





Pünktlich, als der Mond oben an der Oberfläche gerade unter gegangen war und die ersten Sonnenstrahlen bereits wieder die oberirdische Nacht zum Tag machten, stolperte Day Mulkim gerade aus der silber verchromten Tür eines Shuttles der ZUP heraus.
Von dem gerade gelesenen Namen sollte man sich keineswegs täuschen lassen- es handelte sich hier durchaus um ein weibliches Wesen, genau genommen, um eine weibliche Unterirdische. Mulkim war eine Fee und sie war vermutlich eine der wenigen ihrer weiblichen Artgenossen, die sich zum Dienst bei der ZUP, der Zentralen Untergrund Polizei, gemeldet hatte. Nicht, das sie sich darauf etwas einbilden würde.
Die Möglichkeit bei der Polizei anzufangen hatte natürlich voraus gesetzt, dass sie die Zeit auf der Aubildungs-Akademie erfolgreich überlebt hatte.
Doch wie ihre Dienstmarke, die Neutrino 2001 -gerade erst erschienen- und das Sonder-Einsatz-Shuttle hinter ihr bewiesen, hatte sich sie es geschafft- auch, wenn sie von Zeit zu Zeit das Gefühl hatte, sie hätte die Hälfte ihrer Flügel dort zurück gelassen.
Day war zur Aufklärungseinheit gegangen, nachdem sie einem Einsatz bei der Bergung zugesehen hatte, um sich ein Bild von ihrem zukünftigen Arbeitstag machen zu können, denn eigentlich wollte sie ja zur Bergung... Doch die Verlustrate hatte ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht. Oder viel mehr ihre Courage- wieder etwas, von dem Day das Gefühl hatte, sie hätte es auf der Akademie zurück gelassen....
Jedenfalls war der Antrag zur Aufnahme in die Aufklärungseinheit bereits gestellt und der Einstellungstest war bereits gemacht. Beides, sowohl Antrag, als auch Test, waren noch lange nicht so schwer, wie erzählt wurde. Sie waren viel schwerer. An dem Ergebnis ihrer Prüfung konnte man sehen, wie schwer. Ihr Abschluss war sicherlich keine Glanzleistung.
Seit dem Ableben von Commander Julius Root waren die Leute bei der Untergrund-Polizei noch vorsichtiger geworden und die Test ungefähr dreimal so schwer, obwohl es natürlich auch an Day liegen konnte, dass sie den Test nur mit Glück bestanden hatte. Mit viel Glück.
Doch Day würde sich weder von dem fast Versagen, noch von irgendwelchen schrecklichen Shuttle-Probeflügen abschrecken lassen, wie sie ihn gerade erlebt hatte. Schrecklich, doch, stur wie sie war (Oder eher gesagt zu feige, um aufzugeben und sich selbst zu enttäuschen), hätte sie vermutlich eher ihre Hautfarbe eingetauscht, als diesen Job bei der ZUP zu schmeißen.
Mulkim hatte die gleiche grüne Haut, wie sämtliche Mitglieder ihrer Familie auch und stellte an ihrem Aussehen, zusammen mit ihren Flügeln, so ziemlich das Einzige dar, was sie an sich mochte. Was sie allerdings ziemlich ärgerte -und mitunter wirklich kochen ließ- war die Tatsache, dass so manch ein Unterirdischer automatisch bei dem Wort "Fee" zwar an grüne Haut dachte, doch automatisch noch eklige, große Warzen hinzu fügte.
Von wegen.
Day kannte eine Menge Feen, die nur kurzweilig diese kleinen Problemchen hatten- ansonsten waren sie genauso unwiederstehlich, wie der Rest ihrer Gattung, und in diesem Punkt dachte Day genau wie der Rest ihrer Artgenossen.
Als einzige der acht Familien noch Flügel zu besitzen machte einen nun mal zu etwas besonderem. Wieso also leugnen?
Doch im Gegensatz zu den meisten Feenmännern, die ja bekanntlich eh immer ein Fall für sich waren, bevorzugte Day es, nicht mit dieser Tatsache anzugeben. Höchstens indirekt. Und das auch nur manchmal.
Ihr Gesicht vermittelte einen leicht kindlich angehauchten Eindruck und besaß eine ovale Form. Sie hatte die Feentypischen spitzen und grünen Ohren und keine "Fühler", wie die Menschen es teilweise darstellten. Feen waren doch keine Insekten! Die meisten Oberirdischen sahen sowieso selbst aus, wie komische Insekten- am ganzen Körper behaart und, teilweise, mit riesigen Sonnebrillen ausgestattet.
Natürlich existierten auf Days Kopf ebenfalls Haare, tiefschwarz, Kinnlang und glatt, so, als ob jemand sie direkt auf ihren Kopf gezeichnet hätte. Ihre Nase war stupsartig, kurz und gerade und ihr Mund ausgestattet mit schmalen, aber dennoch geschwungenen Lippen, dessen Grün heller und wärmer war, als das ihrer Haut. Mulkims Augen waren groß und mit dichten, schwarzen Wimpern umrahmt. Die Farbe glich einem nicht mehr ganz frischem Nesselshake oder einer Algenmaske- ein Grünbraun, fast schon tarnfarben.
Auf dem Rücken des Captains -eine Zeit lang hatte Day dieses Wort zehn mal am Tag gesagt, weil sie so stolz war- prangten die, für Feen vollkommen normale, Flügel. Es waren zwei Paare, wovon die größeren Hauptflügel zum Gleiten und die kleineren Nebenflügel zum Steuern dienten. Vom Äußeren her könnte man die Flügel durchaus mit denen einer Libelle vergleichen.
Doch es gab da etwas, das Day Mulkim von den vielen, vielen anderen Feen (und Feenmännern) der unterirdischen Welt unterschied.
Zunächst wäre da einmal ihr Job bei der ZUP, den, wie gesagt, kaum eine weibliche Fee mit Vorliebe ergriff. Doch ihr Job machte sie keineswegs zu einem Hoffnungssymbol der weiblichen Feenwelt, im Gegenteil. Es hatte eher den Anschein, dass die weiblichen Feen lieber ihre jetzigen Aufgaben ausübten, Tunnel verstopfen oder Warzenheilerinnen und Krankenschwestern werden, und sie deswegen auch nicht sonderlich beliebt war. Insgeheim hätte sie daran gerne etwas geändert, doch ihr fehlte nicht nur die Zeit, sie hätte auch nicht gewusst wie und vermutlich nur herum gestottert bei dem Versuch eine der Feen von ihrer Weiblichlichkeit zu überzeugen..
Die männlichen Ausgaben der Feenfamilie glaubten sowieso, sie wären die überlegendere Art und waren kein bisschen davon begeistert, dass sich eine Frau in ihr Gebiet drängen wollte. Captain Day Mulkim wäre jedoch nicht sie selbst gewesen, wenn sie sich von den Feenmännern der Unterwelt, die sowieso nicht ganz so ihr Fall waren, aus der Bahn hätte werfen lassen und daher gab es etwas anderes, dass sie leicht verunsicherte und sie, ganz nebenbei erwähnt, schon in die ein oder andere Notsituation gebracht hatte.
Denn, ganz unter uns gesagt: Regelmäßigkeit war nicht Days Stärke und dementsprechend litt manchmal auch das Ritual darunter. Gepaart mit ihrer Schusseligkeit gab es so manche Fee, die bei dem Klang ihres Namen nur den Kopf schüttelte.
"Schusseligkeit" konnte man im Bezug auf Day in soweit definieren, dass sie, wenn sie über etwas grübelte und gleichzeitig flog, gelegentlich gegen Wände, Shuttles, Steine, Unterirdische, Bäume- kurz gesagt mit allem kollidierte, was in diesem Zustand ihren Weg kreuzte. Durch diese Eigenschaft war sie schon öfter im Krankenhaus gewesen, als ihr lieb war.
Außerdem hatte sie einen Orientierungssinn wie ein Marmor-Felblock und brauchte bei jedem Einsatz ein integriertes Navigations-System.
Und als wäre sie damit nicht nur genug gestraft, war sie schüchtern, wenn es darum ging, anderen die Meinung zu sagen oder einen Wunsch zu äußern.
Zum Glück war Day nicht auf den Kopf gefallen, konnte wenigstens mit ihren eigenen Flügeln gut umgehen und brachte es immerhin fertig mit einer Pistole ein sich bewegendes Ziel zu treffen und sich dann, mit Hilfe der Magie und Einsatz gehärteter Fingernägel, einen Gefangenen in Gewahrsam zu nehmen.
Wären die positiveni Dinge nicht gewesen, wäre Day nicht nur bei der ZUP sofort hochkant heraus geflogen, sondern könnte auch diesen ganz, ganz kleinen, ganz geheimen Wunsch, den sie hegte, sogleich verwerfen können. Nebenbei bemerkt würde sie diesen Wunsch natürlich niemals leugnen.
Bei diesem kleinen Wunsch handelte es sich, eigentlich, um eine recht einfache Sache. Sie würde wirklich nur zu gerne einmal Holly Short auf einem Auftrag begleiten, denn wirklich lange war sie noch nicht in diesem Job, und Holly war so etwas, wie ihr Vorbild. Davon einmal abgesehen konnte Holly so einiges an erstaunlichen Erfolgen auf ihrem Konto verbuchen und es war sicher sehr lehrreich, Holly Short zu begleiten.
Die seltsamen Anklagen, die vor einiger Zeit gegen Holly auf Grund verschiedener Sachen erhoben worden waren, hatten Day nie beeidruckt und auf das Bild, das die Medien von Holly vermittelten, hatte der Captain auch noch nie wert gelegt.
Natürlich würde sie diesem Artemis Fowl schon gerne mal das ein oder andere sagen -schüchtern war sie gegenüber anderen Unterirdischen, dummen Menschen jedoch nicht-, doch Day würde diesen Wunsch natürlich niemals aussprechen können.
Als Day also an diesem denkwürdigen Abend noch leicht benommen die Stufen des Shuttles am Shuttlehafen E-1, Tara, Richtung Boden herunter stieg, oder besser gesagt taumelte, wusste sie natürlich noch nicht, welche Nachrichten Major Trouble Kelp für sie in Petto hatte.
Sie wusste nicht, dass ihr Wunsch kurz davor stand, sich zu erfüllen und sie hatte auch noch keine Ahnung, dass sie und ihre Nerven wegen genau dieses Wunsches auf eine ziemlich harte Probe gestellt werden würde.
Und zwar eine Probe von einem "dummen", kleinen Obridischen.
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Kritik erwünscht. ;)
Kommentare
Kommentar
Ich finde, du hast dich bei Day zu sehr von Hollys Charakter leiten lassen, sie ist nicht "besonders" genug.
Wäre klasse, wenn du dir mal meinen Beitrag anschautest ;)