit dem Gesetz des Kanstes vertraut machen.
Ein Buch über das Elend der Straßenkinder auf den Philippinen und einen kleinen Jungen aus Deutschland, der lernen muss, sich im Knast zu behaupten.
Meine Kritik:
Das Buch war sehr interessant geschrieben. Es fesselte mich von der ersten Seite an. Die einzige Kritik, die ich vorzubringen hätte, wäre, dass ich noch gerne gewusst hätte, ob er am Ende seinen neuen Freunden helfen konnte, oder nicht.
Fazit:
Wer dieses Buch gelesen hat, wird geschockt sein, von den Umständen, unter denen die Staßenkinder auf den Philippinen leben müssen. Das Buch regt zum Nachdenken an. Mein erster Gedanke, als ich das Buch beendet hatte war: "Kann man den Kindern nicht irgendwie helfen?" Viele werden nun wachgerüttelt worden sein, denn nicht allen Menschen auf der Welt geht es so gut wie und in Deutschland.
Rüdiger Bertram öffnet mit seinem Buch "Knastkinder" seinen Lesern das Tor zu einer anderen, für uns hier in Deutschland schockierenden Welt.
Der 12jährige Berliner Jonathan ist zum ersten Mal in Manila, der Heimatstadt seines Vaters. Als Jonathan sich eines Tages allein zu einer Erkundungstour aufmacht, wird er von Jugendlichen überfallen, die ihm seine Kleider, persönlichen Gegenstände, seinen Pass und damit seine Identität stehlen. Kurz darauf wird Jonathan zusammen mit den drei einheimischen Kindern Marlon, Arnel und Dennis von der Polizei aufgegriffen und in ein Kindergefängnis verfrachtet. Die Zustände dort sind schockierend, das Wohlergehen der Kinder kümmert dort niemanden, die dort herrschende Brutalität ist schockierend.
Mit treffenden Worten beschreibt der Autor die Zustände in einem Kindergefängnis in Manila. Treffsicher beschreibt er die Gefühle seines jungen Protagonisten, der so völlig aprupt aus seiner vertrauten Welt hinausgerissen wird und Zustände kennenlernt, die für einheimische Straßenkinder in Manila ganz normal sind. Das Buch ist für junge Leser ab 12 trotz seiner Kürze sehr empfehlenswert, denn es lenkt den Blick auf eine andere, uns hier meist unbekannte Welt zwischen Hunger, Kleber schnüffeln und Elend, die aber leider kein Hirngespinst, sondern für viele Menschen und auch Kinder bittere Realität ist, aus der es, anders als für Jonathan, kein Entkommen gibt.